Im Fall Commerzialbank hat sich die Aufsichtsbehörde der Abschlussprüfer (Apab) die Arbeit des Prüfers Pro Revisio - früher TPA - genau angesehen und ist zu einem negativen Ergebnis gekommen. Die Apab-Ausführungen gingen auch an die Finanzprokuratur, die von der Behörde mit der rechtlichen Prüfung des Berichts beauftragt wurde. Im Rahmen einer Sachverhaltsdarstellung bei der WKStA regte sie an, ein Strafverfahren gegen die Prüfer einzuleiten.

"Mit der Sachverhaltsdarstellung hat die Finanzprokuratur den Apab-Abschlussbericht an die WKStA übermittelt und angeregt, diesen strafrechtlich zu würdigen und die Einleitung eines Strafverfahrens zu prüfen", sagte der Präsident der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, am Montag zur APA. Details zum Inhalt des Prüf-Berichts könne er nicht nennen, so Peschorn.

Laut Medienberichten stellte die Apab jedoch eine große Anzahl an schwerwiegenden Mängeln fest. Aufgrund dessen sei schwer nachzuvollziehen, warum die Prüfer die Bestätigungsvermerke für die Jahresabschlüsse 2016, 2017 und 2018 ordnungsgemäß erteilt haben. Unterm Strich vergab die Behörde für die drei Prüfungsaufträge die Note 'unzureichend' - die schlechteste der vier Noten, die vergeben werden.

Bankenskandal flog 2020 auf

Die Apab hatte nach Auffliegen des Bankenskandals im Sommer 2020 begonnen, die Bilanzen von 2016 bis 2018 zu prüfen. Der Bericht wurde im Herbst 2021 fertig. Die lange Prüfungsphase erklärt Peschorn folgendermaßen: "Warum haben die Untersuchungen bis Sommer 2021 gedauert? Weil die Apab genau untersucht hat und weil dem ehemaligen Abschlussprüfer der Commerzialbank Mattersburg zwei Mal die Möglichkeit eingeräumt wurde, ausführlich Stellung zu nehmen. Die Stellungnahmen waren von der Apab zu würdigen."

Laut "Standard" hatte Pro Revisio die Kritik der Apab scharf zurückgewiesen. Die Einschätzung der Behörde sei "unrichtig". "Im Nachhinein ist es leicht, gescheiter zu sein", hieß es vonseiten der Prüfer.

Was die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nun mit der Sachverhaltsdarstellung der Finanzprokuratur macht, bleibe ihr überlassen. Aber: "Grundsätzlich besteht ein großes Interesse an der strafrechtlichen Untersuchung, weil sich im Gesamtkomplex des Straffalles Commerzialbank natürlich immer die Frage stellt, wer hat seine Aufgaben bei der Commerzialbank Mattersburg nicht erfüllt", hielt Peschorn fest.