Die Österreich-Tochter des deutschen Halbleiterkonzerns Infineon hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen ordentlichen Gewinnsprung hingelegt. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 84 Prozent, der Umsatz legte um ein Viertel zu. Der Wachstumskurs des Chipproduzenten wird fortgesetzt, kündigte Infineon-Austria-Chefin Sabine Herlitschka am Dienstag bei einer Pressekonferenz an. Halbleiter wurden im Zuge der Coronakrise und der Verwerfungen der globalen Wirtschaft zur Mangelware.

Der Chipkonzern rechnet mit weiterhin hoher Nachfrage und baut seine Produktion massiv aus: In den nächsten fünf Jahren sollen die Kapazitäten für die 300-mm-Dünnwafer-Technologie um das Achtfache erweitert werden, sagte Technik-Vorstand Thomas Reisinger. Die Kapazitäten für neue Materialien für Halbleiter werden um das Sechsfache erweitert. Villach ist das Kompetenzzentrum des Konzerns für die neuen Halbleitermaterialien Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Die im Herbst eröffnete neue VilIacher 300-mm-Dünnwafer-Fabrik bildet mit der "Schwesterfabrik" in Dresden einen Fertigungsverbund, für die Kunden bedeute dies mehr Flexibilität bei der Auftragsproduktion. In der Serienfertigung bringe es schnellere Markteinführung und höhere Skalenerträge.

Die Trends zur Digitalisierung und Elektrifizierung treiben die Nachfrage nach Halbleitern. Infineon will zur Energiewende mit seinen in Villach produzierten Leistungshalbleitern beitragen. Diese tragen zur CO2-Einsparung bei, indem sie die Energieeffizienz heben und Kosten sparen, erläutert Herlitschka. Der "ökologische Nettonutzen" bei den 8,72 Milliarden in Villach produzierten Chips bringe eine CO2-Reduktion von rund 7 Millionen Tonnen. Dies entspreche der Hälfte aller jährlichen Pkw-Emissionen in Österreich.

CO2-neutral bis 2030

Der Konzern will selber bis zum Jahr 2030 CO2-neutral werden. Als Beispiel für Kreislaufwirtschaft dient "grüner Wasserstoff": Ab Sommer 2022 wird in Villach Wasserstoff mit Elektrolyse mittels erneuerbarer Energie produziert, der dann in der Chip-Produktion verwendet wird. Danach soll er im öffentlichen Verkehr für Busse mit Wasserstoff-Antrieb eingesetzt werden.

Infineon Österreich hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 sein Ergebnis vor Steuern um 84 Prozent auf 361 Mio. Euro gesteigert, der Umsatz wuchs um 25 Prozent auf 3,898 Milliarden Euro. "Es war ein grandioses Geschäftsjahr", sagte Infineon-Austria-Chefin Herlitschka. 8,72 Milliarden Chips wurden im Geschäftsjahr 2020/21 in Villach erzeugt. Im August startete die neue Chipfabrik mit der Produktion der 300-mm Dünnwafer, ihr Bau war schon 2018, also vor der aktuellen Chipkrise, beschlossen worden. Die hohe Nachfrage nach Chips werde weiter anhalten, erwartet Herlitschka. Mit den in Villach produzierten Leistungshalbleitern werde ein Beitrag zur Energiewende geleistet.

Gewachsen ist auch der Personalstand in Österreich, der einen neuen Rekordstand erreichte: Zum Bilanzstichtag am 30. September 2021 arbeiteten 4.820 Personen bei Infineon Austria, um 7 Prozent mehr als ein Jahr davor. Aktuell sind 250 Posten unbesetzt, denn auch Infineon leidet unter dem Fachkräftemangel, der besonders im technischen Bereich sehr ausgeprägt ist. Gesucht werden technische Fachkräfte wie etwa Chemiker, Verfahrenstechniker und IT-Spezialisten. Am Sitz von Infineon Austria in Villach ist ein Großteil der Mitarbeiter beschäftigt, aktuell werden aber auch am Standort Graz 50 Personen gesucht. In der steirischen Landeshauptstadt arbeiten knapp 450 Beschäftigte etwa für die Software-Entwicklung von Antriebs- und Motorsteuerung. Graz ist auch eines von vier globalen Zentren des Konzerns für industrielle Mikrocontroller. In Linz liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Radarchips.

Hohe Forschungsausgaben

Insgesamt sind im Infineon-Konzern weltweit rund 50.000 Personen beschäftigt, das börsennotierte Unternehmen zählt zu den Top-10 in der Halbleiterindustrie.

Auf die enge Verbindung von Forschung und Produktion in der Halbleiterindustrie ist man bei Infineon Österreich besonders stolz. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind um 4 Prozent gestiegen und machen nun mit 516 Millionen Euro 13 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ein Fünftel der F&E-Beschäftigten im ganzen Konzern arbeitet in Österreich. "Infineon ist das forschungsstärkste Unternehmen Österreichs", freut sich die Vorstandsvorsitzende. Mit 804 Millionen Euro Gesamteinkaufsvolumen, von denen 310 Millionen in Österreich ausgegeben werden, sei man auch ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor. (apa)