Am Dienstag wurde das Konkursverfahren über den Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade mit Sitz in Grödig am Salzburger Landesgericht eröffnet. Die Hersteller der Mirabell-Mozartkugel mussten im Zuge der Corona-Krise herbe Umsatzverluste hinnehmen und schlitterten in Zahlungsunfähigkeit. Den Mitarbeitern können weder die November-Gehälter noch das Weihnachtsgeld überwiesen werden, hieß es seitens des Unternehmens. 140 Arbeitnehmer und 614 Gläubiger sind von der Pleite betroffen.

Wie der Kreditschutzverband KSV1870 berichtet, sollen Passiva von 27,29 Millionen Euro Aktiva von lediglich 23,35 Millionen Euro gegenüberstehen. Wie es nun mit dem Unternehmen weitergeht und ob eine Sanierung möglich ist, ist noch unklar. Die Gehälter könnten jedenfalls vom eigens für solche Fälle eingerichteten Insolvenzentgeltfonds bezahlt werden. Die AK Salzburg sicherte den betroffenen Mitarbeitern jedenfalls rasche Hilfe zu. Die tschechische Verpackungstochter ist nicht betroffen.

Umsatz eingebrochen

Das Unternehmen, das unter anderem Mirabell-Mozartkugeln für den US-Konzern Mondelez exklusiv herstellt, wurde von der Corona-Pandemie hart getroffen. Einige Geschäfte mussten während der Lockdowns schließen. Viele Firmenfeiern, Events, Hochzeiten und Feste, zu denen man edle Pralinen schenkt, wurden abgesagt. Außerdem kamen in den vergangenen zwei Jahren deutlich weniger Touristen. Das machte sich auch beim Traditions-Unternehmen bemerkbar. Nach Angaben von Geschäftsführer Christian Schügerl ist zudem ein Großauftrag aus dem Jahr 2016 storniert worden.

Man habe die Verluste aus dem Vorjahr nur teilweise kompensieren können, zitiert die Austria Presse Agentur aus einem Mail der Geschäftsführung an die Belegschaft. 2019 soll der Umsatz 28,72 Millionen Euro betragen haben. Wie groß die Verluste 2020 waren, ist nicht bekannt. Das Salzburger Traditionsunternehmen wurde 1897 unter dem Namen Rajsigl-Süßwarenfabrik in der Stadt Salzburg gegründet und übersiedelte 1956 ganz nach Grödig.

Die gesamte Branche ist unter Druck. Heimische Traditionsunternehmen, die namhafte Süßwaren herstellen, haben es derzeit nicht leicht. Den Tourismus- und Reiseschwund bekommen auch Manner, Heindl und Co. zu spüren. "Wir merken das vor allem in unseren eigenen Firmen-Shops", sagt Karin Steinhart, Sprecherin von Manner, zur "Wiener Zeitung". Die 15 Geschäfte der Hausmarke Manner befinden sich an normalerweise gut besuchten Orten wie Flughäfen, Bahnhöfen oder dem Wiener Stephansplatz und locken dort vor allem Touristen und Reisende an.

Schwieriges Umfeld

In finanziellen Schwierigkeiten ist das Traditionshaus Manner nicht. Im ersten Halbjahr musste es dennoch wegen Einmaleffekten, des Fernbleibens von Touristen und hoher Rohstoffpreise einen Verlust von 4 Millionen verbuchen. Neben dem Wegfall von Touristen und Anlässen, zu denen man Süßes schenkt, sind auch die Rohstoffpreise und Verpackungskosten stark gestiegen. Bei Manner müsse man derzeit etwa ein Drittel mehr an Energiekosten zahlen. Lieferengpässe, die hohen Gas- und Ölpreise und die bestehenden Unsicherheiten rund um die Corona-Pandemie machen sich derzeit in sehr vielen Branchen bemerkbar.

Wie es in Salzburg mit der Produktion der "echten Salzburger Mozartkugel", wie sich jene von Mirabell nennt, weitergeht, ist ebenfalls noch unklar. "Wir treten mit dem Unternehmen Salzburg Schokolade in den Austausch und werden die nächsten Schritte evaluieren", teilte eine Sprecherin von Mondelez dazu auf APA-Anfrage mit und bat zugleich um Verständnis, dass man derzeit nicht mehr zur Situation sagen könne.(del)