Am heutigen Montag öffnete der stationäre Handel in allen Bundesländern außer Oberösterreich wieder. Hunderttausende Handelsangestellte sowie Beschäftigte in körpernahen Dienstleistungen kehrten aus der Kurzarbeit zurück. Ihre Weihnachtseinkäufe dürfen nun aber nur Geimpfte oder Genesene mit 2G-Nachweis und FFP2-Masken erledigen.

Kontrolliert wird nach Angaben von Handelsvertretern aber nicht an jedem Eingang. Viel mehr wird mit Durchsagen, Hinweisschildern sowie weiteren Informationen gearbeitet und stichprobenartig Nachschau gehalten.

Gute Frequenz in den Bundesländern

Die Einkaufszentren in Niederösterreich waren gut besucht. In der Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf bei Wien lag die Frequenz über den Erwartungen. Unisono wurde allerdings die in Niederösterreich und anderen Bundesländern wie Wien weiterhin geschlossene Gastronomie als Wermutstropfen bezeichnet, "denn Shopping und Kulinarik gehören mittlerweile eng zusammen", so Anton Cech für die SCS.

In der Bundeshauptstadt selbst war auf der Mariahilfer Straße und beim dortigen Einkaufszentrum Gerngross mehr los als üblich. Der stationäre Handel sei vermisst worden, das merke man, sagte Center-Manager Gerhard Wohlmacher im Ö1-"Mittagsjournal". Nachgefragt würden vor allem Kleidung und Elektrogeräte. Beim Buchhändler Morawa habe es keine Probleme bei den 2G-Kontrollen gegeben, sagte ein Filialleiter. Die ersten Kunden hätten ihre Nachweise von selbst gezeigt. Insgesamt sei die Stimmung gut und es herrsche ein freundschaftlicher Umgang miteinander.

Mehr oder weniger Spaß wegen Kontrollen

In den Einkaufszentren in Klagenfurt und Villach herrschte reger Betrieb. "Das macht aber wirklich keinen Spaß", konstatierte hingegen eine Christkindlmarktbesucherin in der Kärntner Landeshauptstadt, als sie für ihren Einlass nicht nur FFP2-Maske, 2G-Nachweis und Ausweis brauchte, sondern sich auch registrieren musste. Ihre Begleiterin pflichtete ihr bei - eine Runde am Markt drehten die beiden dann aber trotzdem, auch, wenn der Markt noch nicht in Vollbetrieb ist, Glühweinhütten, Punschstände und die anderen Gastronomiebetriebe bleiben nämlich noch bis Freitag zu.

Im Burgenland nahm das Weihnachtsgeschäft auch wieder Fahrt auf. Auch hier - im Parndorf Outlet Center und in Eisenstadt - war von einem regen Zustrom, aber keinem Ansturm die Rede. Selbiges wurde aus Salzburg und Bregenz berichtet. "Man merkt, dass es einen gewissen Nachholbedarf gibt, etwa in den Bereichen Technik, Sportartikel oder Spielwaren, aber es gibt eigentlich keine Branche, die besonders heraussticht", sagte der Manager von Salzburgs größtem Einkaufszentrum "Europark" in der Landeshauptstadt, Manuel Mayer.

Die Händler seien erfreut, dass wieder Leben in das Center einziehe. "Und die Leute haben wieder Spaß, im stationären Handel einzukaufen." Und Kurt Müller, Manager des Einkaufszentrums "Forum 1" beim Hauptbahnhof: "Es fühlt sich gut an, dass abgesehen von der Gastronomie wieder alle Shop-Partner geöffnet haben." In Graz startete der Vormittag noch ziemlich verhalten.

Hoffnung auf "goldenen Sonntag"

Kommendes Wochenende hofft der Handelsverband auf einen "goldenen Sonntag", erstmals darf österreichweit an einem Sonntag geöffnet werden. Am kommenden Einkaufswochenende soll es so gelingen, die Lockdown-Verluste des Handels zumindest ein wenig abzufedern.

Aber es gibt auch schon eine neue Sorge - vor Anti-Coronamaßnahmen-Demos: "Es darf keinesfalls zu weiteren Behinderungen in den Innenstädten kommen, unsere Händler sind verzweifelt. Der kommende Samstag und der 'goldene Sonntag' am 19. Dezember, der verkaufsoffen gestaltet ist, müssen ohne Demonstrationen in den Einkaufsstraßen verlaufen", forderte Handelsverband-Sprecher Rainer Will via Aussendung.

Für die Sonntagsöffnung fehlt allerdings noch so einiges: Und zwar die entsprechenden Verordnungen von sieben Bundesländern, kritisiert Will weiters. "Bis übermorgen, 15. Dezember, muss die Personalplanung fixiert werden, da die Handelsbeschäftigten bis dahin das Recht haben, die Arbeitsleistung abzulehnen. Was bis dato aber fehlt sind die Landesverordnungen für die einmalige Sonntagsöffnung am 19. Dezember. Wien und Kärnten sind die einzigen Bundesländer, die bislang die Verordnung geliefert haben." (apa)

Verluste und Hilfen

Aufgrund der Fortschreibung des Lockdowns für Ungeimpfte und des noch andauernden harten Lockdowns in Oberösterreich rechnet der Handelsverband mit bundesweiten Umsatzverlusten von 440 Millionen Euro im gesamten Non-Food-Handel im Vergleich zu Vor-Corona-Normalwochen. Da die doppelten Gehälter während des harten Lockdowns überwiesen wurden, sei viel Wertschöpfung zu Internet-Giganten außerhalb Österreichs abgeflossen. Der stationäre Handel werde daher "wohl nur ein Viertel der 2,7 Milliarden Euro an Umsatzverlusten aufholen".

Daher müssten die Corona-Wirtschaftshilfen aufgestockt werden, forderte der Handels-Lobbyingverband einmal mehr. "Nachdem das Epidemiegesetz im Vorjahr gekippt wurde, wurden volle Entschädigungen in Aussicht gestellt. Es gibt allerdings viele Fälle, bei denen der Ausfallsbonus und der Verlustersatz nicht greifen", erklärte Rainer Will. (apa)