Die Omikron-Variante entfaltet sich auch in Österreich rasend schnell und könnte in den nächsten Wochen für den Arbeitsmarkt und für die Versorgungssicherheit zum Problem werden. Nämlich dann, wenn besonders viele Menschen wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne oder Krankenstand gehen müssen. Große heimische Betriebe rüsten sich jedenfalls schon für den Ernstfall, wie ein Rundruf der "Wiener Zeitung" zeigt.

Wie schon im ersten Lockdown im März 2020, gehen 50 versorgungskritische Mitarbeiter von Wien Energie für vier Wochen in Selbstisolation. Das sei notwendig, um die Stromversorgung auch im Falle hoher Infektionszahlen aufrechtzuerhalten. Betroffen sind davon vorerst vier Standorte: das Kraftwerk Simmering und drei Müllverbrennungsanlagen.

Die 50 Männer werden zehn Tage lang täglich PCR-getestet. Es gibt verschiedene Freizeitangebote. Anders als beim letzten Mal, soll es diesmal getrennte Schlafsäle für Schnarcher und Nicht-Schnarcher geben.

Schichtbetrieb bei OMV

Als versorgungskritische Infrastruktur gelten neben dem Gesundheits- und Energiebereich auch die Nahversorgung für den täglichen Bedarf, Finanzinstitute, Telekommunikation, Verkehr und Logistik. Besonders viele Ausfälle von Mitarbeitern sind in diesen Bereichen dann besonders kritisch, weil wesentliche gesellschaftliche Funktionen nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Krisenpläne für den Ernstfall gibt es auch beim teilstaatlichen Gas- und Chemiekonzern OMV. "In der OMV gilt derzeit eine allgemeine Home-Office-Regelung; das heißt, an allen Standorten in Österreich sind nur jene Personen am Arbeitsplatz anwesend, die ,businesskritische‘ Funktionen innehaben", heißt es auf Nachfrage aus dem Konzern. Vor Ort arbeiten also nur jene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter strengen Corona-Auflagen, die unbedingt für den Erhalt des Betriebs notwendig sind, und zwar in Schichtbetrieb. Zudem finden Kontakte zwischen den einzelnen Schichten nicht statt. Auch Isolations-Teams seien im Corona-Krisenszenario vorgesehen, sollte sich die Situation drastisch verschärfen.

Krisenstab und Pläne

Beim Lebensmittelhändler Spar setzt man weiterhin auf Impfen, Testen und FFP2-Masken. "Im Lagerbereich haben wir beispielsweise eine mobile Eingreiftruppe (140 Personen, die freiwillig bereit sind, an einem anderen Ort zu arbeiten), die in den Lagerhäusern aushilft, wo Not am Mann ist. In den Produktionsbetrieben, dem Lagerbereich und den Märkten haben wir die Testungen der Mitarbeitenden intensiviert", sagt Sprecherin Nicole Berkmann.

Und auch bei der Post werden wieder die Krisenpläne aktiviert. "In der Zustellung bereiten wir uns wieder auf einen geteilten Dienstbeginn vor: Einerseits befinden sich damit weniger Personen zeitgleich an einem Standort, andererseits haben wir dadurch zwei voneinander getrennte Personengruppen", erklärt Post-Sprecher Markus Leitgeb. Es gäbe ein Präventionskonzept und einen Krisenstab, um schnell weitere Maßnahmen zu setzen. Im Frühling 2020 unterstützen zum Beispiel 250 Soldaten und Zivildiener die Post im Logistikzentrum Inzersdorf.

Angesichts zahlreicher droheneder Ausfälle und der Hoffnung, dass Omikron zwar infektiöser, aber milder verläuft, werden nun Stimmen aus der Wirtschaft laut, die Quarantänebestimmungen für Omikron zu lockern oder sogar im Fall eines symptomfreien Verlaufs den Dienst anzutreten. Der Wirtschaftsbund forderte am Montag, dass Geimpfte und Genesene auch bei Omikron als K2 eingestuft werden. Derzeit ist man K1 und darf sich frühestens nach fünf Tagen freitesten. Außerdem soll die Quarantänezeit allgemein verkürzt werden.