Die Pandemie hat die Arbeitswelt langfristig verändert. Durch Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle ändern sich auch die Anforderungen an Betriebs- und Büroflächen. Deshalb würden sich auch viele Firmen nun nach neuen Büroflächen umsehen oder passen ihre Räumlichkeiten an die veränderten Rahmenbedingungen an, schätzen Experten der Wiener Immobilienfirma EHL am Dienstag vor Journalisten. "Remote Working wird immer mehr zur neuen Normalität", sagte die Market-Research-Leiterin Alexandra Bauer. Das Remote Office sei "gekommen, um zu bleiben".

Nach einem pandemiebedingten Einbruch 2020 und 2021 soll heuer wieder mehr Bewegung bei Gewerbe- und Büroflächen kommen. Auch die Leerstandsrate ist zuletzt, zumindest in Wien, auf 4,3 Prozent zurückgegangen.

Das liegt aber vor allem daran, dass derzeit deutlicher weniger Neuflächen bebaut werden, zumindest mit Büro- oder Handelsflächen. Zumeist handelt es sich um sogenannte Refurbishments. Es werden also Bestandsgebäude umgebaut oder saniert und zu Gewerberaum gemacht. Deren Anteil macht mittlerweile 82 Prozent an den Neuflächen aus.

Verunsicherung bleibt

Im Vorjahr sank die Neuvermietung in Wien laut EHL von 210.000 auf 170.000 Quadratmetern. Für heuer ist zwar kein Anstieg, aber auch kein Rückgang zu erwarten. Und: Es kommt zu einem verstärkten Mieterwechsel. So sollen auch immer öfter sogenannte Online-Only-Firmen Büro- oder Lagerräume mieten, kleine Geschäfts- oder Gastronomieflächen werden wiederum frei.

Die anhaltende Pandemie und die Omikron-Welle halten die Erholung in einigen Branchen allerdings auf. So herrsche weiterhin Verunsicherung im Gastgewerbe und in der Hotellerie, aber auch bei Messeveranstaltern. Auch im Non-Food-Bereich des Handels herrscht Verunsicherung. Hier gab es zwar eine Reihe von Neuvermietungen, aber viele, nicht rentable Flächen wurden zurückgestellt und neue Konzepte drängen auf den Markt, zeigen Daten von RegioData. "Die Leute wollen das Einkaufserlebnis", meint EHL-Experte Mario Schwaiger. Die Immobilienpreise steigen auch nach zwei Jahren Pandemie weiterhin deutlich an. Vor allem Wohnimmobilien legten in den vergangenen Jahren zu.

Wohnraum immer teurer

Analysten der Bank Austria Unicredit gehen für das Jahr 2021 von einem Anstieg der Wohnkosten von zehn Prozent aus. Gleichzeitig steigen die Einkommen deutlich weniger stark.

Während man im Jahr 2000 mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt noch rund 12,6 Quadratmeter einer Eigentumswohnung erwerben konnte, bekommt man heuer nur noch 6,5 Quadratmeter für den Jahreslohn.

"Der Immobilien-Preisboom hat in der Pandemie einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Immobilienpreise in Österreich liegen aktuell um fast 20 Prozent höher als zu Beginn der Pandemie", sagte UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Die Realeinkommen sind seit Pandemiebeginn in Relation zu den Immobilienpreisen um 13 Prozent gesunken. Und auch die Mieten steigen, allerdings etwas moderater.

Grund für den anhaltenden Preisanstieg ist einerseits die hohe Nachfrage. Österreich wächst durch Zuzug aus dem Ausland. Zudem ist in der Pandemie - befeuert durch Homeoffice und Homeschooling - die Nachfrage nach Immobilien im Grünen mit Freifläche gestiegen.


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Anderseits sind Wohnungen, auch wegen der anhaltend niedrigen Zinsen, beliebte Anlageobjekte. "Der Höhepunkt der Preisdynamik scheint überschritten, doch der bestehende Veranlagungsdruck unterstützt den heimischen Wohnimmobilienmarkt weiterhin", so Unicredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Auch bei den Mieten sei ein deutlicher Anstieg seit dem Jahr 2008 zu verzeichnen, nämlich um 60 Prozent. Das sind 3,7 Prozent pro Jahr und damit deutlich über der Inflation der vergangenen Jahre. Die Einkommen sind im gleichen Zeitraum nominell nur um jährlich rund zwei Prozent gewachsen.

"Der reale Wert eines durchschnittlichen österreichischen Nettoeinkommens, bezogen auf den Mietpreisindex, hat seit der Finanzkrise um über 20 Prozent abgenommen. Da sich die Immobilienpreise in diesem Zeitraum hingegen mehr als verdoppelt haben, sind Mieten relativ zum Kauf weniger stark gestiegen", so Ökonom Walter Pudschedl. (del)