Österreichs Touristiker zittern, aber nicht vor Kälte. Viel eher ist es die sich aufbauende Omikron-"Wand", die der Branche Sorgen bereitet. Auch Maximilian Posch, Obmann des Tourismusverbands Zell am See-Kaprun, einer der führenden Tourismusregionen in den Alpen, verfolgt die Entwicklung der rasant steigenden Zahlen genau und weiß bestens Bescheid. Auch dass das heuer "keine Wahnsinns-Saison" werden wird, wie er zur "Wiener Zeitung" sagt.

Die vergangene Wintersaison 2020/2021 war für die heimischen Beherbergungsbetriebe wegen der coronabedingten Schließungen quasi ein Totalausfall. Von November 2020 bis April 2021 wurden lediglich 5,57 Millionen Nächtigungen verbucht - um 90,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dass es überhaupt Übernachtungsgäste gab, ist auf Ausnahmen zurückzuführen. So durften etwa Kuraufenthalte stattfinden, und der Aufenthalt aus geschäftlichen Gründen war erlaubt. In der Saison 2019/2020 waren die Nächtigungszahlen durch die coronabedingte Sperre der Tourismusbetriebe ab Mitte März um 18,1 Prozent auf 59,72 Millionen abgestürzt.

Besonders tiefes Jänner-Loch

Die Familie von Maximilian Posch betreibt das Hotel Tirolerhof in Zell am See. In dem 86-Betten-Haus ist es derzeit recht ruhig. Das ist im "Jänner-Loch" so knapp nach den Weihnachtsferien nicht ungewöhnlich, aber "von einer normalen Auslastung sind wir weit entfernt", sagt Posch zur "Wiener Zeitung". Unter den Mitgliedsbetrieben des Verbands herrscht große Unsicherheit. Auch die Angst davor, in der Wintersaison coronabedingt schließen zu müssen, sei groß, ganz besonders bei den Barbetreibern. Posch: "Viele leben das ganze Jahr davon, dass sie im Winter Geschäft machen."

Ein Riesen-Schock war die Bekanntgabe der Einreiseverordnung kurz vor Weihnachten, mit der Großbritannien, Norwegen, Dänemark und die Niederlande zu Virusvariantengebieten erklärt wurden. Die Buchungen in der Region Zell am See-Kaprun brachen daraufhin massiv ein. "Wir sind sehr international aufgestellt und haben nicht so viele Deutsche oder Österreicher als Gäste", so Posch. Mittlerweile habe man sich mit den Corona-Regeln angefreundet. "Wenn das so bleibt, können wir damit umgehen", sagt Posch.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger kann die Kritik aus Hotellerie und Gastronomie, Verordnungen würden zu kurzfristig erlassen, und den Ruf nach besserer Planbarkeit verstehen, wie sie im Apa-Gespräch sagte. Es würden sich jedoch weder der Zeitpunkt von Corona-Wellen noch das Auftreten von Mutationen planen lassen. So sei die "Omikron-Wand vor einem Monat noch nicht absehbar und daher nicht planbar" gewesen.

Gute Betriebe hätten in normalen Zeiten derzeit 80 bis 90 Prozent Auslastung, "da sind wir aber deutlich darunter", sagt Martin Stanits, Pressesprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). "Was wir so hören, sind 25 Prozent. Dabei wirtschaftlich zu arbeiten, ist schon sehr schwierig." Er geht davon aus, dass in den nächsten Wochen Hotels auch wieder schließen, weil sich der Betrieb nicht auszahle. Oder weil sie einer Infektionswelle entgehen wollen.

Semesterferien sind gut gebucht

Die Hoffnungen ruhen nun auf den kommenden Semesterferien in Österreich und Deutschland sowie auf den niederländischen Krokusferien. Buchungen wurden jedenfalls bereits getätigt. "Aber es kommt nichts Neues dazu", betont Stanits. Ob die Saison tatsächlich etwas wird, hänge aber maßgeblich vom Infektionsgeschehen ab. Stanits: "Derzeit wird auf Sicht gefahren. Zwar nicht von Tag zu Tag, aber von Woche zu Woche."

In der Zwischenzeit versuchen die Hotels, Personalausfälle so gut wie möglich zu vermeiden, in dem getrennte Teams gebildet werden. Das sei aber nicht immer möglich. "Das Wichtigste aus unserer Sicht ist das Impfen", sagt Stanits. Die Impfquote liege bei den Mitarbeitern "deutlich über 80 Prozent". Er höre aber aus vielen Hotels, dass bei ihnen beinahe die ganze Belegschaft geimpft sei. Teilweise werde auch Anreize durch betriebliche Impfprämien gesetzt.

Der Tiroler Tourismus ist mit Blick auf die Weihnachtsfeiertage grundsätzlich zufrieden, heißt es auf Anfrage. Mit Blick auf die Monate Februar und März sei die Branche vorsichtig optimistisch. Wie die Buchungslage aussehe, werde auch davon abhängen, wie sich die Lage hinsichtlich der Omikron-Welle in Österreich, aber auch in den Herkunftsmärkten entwickle. Allerdings gebe es einen Unterschied zwischen den Ferienregionen und der Stadthotellerie. Letztere verzeichne aufgrund der ausbleibenden internationalen und Business-Gäste deutlich stärkere Einbußen. 

Die Menschen würden derzeit extrem kurzfristig buchen, teilweise sogar am Tag der Ankunft. Eine seriöse Voraussage sei daher nur sehr schwer zu treffen. "Wir gehen aber davon aus, dass es durchaus einen guten Februar geben kann", so die Tirol Werbung. Positiv sei die Tatsache, dass die Omikron-Welle auf Märkten wie den Niederlanden und Großbritannien, die im Februar einen großen Teil der Gäste ausmachen, schon wieder abklinge.

Tourismusministerin Köstinger will trotz der steil nach oben gehenden Zahl an Infektionen mit der Virusvariante Omikron die Wintersaison mit der 2G-Regel so gut es geht handhaben und die Betriebe offen halten. Wirtschaftshilfen die vorerst bis Ende März laufen, blieben im Bedarfsfall aufrecht. "Dieses aktuelle System bleibt auf jeden Fall bestehen und wird immer an die Lage angepasst." In Hotellerie und Gastronomie seien bisher 4,2 Milliarden Euro an 37.000 Unternehmen ausbezahlt worden, so Köstinger zur Apa