Ein "Nein zu Steuergeschenken für sehr reiche Menschen!" kommt von Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl zu einem möglichen Ende der Wertpapier-KESt. Sie liegt damit auf einer Linie mit der SPÖ. Brunner hatte in einem "trend"-Interview angekündigt, dass er die Kapitalertragssteuer auf  langfriste Aktiengewinne abschaffen will.

Die Kapitalertragssteuer auf Kursgewinne wurde 2012 in Österreich eingeführt und betrug damals 25 Prozent. Zuvor waren Kursgewinne nur dann steuerpflichtig, wenn die Papiere kürzer als ein Jahr gehalten wurden. Mit der Steuerreform 2015/2016 wurde der KESt-Satz ab 1.1.2016 auf 27,5 Prozent erhöht.

Die Verteilungsdaten der Nationalbank würden ganz klar zeigen, dass von der vom Finanzminister geplanten Maßnahme vor allem die reichsten 10 Prozent der österreichischen Haushalte profitieren würden, so Anderl. Dem Staat würden dadurch 200 bis 300 Millionen Euro jährlich fehlen. 

Brunner (ÖVP) sagte im Gespräch mit dem "trend" zum Thema Wertpapier-KESt: "Ja, das ist ein ganz wichtiger Schwerpunkt für dieses Jahr. Eine steuerliche Entlastung für Investitionen in die eigene Vorsorge muss und wird kommen - und zwar mit einer Behaltefrist für Wertpapiere, um reiner Spekulation vorzubeugen." Wann es mit dem Ende der Wertpapier-KESt konkret so weit sein werde, sei "Gegenstand von Verhandlungen mit dem Koalitionspartner."

Die "Schieflage im Steuersystem" würde mit der Abschaffung der Wertpapier-KESt noch größer werden, sagte SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer. "Schon jetzt tragen Konzerne und Reiche sehr wenig zur Finanzierung der Staatsaufgaben bei", betonte er in einer Aussendung.

Die Finanzbranche, die mit der Wertpapier-KESt naturgemäß keine Freude hat, führt immer wieder das Argument ins Treffen, dass durch einen steuerlichen Anreiz mehr Menschen zu Altersvorsorge am Kapitalmarkt animiert werden könnten. (apa)