Der deutsche Ökonom Lars Feld tritt doch nicht die Nachfolge von Martin Kocher als Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) an. Entsprechende Medienberichte bestätigte man im IHS gegenüber der APA. Der Ex-Chef der deutschen Wirtschaftsweisen war im Sommer zum wissenschaftlichen Leiter des Instituts designiert worden. Nun sagte er ab und bleibt Professor an der Universität Freiburg. IHS-Präsident Franz Fischer verhandelt nun mit Guntram Wolff, Leiter des Bruegel Instituts.

In einem Mail an Journalisten, aus dem die Online-Ausgaben mehrerer Zeitungen zitieren, ortete Feld am IHS "gewisse Notwendigkeiten zur Umstrukturierung". Das Institut müsse vor allem im finanzwissenschaftlichen Bereich, dem Kernbereich von Felds Forschungsinteressen, deutlich gestärkt werden. Dies würde erhebliche Anstrengungen erfordern, "nicht ohne Querelen ablaufen und zu Belastungen führen." Außerdem wird die Änderung der Grundfinanzierung durch die Österreichische Nationalbank (OeNB) angeführt.

Abhängigkeit von Geldgebern

Eine Rolle habe auch gespielt, dass die Institute in Österreich stärker von ihren Geldgebern abhängen seien als jene in Deutschland, wo eine unabhängige Gesellschaft wie die Leibniz-Gemeinschaft die Mittel vergibt. Das erfordere "kontinuierliche, im Umfang stärkere Anstrengungen der Leitungen der Institute, ihre Unabhängigkeit zu sichern", insbesondere im Hinblick auf die Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit. "Insgesamt", so Feld, "wäre der Wechsel nach Wien also nicht ohne Risiken."

Die IHS-Chefstelle ist seit dem Wechsel Kochers als Arbeitsminister in die Regierung vor rund einem Jahr vakant. Der Posten soll nun nicht neu ausgeschrieben werden, hieß es aus dem IHS zur APA. Fischler habe bereits Gespräche mit dem deutschen Wirtschaftswissenschafter Wolff begonnen. Er leitet das Bruegel-Instituts in Brüssel und war neben Feld und dem Soziologen Frank Kalter im ungereihten Dreiervorschlag für die IHS-Leitung vertreten. (apa)