Hat der Linzer Stahlverarbeiter Voestalpine jahrelang Sand im Getriebe gehabt, scheint es für ihn nun - nach mühsamen Restrukturierungen - wieder wie geschmiert zu laufen. Die Bilanz der ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2021/22 (per Ende März) illustriert jedenfalls, dass es im Konzern deutlich aufwärtsgeht - dank einer konjunkturell stark getriebenen Nachfrage und trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie, die nach wie vor bestehenden Probleme in den globalen Lieferketten, die volatilen Rohstoffkosten und die hochschießenden Energiepreise.

Wie die Voestalpine am Mittwoch bekanntgab, drehte sie das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in diesen neun Monaten (von April bis Ende Dezember 2021) von minus 134 Millionen auf 947 Millionen Euro in die Gewinnzone. Unter dem Strich - nach Steuern - verdiente der Industrieriese 698 Millionen Euro, nachdem im gleichen Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 159 Millionen angefallen war. Einen kräftigen Anstieg - um knapp 37 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro - verzeichneten auch die Umsätze.

"Die Voestalpine steht heute besser da als vor der Pandemie", sagt Vorstandschef Herbert Eibensteiner. 
- © apa / Helmut Fohringer

"Die Voestalpine steht heute besser da als vor der Pandemie", sagt Vorstandschef Herbert Eibensteiner.

- © apa / Helmut Fohringer

Vorstandschef Herbert Eibensteiner zeigte sich zufrieden. "Die Voestalpine steht heute besser da als vor der Pandemie", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Auch für das laufende vierte Geschäftsquartal rechnet Eibensteiner mit deutlich steigenden Ergebnissen, sofern "wirtschaftlichen Verwerfungen" ausbleiben. Für das Gesamtjahr sei damit eine Verdoppelung des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 2,2 Milliarden Euro zu erwarten, sagte er weiter. Diese 2,2 Milliarden sind das "obere Ende der bisher kommunizierten Bandbreite", deren unteres Ende auf 1,9 Milliarden Euro lautete.

Chipmangel bremst

Zu den Versorgungsengpässen in der Autoindustrie - die Voestalpine ist ein wichtiger Zulieferer bei Karosserieteilen und Blechen - sagte Eibensteiner, dass sich diese Probleme mittlerweile zu stabilisieren scheinen. "Wir werden aber noch einige Zeit brauchen, bis wir wieder Normalbetrieb haben." An großen Zulieferstandorten in Deutschland hat die Voestalpine die Kapazitäten an die veränderte Situation anpassen müssen.

Positiv sei jedoch, dass die Nachfrage im Automobilbereich nach wie vor gut sei, betonte Eibensteiner. "Die Abrufe (von Erzeugnissen des Konzerns, Anm. d. Red.) verschieben sich in die Zukunft, wir haben also kein Nachfrageproblem, sondern eher ein Angebotsproblem." Unterdessen sieht Eibensteiner Anzeichen dafür, dass die Lieferkettenprobleme, die sich vor allem in einem branchenweiten Chipmangel äußern, im Herbst die Talsohle durchschritten haben und die Planbarkeit jetzt steigt.

Weiterhin erfreuliche Trends gibt es laut dem Voestalpine-Chef im Bereich der Luftfahrt, die sich erhole, und im Energiesegment, der Öl- und Gasindustrie, in die nun wieder verstärkt investiert werde. Von einer anhaltend soliden Entwicklung berichtete Eibensteiner darüber hinaus für den Bahnbereich, das Geschäft mit Schienen und Weichen. Daneben hob er auch die gut gehenden Geschäfte im Bereich Lagertechnik und Hochregallager hervor, dieser Bereich profitiere nach wie vor vom pandemiebedingten Boom im Online-Handel.

Aufgrund der gestiegenen Produktion hatte die Voestalpine per Ende Dezember 2021 mit rund 49.200 Beschäftigten einen auf Jahressicht um fast drei Prozent höheren Personalstand. Der börsennotierte Konzern ist weltweit tätig, zuletzt verfügte er über rund 500 Gesellschaften und Standorte in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten.