Die globale Wirtschaft hat sich 2021 schneller und stärker erholt als erwartet. "Der Exportmotor ist wieder angesprungen, meint Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bei der Präsentation des dritten jährlichen Gutachtens zur Lage der österreichischen Außenwirtschaft am Montag.

Der vom Kompetenzzentrum "Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) erstellte Bericht prognostiziert ein "robustes Wachstum" für 2022, wie der stellvertretende Projektleiter Robert Stehrer ausführt.

Unsicherheiten bezüglich Pandemie, Geld- und Fiskalpolitik sowie Lieferketten bleiben allerdings bestehen. Auch die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sehen die FIW-Experten als Risiko für Österreichs Außenhandel. Für die Prognose wurden die Daten von 2021 bis zum dritten Quartal hochgerechnet, erklärte FIW-Projektleiter und Wifo-Ökonom Harald Oberhofer.

Lieferengpässe bremsen

Die Exportdynamik hat ab März 2021 aufgrund von Lieferengpässen und Materialknappheit allerdings abgenommen, führt Oberhofer aus. Die Importe waren hingegen erst ab Sommer 2021 gedämpft. Hier habe sich die Nachfrage zudem in Richtung dauerhafte Konsumgüter, etwa Möbel und Haushaltsgeräte, verschoben.

Ab dem Frühjahr 2021 stiegen die Preise für österreichische Warenimporte zudem stärker als für die Exporte, vor allem durch Preissteigerungen bei Treibstoffen und Energie. Während sich die Exportpreise um 2,2 Prozenterhöhten, stiegen die Preise für Importe, vor allem von dauerhaften Konsumgütern, um 5 Prozent.

Dies führte, mit anderen Faktoren, zu einem prognostizierten Handelsbilanzdefizit von nominell elf Milliarden Euro (2,7 Prozent des BIP).

Bei den Dienstleistungen konnte sich zwar der Transportsektor dynamisch entwickeln. Im Tourismus allerdings wird Österreich das Vorkrisenniveau erst 2024 erreichen, führte Wirtschaftsministerin Schramböck aus.

Die Reiseverkehrsexporte gingen 2021 zum zweiten Mal in Folge zurück. Die ausgefallene Wintersaison 2020/21 beeinflusste den gesamten österreichischen Dienstleistungshandel. Insgesamt geht das Jahresgutachten aber von einem Wachstum der österreichischen Dienstleistungsexporte von 1,1 Prozent aus. Die Dienstleistungsimporte reagierten 2021 hingegen kaum auf pandemiebedingte Einschränkungen und erholten sich mit einer Wachstumsrate von 7,4 Prozent dynamisch.

Negative Leistungsbilanz

Das führte - gemeinsam mit dem relativ großen Handelsbilanzdefizit - erstmals seit zwanzig Jahren zu einem negativen Ergebnis der Leistungsbilanz in Höhe von 3,2 Milliarden Euro (0,8 Prozent des BIP). Heuer dürfte die Leistungsbilanz laut Prognose mit einem Überschuss in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro allerdings wieder positiv ausfallen.

Dann streicht Wirtschaftsexperte Oberhofer noch einen interessanten Aspekt heraus: Die Reihung der 13 wichtigsten Exportmärkte für heimische Waren hat sich verändert. Italien rückte statt der USA an die zweite Stelle vor, vor allem wegen verstärkter Rohstoffexporte und Preissteigerungen bei Holz. Großbritannien fiel aufgrund des Brexit hinter China zurück, das auf Platz 9 vorrückte.

Mehr Autonomie

Hinsichtlich des globalen Handels wiesen die FIW-Experten auf eine Verschiebung des Gravitationszentrums in Richtung Asien hin. Hierin liegt eine besondere Herausforderung für die strategische Autonomie, welche die EU anstrebt. Ministerin Schramböck betont, die Abhängigkeiten, insbesondere im Energiebereich, müssten reduziert werden. 2019 wurden 61 Prozent des europäischen Energiebedarfs aus Importen gedeckt, die wichtigsten Herkunftsländer waren Russland und Norwegen, so die FIW-Experten.

Um Preisschwankungen zu reduzieren müsse Österreich stärker in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren und die Zulassungsverfahren beschleunigen, so Schramböck. Handlungsbedarf sieht sie angesichts der Spannungen mit Russland auch bei der Bevorratung von Gasreserven. Diese müssten im Sommer, wie in Italien, verpflichtend aufgefüllt werden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Zudem brauche man neue Partnerschaften, etwa im arabischen Raum. Auch bei Halbleitern, Medizinprodukten und Batterien für E-Autos strebt Schramböck mehr österreichische Eigenständigkeit an.(mojo)