Die börsenotierte Erste Group hat ihren Gewinn im zweiten Corona-Jahr 2021 mehr als verdoppelt. Das Nettoergebnis kam bei 1,92 Milliarden Euro zu liegen, nach 783,1 Millionen Euro im Jahr 2020. Unterstützt wurde das Ergebnis von gestiegenen Zinsüberschüssen, einem guten Kreditwachstum sowie von niedrigeren Risikokosten. Das teilte die Bank am Montag mit. Die Folgen des Ukraine-Kriegs seien schwer abzuschätzen, direkte Auswirkungen für die Bank gebe es aber nicht, so Bankchef Bernd Spalt.

"Der starke Wirtschaftsaufschwung unserer Region im vergangenen Jahr hat zu einem soliden Wachstum der Kreditnachfrage geführt. Mit Rekordwerten bei den Provisionserträgen und guter Kostenkontrolle hat das 2021 zu einem Anstieg unseres Betriebsergebnisses geführt. Unsere Risikokosten lagen weit unter den von der Corona-Krise getriebenen Werten für 2020," so Finanzchef (CFO) Stefan Dörfler laut Aussendung.

Der Zinsüberschuss profitierte vor allem von Zinserhöhungen in Tschechien und in Ungarn und legte zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf 4,98 Milliarden Euro zu. Der Provisionsüberschuss legte um 16,5 Prozent auf 2,30 Milliarden Euro zu. Für das starke Plus sorgten die steigenden Aktienmärkte und die starke Erholung der Wirtschaft, schreibt die Bank.

Dank moderaten Kostensteigerungen stieg auch das Betriebsergebnis um 17,1 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro, und die Kostenquote - das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen - verbesserte sich von 59 Prozent auf 55,6 Prozent. Auch im Kreditgeschäft ging es aufwärts. Die Kundenkredite stiegen bis zum Jahresende (Dezember 2021) auf netto 180,3 Milliarden Euro (Dezember 2020: 166,1 Mrd. Euro). Die Bilanzsumme stieg im gleichen Zeitraum um 10,8 Prozent auf 307,4 Milliarden Euro.

Die Risikokosten gingen indessen 2021 deutlich von 1,29 Milliarden Euro (78 Basispunkten oder 0,78 Prozent) auf 158,8 Millionen Euro beziehungsweise 9 Basispunkte der durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands zurück. Die Quote notleidender Kredite (non-performing loans/NPL) verbesserte sich von 2,7 Prozent auf 2,4 Prozent zum Jahresende 2021. Vor allem Auflösungen in Österreich und Eingänge aus abgeschriebenen Forderungen hätten positiv zu dem Ergebnis beigetragen.

Indirekte Folgen nicht ausgeschlossen

Für das laufende Jahr sei Europa aufgrund des Ukraine-Kriegs unabschätzbaren Folgen ausgesetzt, heißt es im Ausblick der Bank. Die Erste Group ist in vielen Ländern in Osteuropa tätig, hat aber keine Töchter in Russland oder der Ukraine. Das direkte Obligo in den beiden Ländern sei sehr gering, so Spalt. Die Bank erwartet daher "keine weiteren signifikanten Risikovorsorgen aus aktuellem Anlass", indirekte Folgen wie volatile Aktienmärkte, Auswirkungen der Sanktionen auf Kunden oder mögliche Einlagensicherungs- oder Abwicklungsfälle könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Für ihre Kernmärkte - Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Kroatien und Serbien - rechnet die Erste Group heuer mit einer guten Entwicklung. Das Nettokreditwachstum soll im "mittleren einstelligen Bereich" liegen und der Provisionsüberschuss nach der starken Entwicklung im Vorjahr 2021 im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich wachsen. 2022 wird überdies erneut eine zweistellige Eigenkapitalverzinsung angepeilt. 2021 lag sie bei 11,6 Prozent. Die NPL-Quote sollte unter 3 Prozent und die harte Eigenkapitalquote hoch bleiben. Ende 2021 lag die harte Eigenkapitalquote bei 14,5 Prozent.

Als Dividende für 2021 will das Management 1,6 Euro je Papier vorschlagen. Die Hauptversammlung ist für den 18. Mai 2022 anberaumt. Für das Geschäftsjahr 2020 bekamen die Investoren insgesamt 1,5 Euro je Papier. (apa)