Steyr Automotive stellt am Donnerstag vorübergehend seine gesamte Produktion ein. Das berichtete das ORF Radio Oberösterreich am Mittwoch. Hintergrund seien Lieferschwierigkeiten bei Kabelbäumen aus der Ukraine, bestätigte eine Unternehmenssprecherin der APA. Am Mittwoch kommender Woche wolle man die Produktion in Steyr in Oberösterreich wieder aufnehmen, aber "wir müssen auf Sicht fahren".

Von den Problemen mit den Kabelbäumen sei der gesamte MAN-Verbund, für den Steyr Automotive Auftragsfertigung mache, betroffen, hieß es aus dem Unternehmen. Die kommenden vier Werktage steht die Produktion daher still. Bereits zuvor hatte Steyr Automotive die Verlängerung der mit Ende Februar auslaufenden Kurzarbeit um vier Monate bis Ende Juni beantragt. Diese stehe aber in Zusammenhang mit der Halbleiter-Krise, nicht mit dem Ukraine-Krieg, betonte eine Sprecherin. Am Mittwoch will man wieder produzieren, eine mittelfristige Perspektive sei aber schwierig.

Das ehemalige MAN-Werk in Steyr war im Vorjahr von Siegfried Wolf gekauft worden, der es als Steyr Automotive weiterführt und beste Verbindungen nach Russland pflegt. Ab 2023 sollen in Steyr Kleintransporter auf Basis von Modellen des russischen Automobilkonzern GAZ entwickelt werden, wozu ein Austausch von Komponenten in beide Richtungen vorgesehen ist. Die Zusammenarbeit mit GAZ, an dem Wolf beteiligt ist, müsse man "genau analysieren", meinte kürzlich Arbeiterbetriebsrat Helmut Emler. Sollten Lieferungen von Komponenten aus Russland nicht möglich sein, würden Alternativen gesucht, teilt er die Auffassung des Unternehmens.

Schon zuvor war bekanntgeworden, dass auch das BMW-Werk in Steyr vorübergehend seine Produktion stoppt. Die Ausfälle in der ukrainischen Zulieferindustrie führen nicht "nur" zu Kurzarbeit. "In der Nacht von Mittwoch (2. 3.) auf Donnerstag (3. 3.) kommt es aufgrund der Versorgungsengpässe zu ersten Produktionsausfällen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt rechnen wir damit, dass die Produktion ab Freitag, 4.3., zu einem Stillstand kommt", so BMW.

Wobei auch in den BMW-Werken München und Dingolfing sowie in den Mini-Werken in Oxford und in den Niederlanden nächste Woche die Bänder stillstehen, weil Kabelbäume aus der Ukraine fehlen. In Leipzig entfällt eine der zwei Schichten, wie ein Sprecher des Autokonzerns am Mittwochabend in München sagte. In Regensburg werde wegen fehlender Halbleiter ebenfalls nur im Ein-Schicht-Betrieb produziert. Die Produktionsstopps und Einschränkungen gelten vorerst für eine Woche. Wie es danach weitergeht, ist offen. Im Stammwerk München sind etwa 7.000 Mitarbeiter betroffen. Ob sie Kurzarbeit fahren oder die Zwangspause über Zeitkonten verrechnet wird, werde noch geklärt, sagte der Konzernsprecher. Im größten europäischen BMW-Werk Dingolfing sind etwa 10.000 Mitarbeiter vom Produktionsstopp betroffen. Für die 3.200 Mitarbeiter im österreichischen BMW-Werk Steyr wurde bereits Kurzarbeit vereinbart. (apa)