Der Ukraine-Krieg wird den Aufschwung in Österreich und dem Euroraum etwas bremsen, nimmt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) an. Unmittelbar vor Kriegsausbruch, im Februar, war Österreichs Wirtschaft dem Institut zufolge in einer guten Verfassung. Die Wirtschaftsleistung lag erneut über dem Vor-Corona-Niveau - und die Aussichten in den vom vierten Covid-Lockdown am stärksten betroffenen Branchen hatten sich deutlich aufgehellt, vor allem in Gastronomie und Beherbergung.

Die bereits sehr hohen Rohstoffpreise hätten durch den Krieg in der Ukraine einen neuerlichen Schub erhalten, was die Realeinkommen der privaten Haushalte über längere Zeit dämpfen wird, erklärte das Wifo am Mittwoch. Sollten die Liefermengen an russischem Erdgas gedrosselt werden, würde es im Laufe des Jahres zu Produktionsausfällen in einigen Bereichen der Industrie kommen.

Herausforderung für die Notenbanken

Der direkte Warenaußenhandel mit Russland habe bereits seit der Krim-Krise und den damit zusammenhängen Sanktionen abgenommen, das Handelsvolumen sei mittlerweile gering. Unter den heimischen Banken habe nur die Raiffeisen Bank International (RBI) ein bedeutendes Engagement in Russland. Die Kreditvergabe im Inland dürfte, so das Wifo, von der Verdrängung Russlands aus dem internationalen Finanzsystem aber nicht wesentlich betroffen sein, da diese im Raiffeisenkonzern über regionale Banken und Landesbanken abgewickelt würden.

Für die Notenbanken seien die neuerlichen Rohstoffpreisschocks eine große Herausforderung, so das Wifo. Schon bisher sei der kräftige Anstieg der Inflation wesentlich durch ungünstige Angebotsschocks getrieben, was eine Straffung der Geldpolitik erschwere. Durch den Krieg in der Ukraine habe sich das Dilemma der Zentralbanken, vor allem der EZB, vergrößert. Trotz der weiteren Beschleunigung der Inflation - in Österreich auf voraussichtlich knapp 6 Prozent im Februar - könnten die Notenbanken wieder etwas vom zuletzt eingeschlagenen Straffungskurs abweichen. (apa)