"Das ist unser Türöffner für Russland!" Mit diesen Worten pries Strabag-Großaktionär Hans Peter Haselsteiner 2007 noch den Einstieg des russischen Oligarchen Oleg Deripaska und seiner Rasperia Trading beim heimischen Bauriesen Strabag. Ganz so erfolgreich wie erhofft lief das Russlandgeschäft aber dann doch nicht. Jetzt - 15 Jahre später - kündigt die Familien-Privatstiftung rund um Ex-Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner den Syndikatsvertrag mit der Rasperia Trading sowie mit der Uniqa- und Raiffeisen-Gruppe. Als Grund dafür wird der militärische Einmarsch Russlands in die Ukraine genannt und die Kreml-Nähe Deripaskas.

Die auf Zypern ansässige Rasperia Trading ist damit zwar weiterhin mit 27,8 Prozent an der Strabag beteiligt, hat nun aber keine Mitbestimmungsrechte mehr. 28,3 Prozent der Strabag-Aktien entfallen auf die Familie Haselsteiner, 29,4 Prozent auf die Uniqa/Raiffeisen-Gruppe und 14,5 Prozent sind in Streubesitz. "Der Vorstand begrüßt den Schritt unserer Kernaktionärin, der Haselsteiner Familien-Privatstiftung, durch die Kündigung des Syndikatsvertrags klare Verhältnisse zu schaffen. Vonseiten des Managements sind wir bereit, alle rechtlich möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden", hieß es am Dienstag in einer Presseaussendung.

Rückzug aus Russland

Wie viele andere internationale Konzerne zieht sich nun auch die Strabag aus Russland zurück. Alle noch offenen Aktivitäten werden laut Vorstand jetzt abgewickelt. Für Deripaska soll es demnach auch keine Dividendenzahlung geben. Das große Geschäft hat die Strabag - anders als viele andere heimische Unternehmen - aber ohnehin nicht in Russland gemacht. Eigenen Angaben zufolge machten die Russland-Aktivitäten nur noch 0,3 Prozent der Konzernleistung aus. Und auch in den vergangenen 15 Jahren sind die erhofften, großen öffentlichen Infrastruktur-Projekte meist ausgeblieben.

"Der Vorstand hat den Beschluss gefasst, keine Dividende an Rasperia auszuzahlen", sagte eine Pressesprecherin zur Austria Presse Agentur. "Wir wollten damit - ebenso wie Herr Doktor Haselsteiner mit der Kündigung des Syndikats - ein klares Zeichen setzen." Die Kündigung des Syndikatsvertrags hat nicht nur einen moralischen Hintergrund.

Dass Deripaskas Rasperia um eine Dividende von mehr als 30 Millionen Euro umfällt, hat mit den Sanktionen gegen russische Oligarchen aus Großbritannien und Kanada zu tun. Die Strabag ist in beiden Ländern tätig, im kanadischen Toronto erweitert sie beispielsweise für 500 Millionen Euro die U-Bahn. Deripaska findet sich auch auf der Sanktionsliste der USA wieder. Seine Beteiligung an der Strabag könnte also auch hier zum Problem für den Konzern werden.

Nicht auf EU-Sanktionsliste

Deripaska selbst findet sich derzeit nicht auf der umfangreichen EU-Sanktionsliste, die zahlreiche andere russische Oligarchen gelistet hat. Eigentlich sollte er auch dort gelistet sein. Vergangene Woche sorgten Recherchen der deutschen "Zeit" und des ARD für Aufsehen, wonach er kurzfristig von der Sanktionsliste der EU wieder verschwunden sei. Die zuständige EU-Kommission wollte das nicht weiter kommentieren und verwies auf die Vertraulichkeit bei den Gesprächen. Spekuliert wurde darüber, dass sich Österreich dafür eingesetzt habe, dass der umstrittene Oligarch doch nicht sanktioniert wird. Das Außenministerium und das Bundeskanzleramt wiesen eine Einmischung aber entschieden zurück.

Nähe zum Kreml

In Österreich ist Oleg Deripaska dennoch kein Unbekannter. Er baute das Luxushotel Aurelio in Lech am Arlberg, das er aber vor kurzem seinem Cousin Pawel Esubow übertragen haben soll.

Dass Deripaska nicht sanktioniert wird, sorgt bei vielen Beobachtern für Verwunderung. Er ist Großaktionär des russischen Automobil- und Rüstungskonzerns GAZ. Dieser beliefert auch die russische Armee mit Fahrzeugen. Die Radpanzer BTR 80 und 82 etwa kommen im Ukraine-Krieg zum Einsatz. Ebenso wird der Geländewagen Tigr von den russischen Streitkräften beim Einmarsch in die Ukraine genutzt. Gleichzeitig werden dem russischen Milliardär sehr gute Beziehungen in den Kreml und zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt.


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