Der heimische Energiekonzern Verbund fuhr im vergangenen Jahr aufgrund des gestiegenen Großhandelspreises für Strom einen satten Gewinn ein. 2021 kletterte der Nettogewinn um 38,3 Prozent auf 874 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Wien mit.

Die Dividende soll entsprechend angehoben werden, von 75 Cent auf 1,05 Euro pro Aktie. 2022 soll dieses Ergebnis noch übertroffen werden, kündigte Finanzvorstand Peter Kollmann in einer Pressekonferenz an: 2022 soll der Nettogewinn bei 1,4 bis zwei Milliarden Euro liegen (Details siehe Grafik). Grund für die Preisentwicklung seien der Anstieg des CO2-Preises, der Energiehunger aus Asien und sehr geringe Speicherstände, so Kollmann.

Kein günstiger Strompreis


Der Krieg in der Ukraine lässt die Energiepreise weiter wachsen. Können Stromerzeuger einen günstigeren Strompreis an ihre Kunden weitergeben? Michael Strugl, Vorstandsvorsitzender von Verbund verneint: Das liege zum einen im Wettbewerbs- und Kartellrecht und zum anderen am Aktiengesetz. Man müsse daher eine marktbasierte Preisbildung vornehmen, die Kampfpreise unterbinde und Marktteilnehmer nicht diskriminiere.

Markteingriffe und Sondersteuern bei Stromerzeugern sehe man kritisch, so Strugl. Die Politik habe andere Instrumente zur Verfügung, etwa Direktzuschüsse und Transferleistungen sowie Entlastungen auf der Steuer- und Abgabenseite. "Verbund ist mehrheitlich ein Unternehmen, das der Republik gehört. Die Ergebnisse, die hier erwirtschaftet werden, steigert den Wert des Unternehmens und der Dividende."

Mit Dividende und Körperschaftssteuer liefere der Verbund heuer 600 Millionen Euro an das Finanzministerium. "Das ist ungefähr so viel wie der Energiekostenausgleich, den die Regierung an die Konsumenten zurückgibt", so Strugl.

Im nächsten Jahr könne der Betrag eine Milliarde Euro ausmachen, sagte Strugl. Im Gegensatz zu anderen Stromanbietern habe Verbund die gestiegenen Großhandelspreise nicht an seine 530.000 Endkunden – Haushalts- und Gewerbekunden – weitergegeben, werde dies aber nach Ende der Heizperiode tun müssen, "weil wir derzeit mit unseren Haushaltskunden nichts verdienen", kündigte er an.

Ausbau von Erneuerbaren


Wo sich Strugl politische Unterstützung wünscht, ist beim Thema Erneuerbare Energien. "Wir müssen alle Kräfte bündeln, um von fossilen Energieimporten weniger abhängig zu sein." Man brauche einen verstärken Ausbau der Infrastruktur, der Netze und der Speicher.

Es sei ein "Treppenwitz", wenn man für die Genehmigung von Windkraftanlagen so lange warten müsse, bis der Windturbinentyp nicht mehr am Markt verfügbar sei. "Derzeit dauern die Verfahren für Photovoltaik vier bis sechs Jahren und bei Windkraft von bis zu neun Jahren. Das ist einfach zu lange, um die Ziele bis 2030 zu erreichen", kritisiert Strugl.

Derzeit plant Verbund einen Ausbau von Wasserkraftwerken, davon ein Murkraftwerk in Gratkorn, von Solarparks, davon eines in Brandenburg gemeinsam mit dem Unternehmen Visiolar und eines in Granada in Spanien sowie von Windkraftanlagen. In den kommenden drei Jahren sind Investitionen in Höhe von drei Millarden Euro geplant.