AMS-Chef Johannes Kopf glaubt weiterhin an eine sehr hohe Nachfrage nach Arbeitskräften und schwierige Zeiten für die Tourismusbranche. Bei den geflüchteten Frauen aus der Ukraine erwartet er eine besseren Integration in den Arbeitsmarkt als das bei Afghaninnen und Syrerinnen der Fall war. Beim Arbeitslosengeld spricht er sich für ein degressives Modell aus, also zuerst mehr und dann weniger Arbeitslosengeld, wie das auch Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) ventiliert hatte.

"Wir haben weiterhin ein tolles Wirtschaftswachstum, also bleibt auch der Arbeitskräftebedarf hoch. Die Betriebe werden weiter massive Anstrengungen unternehmen müssen, um Personal zu finden", so Kopf im Gespräch mit der "Presse". Er rechnete dazu vor: "Wir haben 100 Prozent mehr offene Stellen als vor einem Jahr und 50 Prozent mehr als 2019."

Zur Entwicklung am Arbeitsmarkt.

"Wohlstandsphänomen"

Es sei ein "Wohlstandsphänomen, dass Leute nicht mehr am Abend oder am Wochenende arbeiten wollen". Jede Skihütte hätte einen fünf Mal so großen Bedarf an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Aber nur in den Ferien, und dafür steht eben niemand zur Verfügung. Diese Flexibilität, diese völlige Verfügbarkeit von Arbeitskräften im Dienstleistungsbereich, die wird es so nicht mehr spielen, und zwar weltweit. Wir werden uns auch als Gäste umstellen müssen. Oder das Schnitzel wird viel teurer", gab der AMS-Vorstand zu bedenken.

Bei der großen Nachfrage nach Beschäftigten sei es jedenfalls sinnvoll, "den Arbeitsanreiz zu stärken". Er wünsche sich, dass das Arbeitslosengeld höher beginnt und es nach zwei, drei Monaten eine Stufe mit geringeren Zahlungen gibt.

Klare Worte fand Kopf zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf den Arbeitsmarkt. Er rechne damit, dass nicht einmal die Hälfte der Vertriebenen aus der Ukraine beim AMS vorstellig werde. "Aktuell kommen etwa zu einem Drittel Menschen im Pensionsalter und zu zwei Dritteln Frauen mit Kindern. Das heißt, die andere Hälfte, die keine Arbeit sucht, sind vor allem Kinder und Menschen im Pensionsalter, bzw. Frauen mit ganz kleinen Kindern", so Kopf.

Herausforderung: Kinderbetreuung

Um sie in den Arbeitsmarkt zu bekommen, müsse es genug Kinderbetreuungsplätze geben. "Wenn man mit den Frauen spricht, erhält man unisono die Rückmeldung, dass sie Arbeit suchen. Das unterscheidet sie von vielen geflüchteten Frauen aus Syrien oder Afghanistan. Ich appelliere hier ganz deutlich an die Bürgermeister: Das AMS kann nur erfolgreich sein, wenn die Kinderbetreuung gegeben ist", betonte der Chef des Arbeitsmarktservice.

Aktuell seien 60 Prozent der Männer, die im Jahr 2015 im Zuge der großen Flüchtlingswelle nach Österreich gekommen sind, beschäftigt. Von den Frauen seien es 20 Prozent. (apa)