Die Sehnsucht der Menschen nach Urlaubsreisen ist wieder auf Vor-Corona-Niveau, sie schlug sich schon zu Jahresanfang in Österreich in hohen Frühbucher-Zahlen nieder. Haben der Ausbruch des Krieges in der Ukraine sowie die stetig steigenden Energiepreise daran etwas geändert?

"Wir merken aktuell kein Zögern, die Buchungen laufen sehr erfreulich. Wir erwarten eine gute Sommersaison 2022 und sehen zurzeit durch den Krieg keine grundsätzliche Veränderung im Buchungsverhalten", erklärt Patrizia Weinberger, Unternehmenssprecherin von TUI Österreich auf Anfrage der "Wiener Zeitung".

Ähnlich lautet die Antwort von Austrian Airlines: "Ein Buchungseinbruch lässt sich bei uns nicht ablesen. Wir lagen Anfang März bei 600.000 Neubuchungen binnen zwei Wochen, und innerhalb der letzten 14 Tage bei 690.000 Neubuchungen", erläutert Yvonne Wachholder von der AUA-Konzernkommunikation. Ein Nachholbedarf sei anhand dieser Zahlen deutlich sichtbar.

"Die Reiselust per se hat sich unserer Einschätzung nach nicht geändert, die Österreicher sehnen sich wirklich nach Urlaub und Auszeit" heißt es zwar von Helga Freund, Geschäftsführerin Ruefa und Eurotours sowie Vorständin des Verkehrsbüros. Sie sieht allerdings seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine eine leichte Verlangsamung im Buchungsverlauf im Vergleich zum Jahresbeginn, als man teils die Niveaus von 2019 übertroffen hatte.

Mediterrane Sehnsucht

Besonders beliebt seien die "sonnigen Urlaubsdestinationen" am Mittelmeer, Mallorca, Sizilien, Zypern Kreta, Rhodos und Bari, ebenso wie die Kanaren. In den nahen Osterferien seien auch Langstreckenziele wie Malediven, Mauritius, Bangkok oder Cancún gut gebucht, heißt es von Seiten der AUA weiter.

Da Ostern heuer später liegt und so besonders zum Verreisen verleitet, zieht TUI den Start der Sommersaison auf das Palmwochenende vor und startet gleich durch - Richtung Antalya, Kreta, Rhodos und Mallorca, denn: "Die Nachfrage nach Reisen im Frühjahr nimmt richtig gut Fahrt auf, Flüge zu Ostern sind teilweise komplett ausgebucht."

Nun steigen allerdings die Energiekosten, das schmälert nicht nur das Urlaubsgeld, es könnte auch Flüge verteuern.

"Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Auswirkungen wie steigende Ölpreise bringen natürlich Unsicherheiten mit sich. Noch ist es aber zu früh, um Prognosen hinsichtlich Ticketteuerungen zu tätigen", meint AUA-Sprecherin Wachholder vorsichtig. Deutlicher ist man bei der TUI: "Treibstoffzuschläge seitens der Airlines können wir angesichts ständig steigender Ölpreise nicht gänzlich ausschließen."

Last Minute wird teurer

Bei bereits bestehenden Buchungen werde es jedoch nicht zu Nachbelastungen kommen, versichert die TUI-Sprecherin, denn die Verträge mit Hotels und Fluglinien habe man bereits abgeschlossen. Die gestiegenen Preise und die damit einhergehende Inflation machen jedoch auch vor den Urlaubsgebieten nicht Halt, so Weinberger. Daher bringt es heuer nichts, abzuwarten. Ganz im Gegenteil: "Wer früh bucht, schützt sich vor möglichen Preissteigerungen. Frühbucher werden deutlich bessere Angebote finden als Last-Minute-Reisende."

Früh zu buchen, um sich Preisvorteile zu sichern, empfiehlt man auch beim Verkehrsbüro: "Ja, wir rechnen mit Preiserhöhungen. Die meisten Airlines haben dies schon in den Raum gestellt, auch bei den Hotels erwarten wir steigende Preise durch höhere Betriebskosten", so Helga Freund. Sie erwartet sich auch durchaus noch ein Umdenken bei den Urlaubern selbst. Bei Pauschalreisen mit Fixpreis gebe es gegenüber der Eigenanreise mit flexiblen Bausteinen heuer finanzielle Vorteile, gibt Freund zu bedenken.

Es wird anders gebucht

Haben die Österreicher ihr Buchungsverhalten geändert? "Definitiv und in mehrfacher Hinsicht", meint die Ruefa-Chefin. Es werde früher gebucht und Themen wie Storno, Rücktritts- oder Umbuchungsmöglichkeiten, etwa Flextarife, sind wichtig.

Sicherheit hat eine hohe Priorität für Urlauber, bestätigt man auch von der TUI. Für Urlaube werde heuer wieder mehr Geld ausgegeben. Die Reisen dauern länger, man geht häufiger auf Urlaub und hochwertige Zimmer sind sehr nachgefragt, führt TUI-Sprecherin Weinberger aus.