Außenminister Alexander Schallenberg und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (beide ÖVP) haben am Dienstag bei der Eröffnungszeremonie der neuen Seilbahn in Haifa in Israel teilgenommen. Die von der Vorarlberger Firma Doppelmayr errichtete Bahn verbindet die Stadt mit der auf einem Berg liegenden Universität Technion. Schramböck betonte dabei bei einer kurzen Eröffnungsrede die Wichtigkeit der Zusammenarbeit Österreichs mit Israel im wirtschaftlichen Bereich.

"2.400 Personen können so pro Stunde transportiert werden", sagte indes Thomas Nesler, der Verkaufsleiter von Doppelmayr in der Region. Für das Projekt habe es eine öffentliche Ausschreibung gegeben und der Anteil von Doppelmayr am Auftragsvolumen habe 26 Millionen Euro betragen, so Nesler. Das gesamte Volumen des Projekts dürfte bei 65 Millionen Euro liegen. Mitte April soll die Bahn dann endgültig in Betrieb genommen werden. Ein Thema in Haifa sei aber der Betrieb am Shabbat (Schabbat), momentan werde darüber diskutiert, wie lange man die Bahn am Samstag betreiben könne, so Nesler.

Im Anschluss wurden die Minister im Technion, der mit Gründungsdatum 1912 ältesten Hochschuleinrichtung in Israel, vom Rektor empfangen und kurz herumgeführt. Die Universität mit knapp 15.000 Studierenden hat 19 Fakultäten und 40 Forschungsinstitute. Die Universität gilt zudem als technische Kaderschmiede des Landes.

Gespräche mit israelischen Start-ups

Am Dienstag in der Früh hatte Schramböck zunächst ein Gespräch mit Vertretern von israelischen Start-ups geführt. Dabei betonte die Wirtschaftsministerin, sie wolle die Reise dazu nutzen, die Zusammenarbeit im Bereich Innovation und Technologie zu stärken und, um für den Standort Österreich zu werben. Das Ziel der Reise sei es aber auch, neue Märkte für österreichische Betriebe zu schaffen und auszubauen, so Schramböck, immerhin seien durch den Krieg in der Ukraine zwei wichtige Märkte weggefallen.

"Israel ist ein Innovations-Powerhouse. Wir können von Israels Leidenschaft für Innovation und neue Technologien viel lernen", betonte sie. So liege Israel im digitalen Gesundheitssektor, der ein vielversprechender globaler Wachstumsmarkt sei und 2022 weltweit eine Marktgröße von über zwei Milliarden US-Dollar (1,82 Mrd. Euro) erreichen werde, an der Weltspitze. "Hier sehe ich für Österreich und österreichische Firmen enormes Potenzial", so die Wirtschaftsministerin.

Ausbau der bilateralen Beziehungen

Schallenberg betonte im Anschluss vor Journalisten, zunächst gehe es bei dieser Reise vor allem um den Ausbau der bilateralen Beziehungen. So wolle man auch einen Besuch von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), der noch vor dem Sommer geplant sei, vorbereiten. Die bilateralen Beziehungen zu Israel seien hervorragend, betonte der Außenminister. Israel sei die einzige funktionierende Demokratie in der Region. Zudem sei sich Österreich seiner historischen Verantwortung gegenüber Israel bewusst und habe auch deutlich im Regierungsprogramm verankert, dass die Sicherheit Israels auch ein Anliegen Österreichs sei.

Diesbezüglich hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren viel verändert. So nahm Israel diplomatische Beziehungen mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Marokko und dem Sudan auf. Zuvor hatte der jüdische Staat nur mit Ägypten und Jordanien Friedensverträge unterzeichnet. Als Hauptmotor der Annäherung galten wirtschaftliche Erwägungen, aber auch die gemeinsamen Sorgen Israels und der sunnitischen Golfstaaten vor einem nuklear bewaffneten Iran. Am Montag kam es in der Wüste Negev zu einem historischen Treffen der Außenminister der USA und Israels mit jenen von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko. So ein Treffen wäre vor ein paar Jahren noch vollkommen undenkbar gewesen, betonten mehrere Gesprächspartner der APA in Israel.

Besuch der Klagemauer

Am Dienstagnachmittag stand für die Minister noch ein Besuch der Klagemauer an. Am Abend wird dann fünf Neo-Österreichern die Staatsbürgerurkunde überreicht, ehe es noch ein Treffen mit Vertretern des Thinktanks INSS (Institute for National Security Studies) geben wird.

Am Mittwoch treffen Schallenberg und Schramböck dann den israelischen Außenminister Yair Lapid zu einem Arbeitsgespräch. Dabei wolle er auch über den Ukraine-Krieg reden und ansprechen, warum sich Israel den westlichen Sanktionen gegenüber Russland nicht angeschlossen habe, so Schallenberg. Er verstehe aber auch die Position Israels, sich alle Gesprächskanäle offenzuhalten, erklärte der Außenminister. Schramböcks geplantes Treffen mit der israelischen Wirtschaftsministerin Orna Barbivay kam nicht zustande. Zudem ist eine Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geplant. (apa)