Härtere Sanktionen gegen Russland fordern Frankreich und Großbritannien. Zuletzt wurden diese Rufe nach den Berichten über mutmaßliche Gräueltaten der russischen Invasionstruppen im ukrainischen Butscha immer lauter. Die Sanktionen sollen dieses Mal auch russische Energieimporte wie Öl und Gas treffen. Umgekehrt droht auch Russland mit einem Lieferstopp von Gas. Welche Konsequenzen hätte das für Österreich. Die "Wiener Zeitung" hat bei der Regulierungsbehörde E-Control nachgefragt:

  • Wieviel Gas verbraucht Österreich gerade?

Derzeit liegt der Endkundenverbrauch zwischen 250 und 350 Gigawattstunden (GWh) pro Tag, dieser Wert ist aber sehr temperaturabhängig.

  • Wie hoch ist der Anteil Russlands an österreichischem Gas?

Aus Russland kommt zirka 80 Prozent des Gases, das in Österreich verbraucht wird. Im Vergleich dazu liegt der Anteil innerhalb der Europäischen Union (EU) bei rund 40 Prozent.

  • Wieviel Gas liefert Russland derzeit?

Die Transportflüsse von russischem Erdgas in die EU und nach Österreich sind sowohl über die Ukraine als auch über andere Transportwege weiterhin uneingeschränkt. Der russische Staatskonzern Gazprom Export erfüllt also aktuell alle vertraglichen Lieferverpflichtungen.

  • Wie gut ist Österreich darauf vorbereitet, falls Russland kein Gas mehr liefert?

Formal, das heißt also, wenn der Energielenkungsfall in Kraft treten muss, dann ist Österreich gut vorbereitet. Wenn damit gemeint ist, ob Österreich generell auf Gas aus Russland verzichten kann, dann muss man das leider verneinen.

  • Wie hoch ist der Gasstand in den heimischen Speichern?

Der Speicherinhalt für gesamt Österreich beträgt derzeit nur 12,95 Terrawattstunden (TWh), nach 12,52 TWh am 01. April 2022. Der Speicherinhalt für das Marktgebiet Ost (ohne Gasspeicher Haidach): 11,12 TWh (nach 11,11 TWh am 01.04.2022).

  • Warum sind die Speicher nur so gering befüllt?

Grund für die schon voriges Jahr sehr geringe Einspeichertätigkeit war eine Preisstruktur, die es unrentabel machte, Vorräte anzulegen. Vor allem fehlte eine attraktive Differenz zwischen Sommer- und Winterpreisen.

  • Wie lange kommt Österreich mit seinen Speichermengen aus?

Das kann nicht pauschal beantwortet werden, da dies auch stark vom Verbrauch abhängt. Sobald es wärmer wird, sinkt etwa der Gasverbrauch der Haushalte drastisch ab und auch Gas für die Stromversorgung wird dann weniger benötigt.

  • Der Nationalrat rief die Frühwarnstufe aus: Was bedeutet das?

Die Frühwarnstufe bedeutet, dass die Versorgungssituation noch genauer beobachtet wird, als dies bereits seit Beginn des Krieges der Fall ist. Diverse Aktivitäten, die etwa in Deutschland erst mit dem Ausrufen der Frühwarnstufe in Kraft getreten sind, wie die Aktivierung von Krisenteams, engmaschigeres Monitoring oder laufende Abstimmung aller Beteiligten, sind in Österreich seit Beginn des Ukraine-Kriegs bereits in Kraft und werden täglich gelebt. Das Ausrufen der Frühwarnstufe bedeutet noch keinerlei Einschränkungen für Gasverbraucher, aber die Verbraucher sollen für das Thema sensibilisiert werden.

  • Ab welcher Stufe gibt es Energielenkungsmaßnahmen?

Das passiert ab der dritten Stufe des Notfallplans, der Notfallstufe. In diesem Fall müssen das Parlament befasst und die zugehörige Verordnung vom Klimaschutzministerium erlassen werden.

  • Wer wird im Falle eines Engpasses bevorzugt, private Haushalte oder die Industrie?

Private Haushalte fallen unter die geschützten Kunden und werden jedenfalls weiter mit Gas versorgt.