Mit einer Bewertung von mehr als drei Milliarden Euro ist das Nachhilfe-Start-up GoStudent das wertvollste österreichische Jungunternehmen, ein sogenanntes Unicorn. Sechs Firmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro — also "Einhörner" — gibt es in Österreich, das ist jedoch bei Weitem nicht das Gros der Branche.

2.800 Start-ups wurden seit 2010 gegründet, wobei das jährliche Wachstum an Neugründungen in den vergangenen Jahren abgeschwächt war. Insgesamt schufen heimische Start-ups 25.000 Arbeitsplätze. Das geht aus dem aktuellen "Austrian Start-up Monitor" hervor, der am Montag präsentiert wurde. Für diesen wurden 530 Gründerinnen und Gründer sowie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aus 445 Unternehmen befragt.


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Demnach wollen acht von zehn der Befragten auch 2022 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. So sollen heuer bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bei der Präsentation erfreut.

Wenige Gründerinnen

Auch der Wert heimischer Start-ups erreichte laut Schramböck einen neuen Rekord: Mit 1,2 Milliarden Euro betrug dieser fast fünf Mal so viel wie im Jahr zuvor. Das meiste davon entfiel freilich auf Unicorns, etwa an die Krypto-Handelsplattform Bitpanda und GoStudent. Österreich verbesserte sich damit laut einer Untersuchung der Prüfungsgesellschaft EY im Europa-Ranking immerhin vom 16. auf den 11. Platz.

Der Anteil der Gründerinnen stagnierte laut Monitor bei 17 Prozent, und nur 9 Prozent der Start-ups wird von Einzelunternehmerinnen oder einem rein weiblichen Gründungsteam geführt. Immerhin bei 35 Prozent der Start-ups ist eine Frau im Gründungsteam. Nach ihren Wünschen für die Verbesserung des Status quo befragt, gaben die Unternehmerinnen laut Monitor-Bericht an, dass es mehr Vernetzung, Austausch, aber auch bessere Vereinbarkeit von Job und Familie bräuchte.

FlexCo statt GmbH

Apropos Wünsche: In Zukunft soll es leichter werden, ein Start-up zu gründen. Derzeit arbeiten das Wirtschafts- und das Justizministerium an einem Gesellschaftsmodell neben der klassischen GmbH. Damit soll etwa die Mitarbeiterbeteiligung möglich sein und auch der Notariatsakt soll entfallen. Entsprechende Ankündigungen und Entwürfe zu Austria Limited, beziehungsweise FlexCo, gibt es seit 2020.

Vier von fünf der befragten Unternehmen sahen positiv in die Zukunft, der Monitor erfasste jedoch nicht die aktuellen Preisentwicklungen und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) findet es umso erfreulicher, dass die Hälfte der Start-ups soziale und ökologische Ziele als Kerntätigkeit hat.