Schnelle Zustellung, großes Warenangebot, verkürzte Lieferketten: Die Online-Super- und Bauernmärkte sprießen wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden. Sie alle profitieren vom Boom des Online-Handels, der mit der Corona-Pandemie eingesetzt hat und nach Ansicht von Experten auch bleiben wird.

Denn vor allem im Lebensmittelbereich verdoppelte sich - auf niedrigem Niveau - die Einkaufslust der heimischen Konsumentinnen und Konsumenten: 12 Prozent von ihnen kauften 2021 ihre Lebensmittel im Internet ein. Damit ist Österreich im europäischen Mittel, die Niederlande führen mit 30 Prozent an, Bulgarien ist mit zwei Prozent Schlusslicht. Das zeigen die Zahlen des Europäischen Statistikamtes, die am Donnerstag von Vertretern der Wirtschaftskammer und der Universität Linz präsentiert wurden.

Einer der Ersten, die vom Online-Lebensmittelboom profitierten, war der Online-Bauernmarkt markta.at, ein Anbieter von regionalen Bio-Produkten. Von wöchentlich 150 Bestellungen stiegen diese innerhalb einer Woche sprunghaft auf 2.500 Bestellungen an. Die Zahl ging nach Ende der Lockdowns jedoch zurück, "wegen vielen neuen Playern mit Venture Capital aus dem Ausland und allgemein der Rückkehr der Kundinnen und Kunden auf stationäres Einkaufen", sagt Theresa Imre, Gründerin und Geschäftsführerin von markta.at.

Einer von diesen neuen Playern ist der reine Online-Supermarkt Gurkerl.at, der Ende 2020 startete. Das Tochterunternehmen des tschechischen Online-Lebensmittellieferanten Rohlik bearbeitet laut Geschäftsführer Maurice Beurskens täglich 3.500 Bestellungen und hält bei 75.000 Kunden allein in Wien und Umgebung. Eine Expansion in weitere Landeshauptstädte ist geplant, das Ziel ist, Billa beim Online-Geschäft zu überholen. Der Platz wird, zumindest in Wien, langsam eng. Flink, ein weiterer Player mit Kapital des deutschen Handelskonzerns Rewe im Rücken, mischt seit Neuestem den Markt mit schnellen Lebensmittellieferungen auf.

Um 8,9 Milliarden Euro geshoppt

Noch immer aber dominieren im Online-Handel in Österreich die Bereiche Mode (43 Prozent) sowie Möbel, Heimzubehör und Gartenartikel (23 Prozent), die beide im niedrigen zweistelligen Bereich zulegten.

Generell flachte der Online-Handel in Österreich im Vorjahr im Vergleich zum ersten Corona-Jahr entgegen dem EU-Trend etwas ab. Shoppten 2020 noch 66 Prozent der Österreicher online, waren es im Vorjahr 63 Prozent. In der EU setzte sich der Online-Boom auch 2021 fort. Die Online-Ausgaben stiegen in Österreich nur leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent. Konkret gaben die Online-Shopper 8,9 Milliarden Euro aus, bevorzugt in Online-Shops im Ausland. Die kaufkräftigsten Österreicherinnen und Österreicher sind in der Altersgruppe zwischen 45 und 54 Jahren zu finden, 70 Prozent von ihnen kauften im Vorjahr online ein.

Für WKO-Handelsobmann Rainer Trefelik ist das Abflachen des Online-Booms "eine Auszeichnung des stationären Handels", und in Hinblick auf die zahlreichen Lockdowns 2021 und das eingeschränkte Weihnachtsgeschäft "bemerkenswert". Die Folgen des Ukraine-Krieges auf den Handel seien derzeit nicht abzuschätzen, die hohen Energie- und Verpackungskosten gelte es jedenfalls abzufedern, sagte Trefelik in einem Online-Pressegespräch.

Die hohe Inflation setzt dem Handel derzeit ordentlich zu: Laut Statistik Austria verzeichnete die Branche im ersten Quartal 2022 zwar ein Umsatzplus von 8,2 Prozent, preisbereinigt blieben ihm aber nur 2,3 Prozent übrig.