In der vierten Verhandlungsrunde hat es in der Elektro/Elektronikindustrie (EEI) eine Einigung auf einen neuen Kollektivvertrag (KV) gegeben. Demnach steigen die Ist-Löhne und -Gehälter um 4,8 Prozent, mindestens aber um 130 Euro. Das bedeute für niedrigere Einkommen bis zu 6,7 Prozent mehr, rechnete die Gewerkschaft am Abend vor. Für die Arbeitgeber ist der Abschluss "gerade noch vertretbar". Die ab 11. Mai angekündigten Warnstreiks finden nun nicht statt.

Die Einigung gilt rückwirkend ab 1. Mai. Die kollektivvertraglichen Mindest-Gehälter bzw. -Löhne steigen um 5,0 Prozent. Die Lehrlingseinkommen steigen im Schnitt um 8,6 Prozent. Für Lehrlinge gibt es nun 1.000 Euro im ersten Lehrjahr, 1.250 Euro im zweiten, 1.500 Euro im dritten und 1.950 Euro im vierten Lehrjahr. Die KV-Einigung für die EEI ist nach der Textilindustrie, Papierindustrie und chemischen Industrie der vierte Abschluss in der industriellen Frühjahrslohnrunde.

"Der starke Druck durch die Betriebsversammlungen hat auf Arbeitgeberseite für Bewegung gesorgt. Nur so war es möglich, in der vierten Verhandlungsrunde einen Abschluss in dieser Höhe zu erreichen", schreiben die beiden Chefverhandler der Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Dürtscher (GPA), in einer Aussendung.

Hesoun: "Ergebnis belastet unsere Industrie"

"Das Ergebnis belastet unsere Industrie in der schwierigen Lage, in der sie sich schon seit geraumer Zeit befindet. Wir sind uns aber unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewusst und wollen ihnen in diesen schwer planbaren Zeiten Rückhalt geben. Bei den Möglichkeiten der Branche sind wir an unsere Grenzen gegangen und haben uns zu diesem gerade noch vertretbaren Abschluss durchgerungen", heißt es dagegen von Wolfgang Hesoun, Obmann des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie FEEI.

Zugleich verwies Hesoun darauf, dass die Branche mit der Corona-Pandemie, Kurzarbeit, steigenden Energiekosten, Lieferkettenproblematik, Lieferengpässen, Rohstoff- und Fachkräftemangel und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine weiter belastet sei. (apa)