Steigen die Strompreise, machen Energieversorger satte Gewinne. So auch der heimische Verbund, der heuer im ersten Quartal ein Konzernergebnis von 514,4 Millionen Euro vorlegte und damit das Vergleichsquartal des Vorjahres um 256 Prozent übertraf.

Entsprechend optimistisch ist die Prognose des Stromkonzerns am Donnerstag für das Gesamtjahr 2022: Zwischen 1,55 und 2 Milliarden Euro Nettogewinn werden angepeilt, statt, wie bisher erwartet, 1,4 bis 2 Milliarden Euro.

Die kräftig gekletterten Strom-Großhandelspreise waren Haupttreiber für die guten Ergebnisse. Zudem konnte der Verbund fast ein Viertel mehr Stromabsatz verbuchen, während etwa die Kosten für die Wasserkraft-Erzeugung fast stabil blieben: Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis in der Eigenerzeugung aus Wasserkraft stieg um 66,3 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 113,8 Euro je MWh. Das ist mehr als eine Verdopplung.

Alternative Asse im Ärmel

Das Unternehmen profitiert also von seinem Fokus auf alternative Energien, mit denen man einerseits preisstabil Strom produzieren kann, andererseits jedoch aufgrund der derzeitigen Marktlage den solcherart erzeugen Strom dennoch teuer verkaufen kann.

Für diese Spanne verantwortlich ist das Regelwerk Merit Order. Es legt fest, dass zuerst Strom aus den Kraftwerken mit den niedrigsten Grenzkosten ins Netz gespeist, wird, etwa Wasserkraft, dann Kraftwerke mit höheren Grenzkosten zugeschaltet werden, bis die Nachfrage gedeckt ist.

Der Strompreis an der Börse wird durch das letzte, teuerste Kraftwerk, das zugeschaltet wird, bestimmt. Merit Order ist nun wegen der stark gestiegenen Energiepreise jedoch in Kritik geraten. Die Energiewirtschaft will an dem schwer verständlichen Regelwerk dennoch festhalten, habe es doch positive Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung, da damit immer vorrangig Wind-, Wasser- und Solaranlagen zum Zug kommen, was wiederum Investitionen in Richtung der alternativen Energien lenkt, betonte man.

Auch der Verbund investiert weiter in klimafreundliche Energieerzeugung. Er hat zuletzt ein Windkraft- und Photovoltaik-Portfolio im spanischen La Mancha erworben. Es ist die dritte derartige Akquisition in Spanien. Bis 2030 will der Konzern zwischen 20 und 25 Prozent seines Stroms aus Photovoltaik und Windkraft erzeugen. In Österreich gewinnt der Verbund Strom vorwiegend aus Wasserkraft.

Neue Weichenstellung durch EU

Dass in den alternativen Energien die Zukunft liegt, weiß man auch bei der EU. Sie will in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 195 Milliarden Euro investieren, um von russischer Energie loszukommen. Dafür will man die Energiewende schneller vorantreiben. Bis 2030 sollen 45 Prozent der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen kommen, statt wie bisher geplant 40 Prozent, heißt es in einem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und kommende Woche vorgestellt werden soll.

Demnach soll sich die Anzahl der Solarstromanlagen in der EU bis 2028 mehr als verdoppeln. Die Kommission setzt auch auf klimafreundlichen Wasserstoff, der aus Ökostrom produziert wird. Bis 2030 sollen zehn Millionen Tonnen davon in der EU produziert und weitere zehn Millionen Tonnen importiert werden.
Zudem soll der Energieverbrauch bis Ende 2030 um 13 Prozent sinken, statt wie bisher vorgesehen um neun Prozent.

Wohin mit dem Gewinn?

Die hohen Gewinne der Energieunternehmen mit der zeitgleichen Problematik, dass Stromkonsumenten die hohen Endpreise nicht mehr zahlen können, hat zuletzt allerdings in der Politik Begehrlichkeiten geweckt. Die Lösung laut Kanzler Karl Nehammer (ÖVP): eine Gewinnabschöpfung bei teilstaatlichen Stromfirmen. Allein das öffentliche Nachdenken über einen solchen Eingriff bei den teilstaatlichen Energiekonzernen sorgte allerdings für heftige Kursverluste. Die beiden börsennotierten Energiekonzerne Verbund und EVN verloren daraufhin innerhalb eines Tages über 5,4 Milliarden an Marktwert.

Marktexperten warnten daraufhin vor einer Gewinnabschöpfung, sie sei rechtlich problematisch. Da aber der Verbund zu 80 Prozent in öffentlicher Hand ist, gäbe es auch die Möglichkeit, die Dividendeneinnahmen in Entlastungsmaßnahmen zu investieren.

Für das Geschäftsjahr 2022 plant der Verbund immerhin derzeit eine Dividenden-Ausschüttungsquote zwischen 45 und 55 Prozent, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis von 1,5 bis 1,95 Milliarden Euro. Das könnte schon ordentlich Mittel in die Staatskassen spülen, um die Abfederung der hohen Strompreise sozial und wirtschaftlich verträglicher zu machen.