Nach Wochen der Unsicherheit, was Österreich nun wirklich in Sachen Gasversorgung und -bevorratung unternehmen wird, gibt es seit Mittwoch etwas mehr Klarheit. Die schwarz-grüne Bundesregierung beschloss ein Maßnahmenpaket zur Bevorratung von Erdgas.

Auch die Europäische Kommission stellte am Mittwoch ihren Plan für mehr Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen vor. Dieser sieht Investitionen in Höhe von 300 Milliarden Euro bis 2030 vor. Die EU bezieht 40 Prozent ihres Gases aus Russland, Österreich sogar 80 Prozent.

Die Maßnahmen in Österreich sehen vor, dass ungenützte Gasspeicherkapazitäten abgegeben werden müssen. Außerdem soll der strategisch wichtige Gasspeicher in Haidach an das österreichische Gasnetz angeschlossen werden. "Im oberösterreichischen Haidach gibt es einen der modernsten Gasspeicher Europas, doch obwohl er in Österreich liegt, dient er derzeit primär der Versorgung deutscher Kunden", sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne).

Haidach noch 2022 am heimischen Gasnetz

Um beide Maßnahmen umzusetzen, muss das Gaswirtschaftsgesetz geändert werden, wofür es einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament bedarf.

Sie zielen außerdem auf russische Energieunternehmen. Denn der Gasspeicher in Haidach wird zwar vom österreichischen Speicherspezialisten Renewables and Gas Austria AG (RAG) betrieben, die Nutzer sind aber die russischen Unternehmen Astora und GSA. Astora ist eine Tochter der Gazprom Germania, die kürzlich unter deutsche Kuratel gestellt wurde – diese speichert weiter Gas in Haidach ein. Die Gazprom-Tochter GSA allerdings lässt ihren Speicherplatz ungenützt (siehe Grafik). Das sei "nicht länger tragbar", sagte Gewessler laut Agenturberichten. Nach dem "Use it or lose it"-Prinzip sollen nun andere zum Zug kommen, den Speicherplatz zu nützen.


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Die Anbindung des Speichers Haidach an das österreichische Gasnetz wird Investitionen von zehn Millionen Euro erfordern. Wer die Kosten tragen werde, sei noch nicht geklärt, sagte ein Sprecher zur "Wiener Zeitung". "Abhängig von den notwendigen Genehmigungen, Vertragserrichtungen, Finanzierung und der Materialverfügbarkeiten für die Errichtung des Anschlusses, ist eine Umsetzung noch im Jahr 2022 angestrebt", hieß es seitens der RAG, die großteils im Eigentum heimischer Energieunternehmen, etwa der EVN und der Energie Steiermark, ist.

Der Erdgasspeicher in Haidach ist ein Porenspeicher. Im Gegensatz zu Kavernenspeichern, in denen Gas in einem Hohlraum gelagert wird, wird Gas hier in den Poren eines Sandsteinblocks gespeichert. Dieser befindet sich in 1.600 Metern Tiefe. Aus Haidach werden vornehmlich süddeutsche Industriebetriebe wie Linde oder BASF versorgt, jedoch auch Teile Tirols und Vorarlbergs.


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Insgesamt betreibt die RAG zehn Gasspeicher, die darin gespeicherte Menge Gas entspricht etwa dem Jahresbedarf Österreichs.

Gasreserven sollen aufgestockt werden

Derzeit sind in den österreichischen Gasspeichern rund 25 Terawattstunden (TWh) Gas eingespeichert. Das entspricht laut Energieministerium dem Verbrauch von fast vier durchschnittlichen Monaten. Aktuell liegt der Gasspeicher-Füllstand bei rund 26 Prozent, bis zum nächsten Winter ist ein Anstieg auf 80 Prozent geplant.

Mit dem Maßnahmenpaket von Mittwoch soll auch die strategische Gasreserve um 7,4 TWh auf 20 TWh aufgestockt werden. Apropos Reserven: Industriebetriebe, die Gas für Krisen bevorraten, sollen in Zukunft mehr rechtliche Sicherheit erhalten. Das Parlament beschließt am Donnerstag die Novelle des Energielenkungsgesetzes, wonach Unternehmen vom Staat entschädigt werden, sollte dieser im Notfall auf ihre Gasvorräte zugreifen müssen. Dieser Zugriff ist im Notfallplan Gas geregelt.

Ministerin Gewessler will die Abhängigkeit von russischem Gas jedenfalls auf 70 Prozent senken. Die Bevorratungsstrategie hat allerdings einen Haken: Noch ist nicht geklärt, wie das russische Gas ersetzt werden soll, bemängelten Oppositionsparteien und Interessenvertreter aus der Wirtschaft.

EU-Kommission sieht zehn Milliarden für Gas vor

Die EU-Kommission will in Sachen Energieunabhängigkeit von Russland klotzen und nicht kleckern: 300 Milliarden Euro in Form von Krediten und Zuschüssen sollen die Investitionen bis zum Jahr 2030 betragen. Lediglich zehn Milliarden Euro sind für Gas- und zwei Milliarden Euro für Erdöl-Infrastruktur vorgesehen, der Rest werde zum Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. Die Mittel sollen teilweise aus dem Corona-Aufbaufonds kommen.

Geplant sind auch schärfere Vorschriften zum Energiesparen sowie etwa der verpflichtende Einsatz von Solaranlagen auf neuen öffentlichen und gewerblichen Gebäuden. Dies soll ab 2025 greifen, für Privathäuser ab 2029. Nun sind die EU-Länder am Zug.