Wer derzeit ein Haus baut, spürt die aktuellen Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten besonders stark. Die Liste an Baumaterialien, die teurer geworden sind, ist lang, sofern sie überhaupt lieferbar sind, wie Bauherren erzählen. Fehlende Ziegel können einen Zeitplan schon einmal durcheinanderbringen. Wer knapp kalkuliert hat, muss womöglich den Kredit bei der Bank aufstocken und dabei auch noch höhere Zinsen in Kauf nehmen.

Die Bauwirtschaft setzt angesichts der Unsicherheit auf variable Preise. Die Märkte würden zusehends volatiler und seien oft nicht mehr berechenbar, so der Baumeisterverband. Flexible, tagesaktuelle Preise gelten zunehmend auch für kurzfristige Projekte wie Einfamilienhäuser. Die Baumeister geben damit die Unsicherheit weiter, die sie von ihren Zulieferern erleben. Vor allem die Lieferprobleme sind auf den Baustellen bereits angekommen. In Freistadt, in Oberösterreich etwa, wo 2021 ein neues Siedlungsgebiet namens "Westside" für 40 Einfamilienhäuser erschlossen wurde, ist bei manchen Baustellen heuer nach der Winterpause nicht viel weitergegangen. Ein Nachbar habe drei Monate auf Ziegel gewartet, schilderte ein Bauherr. "Verzögerungen oder Preissteigerungen betreffen hier jeden."

Vereinbarte Preise gelten nicht mehr

Auch Hausbesitzer im Bezirk Schärding (OÖ), die ihrer Terrasse neuen Glanz verleihen wollten, berichten von einer Geduldsprobe. Nachdem sie ein dreiviertel Jahr auf den Besprechungstermin mit dem Baumeister ihres Vertrauens warten mussten, hatte dieser wenige Wochen nach Angebotslegung schlechte Nachrichten: Die -aufgrund der hohen Baupreise ohnehin schon kostspielige Sanierung von rund 50.000 Euro - sei zu dem vereinbarten Preis nun nicht mehr machbar. Angesichts der allgemein stark gestiegenen Lebenshaltungskosten für die Bauwerber ruht das Bauvorhaben vorerst einmal.

Laut Statistik Austria hat sich im April der Anstieg der Baukosten weiter verstärkt. Binnen Jahresfrist kletterte der Baukostenindex für den Wohnhaus- und Siedlungsbau um 16,0 Prozent, noch etwas stärker als im März mit damals 15,2 Prozent.

Empfindlich teurer und teilweise nicht lieferbar sind derzeit Dämmstoffe, Fenster, Fliesen, Parkett oder Beton. Bei Solarpaneelen und Wärmepumpen wiederum kommen zwei Umstände zusammen: Einerseits sind manche Komponenten aufgrund der Probleme in den internationalen Lieferketten schon länger Mangelware, anderseits wollen wegen des Ukraine-Kriegs nun besonders viele aus Gas aussteigen. (apa)