Die Frühwarnstufe rief die Bundesregierung bereits am 30. März aus. Denn Russland kündigte an, dass Gaslieferungen nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Russland, das 80 Prozent des österreichischen Gases liefert, war von nun an "kein verlässlicher Partner" mehr, erklärte Energieministerin Leonore Gewessler. Seither tagt täglich ein Krisenstab, werden Gasflüsse rund um die Uhr überwacht und zahlreiche Gesetze zur Einspeicherung von Erdgas beschlossen. Bis 1. November sollen die Gas-Speicher mit 80 Prozent aufgefüllt sein.

Drei Monate nach Inkrafttreten ist die Frühwarnstufe heute weiterhin in Kraft, obwohl Russland mittlerweile die Gaszufuhr stark drosselt. Nur noch 50 Prozent der üblichen Menge werden geliefert. Doch was passiert, wenn Russland den Gashahn noch weiter zudreht?

Stufe zwei ist die Alarmstufe. Sie wird ausgerufen, wenn es zu Einschränkungen der Gasversorgung in Österreich kommt. Derzeit können fehlende Mengen auf dem Spotmarkt beschafft werden, die Speicher füllen sich. Sobald die fehlenden Mengen aber nicht mehr ersetzt werden können, tritt die Alarmstufe in Kraft. Große Gasverbraucher müssen dann ihren geplanten Verbrauch täglich an die Regulierungsbehörde E -Control melden, das Klimaschutzministerium und E-Control fordern Unternehmen auf Gas zu sparen und Systeme für die Gasverteilung werden in Bereitschaft gesetzt.

Überschüssige Mengen

Eines dieser Systeme ist die FlexMOL des heimischen Gasnetz-Managements AGGM (Austrian Gas Grid Management). Über FlexMOL können überschüssige Gasmengen unter den einzelnen Unternehmen gehandelt werden. Zu Überschüssen kommt es, wenn ein Unternehmen seine Produktion aufgrund hoher Gaspreise stoppt oder reduziert. Die Registrierung für FlexMOL ist jederzeit möglich. Unternehmen müssen daran teilnehmen, sobald die Notfallstufe ausgerufen wird, die dritte Stufe des Gasnotfallplans der Bundesregierung.

Die Notfallstufe tritt in Kraft, wenn eine unmittelbar drohende Störung der Gasversorgung ansteht. Ein vollständiger Lieferstopp von Erdgas aus Russland wäre so eine Störung. In der Notfallstufe kommt es zu einer gesetzlichen Energielenkung. In Abstimmung mit dem Energielenkungsbeirat und dem Hauptausschuss des Nationalrats setzt die Energieministerin Maßnahmen zur Reduktion des Gasverbrauchs. Vorrang hat nun die Versorgung von Haushalten und sozialen Diensten wie Krankenhäuser, Altenhäuser und Kindergärten.

Neben der verpflichtenden Teilnahme an FlexMOL, muss dann Erdgas bei Möglichkeit durch andere Energieträger ersetzt werden. Sollten weitere Schritte notwendig sein, folgt in einem weiteren Schritt die verpflichtende Einschränkung des Gasverbrauchs von etwa 35 großen Unternehmen, die nicht systemrelevant sind. Ausgenommen sind Kraftwerke sowie Unternehmen, die Lebensmittel oder Holz produzieren oder Haushalte mit Abwärme versorgen. Unternehmen, die Gasreserven nach dem 27. April 2022 eingespeichert haben, können auf diese Reserven weiterhin zugreifen.

Beim allerletzten Schritt müssen etwa 7500 mittelgroße Unternehmen ihren Gasverbrauch einschränken. Betroffen sind Unternehmen mit einem Gasverbrauch von über 400.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Die österreichischen Speicher sind derzeit mit knapp 45 Prozent befüllt. Laut Energieexperten würde Österreich mit dieser Menge bei einem sofortigen Gasstopp Russlands bis Mitte Dezember auskommen.