Autos sind in Wien Stehzeuge. Sie parken die meiste Zeit entlang von Straßenzügen und in Garagen und werden immer seltener genutzt. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Besitzverhältnisse. 70 Prozent der über 700.000 Pkw gehören Unternehmen. Die meisten sollten zwar als Dienstautos verwendet werden, doch immer weniger Mitarbeiter greifen darauf zurück. Lieber wollen sie eine Mischung aus Öffiticket sowie Freiminuten für Carsharing und Elektro-Roller. Also weg von Besitz, hin zu flexibler Nutzung von Bim, U-Bahn, Scooter und Auto.

Auf diesen Trend ist das Wiener Start-up GoUrban aufgesprungen. Das Start-up entwickelt die Software, um all die verschiedenen Mobilitätsarten in einer App zusammenzubringen. Mit Erfolg. Wie GoUrban bekannt gab, investieren die Risikokapitalfonds der Raiffeisen Bank International (Elevator Ventures) und des Versicherungskonzerns Uniqa (Ventures) sowie dem AWS Gründerfonds einen mehrstelligen Millionenbetrag. Das Budget von GoUrban steigt damit schlagartig auf über 10 Millionen Euro für dieses Jahr.

Fuhrparks für Privatpersonen

"Kein Unternehmen kann es sich leisten, seinen Fuhrpark die meiste Zeit herumstehen zu lassen", sagt Gründer Jonathan Gleixner. "Wir bieten die Technologie an, dass Unternehmen ihre Fuhrparks teilen können." Für Familien, die in den Urlaub fahren wollen, für die gemeinsame Vernetzung der Fuhrparks von Unternehmen in Industriezonen. "Das eigene Auto ist in Städten mehr eine Last als ein Gewinn", sagt er. "Immer mehr Städter wollen daher das Auto abgeben, wenn sie es nicht mehr brauchen."

- © GoUrban
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Gleixner und sein Partner Bojan Jukic gründeten GoUrban vor sechs Jahren. Es dauerte nicht lange, bis sie die Gewohnheiten auf der Straße gehörig durcheinanderbrachten. Mit einem Budget von 200.000 Euro investierten sie in 50 elektrische Mopeds, die über eine App gefunden und ausgeborgt werden konnten. Auch das Fahrgefühl war neu, durch den Elektroantrieb fuhren die Mopeds geräuschlos.

Wenig später griff der Automobilclub ÖAMTC die Idee auf und stellte ebenso E-Mopeds auf die Straße, die noch heute genutzt werden können. Vom Budget des ÖAMTC konnten die Start-up-Gründer aber nur träumen. "Wir hatten keine Bank im Hintergrund", erzählt Gleixner. "Dafür aber viele Angebote für unsere Software."

Das Ende der billigen Energie aus Russland

GoUrban verkaufte die Mopeds und wurde zur digitalen Mobilitätsplattform mit Unternehmenssitzen in Wien und Novi Sad in Serbien. "Wir ermöglichen das Vernetzen der Fahrzeuge, die Verwaltung der Nutzer und die Überwachung der Flotte." Heute ist das Start-up in über 100 Städten aktiv und vernetzt mehr als 30.000 Fahrzeuge. Mit dem Millionen-Investment soll nun die Mitarbeiteranzahl von 50 auf 150 ausgebaut werden.

Die derzeitige Krise wird die Mobilitätswende beschleunigen, sagt Gleixner. Bisher baute die europäische Autoindustrie auf drei Säulen auf: Billige Energie aus Russland, US-amerikanische Gesellschafter, China als größter Absatzmarkt. Drei Säulen, die nun auseinanderfallen. "Die Autoindustrie muss sich jetzt neu erfinden", sagt Gleixner. Der Besitz des Autos wird künftig weniger wichtig sein.

Die beiden Gründer Gleixner und Jukic. - © GoUrban
Die beiden Gründer Gleixner und Jukic. - © GoUrban

Die Investoren sind überzeugt von der Plattform: "GoUrban ist Vorreiter einer Verkehrswende mit einer Verbesserung unserer Lebensräume", sagt Christoph Haimberger, Geschäftsführer von AWS Gründerfonds. "Es ist ein globaler Mobilitätstrend, der Europa verändert und von GoUrban frühzeitig erkannt wurde."

Auch für Thomas Muchar, Managing Director von Elevator Ventures steht die Mobilitätswende im Vordergrund: "Wir wollen mit unserem Investment einen Beitrag zur Reduktion des Verkehrsaufkommens in den Städten leisten."