Die Gaspreisentwicklung der vergangenen zwei Jahre gleicht einem Hockeyschläger (siehe Grafik). Ein leichter Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie 2020; und dann, ab 2021 - wumm - geht es steil bergauf. Wir zahlen derzeit fast 140 Euro für eine Megawattstunde Gas. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal 20 Euro. Der steigende Gaspreis befeuert den Strompreis und die Inflation.


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Auf einen vierköpfigen Haushalt mit Gasheizung in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung kommen jährliche Mehrkosten von 3.000 bis 4.000 Euro bei der Gasrechnung zu. Eine aktuelle Analyse des Fiskalrates zeigt zudem, dass bereits jetzt bei einem Drittel der österreichischen Haushalte die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Was tun also, um die Inflation in den Griff zu bekommen und dem steigenden Gaspreis Einhalt zu gewähren?

Krise trifft ganz Europa

Die aktuelle Krise trifft alle europäischen Haushalte gleichermaßen und die Ursache dafür ist dieselbe: Russland setzt im Zuge seines Angriffskriegs gegen die Ukraine und als Vergeltung für die westlichen Sanktion Gas als geopolitische Waffe ein und dreht den Gashahn weiter zu. Deutschland bekommt derzeit zum Beispiel um 60 Prozent weniger Gas als im Vorjahreszeitraum. Und weil Gazprom ein gewichtiger Player am europäischen Energiemarkt ist, führt die Verknappung zu massiven Preissteigerungen.

Während Ursache und Wirkung EU-weit ähnlich sind, gleichen die Maßnahmen, die die einzelnen Länder gegen die Teuerung ergreifen, einem Fleckerlteppich. Österreich und Deutschland greifen mit Milliarden schweren Teuerungspaketen ihren Bürgern unter die Arme. Spanien und Portugal haben einen befristeten Gaspreisdeckel beim Strom eingeführt. In Slowenien und Ungarn gibt es einen Spritpreisdeckel. All diese Maßnahmen lindern natürlich den Druck auf die Bevölkerung, die Inflation steigt aber überall gleichermaßen weiter.

EU-weiter Deckel

Deshalb fordert zum Beispiel Italiens Regierungschef Mario Draghi eine EU-weite, gemeinsame Gasspeicherstrategie und einen EU-weiten Gaspreisdeckel. Für Letzteres sprach sich kürzlich auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr im "Kurier" aus und brachte eine Art "Nachfragekartell" ins Spiel. Die EU kauft Gas gemeinsam ein und legt einen Höchstpreis pro Megawattstunde fest.

Der gemeinsamen Beschaffung von Gas kann auch Harald Oberhofer, Ökonom an der Wirtschaftsuniversität Wien, einiges abgewinnen. "Die EU sollte jedenfalls in der Gasfrage als Einheit auftreten", meint er. Ähnlich der Impfstoffbeschaffung während der Corona-Pandemie, könnte man mit einer gemeinsamen Beschaffungs- und Speicherstrategie über die Menge und die eigene Marktmacht den Preis bei den Anbietern drücken. Auf diese Art werden auch nicht einzelne EU-Länder preislich gegeneinander ausgespielt.

Beim Gaspreisdeckel ist er skeptischer. "Wir übertrumpfen uns aktuell mit Vorschlägen, wie man den Markt ausschalten kann", meint Oberhofer. Wenn Deckel, mache das nur auf EU-Ebene Sinn, sind sich er und Wifo-Ökonomin Claudia Kettner-Marx einig. "Es geht jetzt in erster Linie darum, effizient und sparsam mit knappen Energieressourcen umzugehen", meint Kettner-Marx. Man müsse aufpassen, durch die Deckelung keine falschen Effekte zu setzen und Gas künstlich billig zu halten, was den Verbrauch erhöht und den Ausstieg aus russischem Gas verzögern kann.

Wichtig wäre eine treffsichere Entlastung bei Haushalten mit geringem Einkommen. Statt eines allgemeinen Deckels spricht sie sich für eine Art Obergrenze beim Deckel aus. Der gedeckelte Gaspreis gilt nur für eine bestimmte Verbrauchsmenge, die sich am Durchschnittsverbrauch eines Durchschnittshaushaltes orientiert. Wer mehr Gas konsumiert, profitiert nicht mehr vom Deckel. Das wäre auch treffsicherer. "Noch besser wäre vielleicht ein Deckel bis zum Durchschnittsverbrauch minus fünf Prozent", sagt Oberhofer. Damit sei auch ein Anreiz gegeben, Gas zu sparen.