Ende Juni wurde von den EU-Umweltministern unter großer Medienaufmerksamkeit das Aus für den Verkauf neuer Autos mit klassischen Verbrenner-Motoren bis zum Jahr 2035 beschlossen. Ein Hintertürchen ließ man sich dabei jedoch offen: E-Fuels sollten nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Das erregte viel Kritik, sorgte aber dafür, dass überhaupt eine Einigung getroffen werden konnte.

Die E-Gretchen-Fragen

Was sind diese E-Fuels oder synthetischen Kraftstoffen eigentlich? Der Elektro-Sprit wird aus Strom, Wasser und CO2 hergestellt. Genau beim E für Elektrizität stellt sich in Sachen E-Fuels allerdings eine Gretchenfrage, die entscheidet, ob sie tatsächlich nachhaltig sind.

Voraussetzung ist jedenfalls, dass bei der Erzeugung nur Strom aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz kommt. Nur dann sondern E-Fuels nämlich nicht mehr CO2 in die Atmosphäre ab, als sie zuvor von dort entnommen haben. - Und nur dann können Motoren mit ihnen auch klimaneutral betrieben werden.

Nicht genug grüner Strom in Europa

Die Crux liegt allerdings darin, dass, um den gesamten aktuellen Verkehr mit E-Fuels aus nachhaltigen Stromquellen zu betreiben, weder in Österreich noch in ganz Europa genug erneuerbarer Strom zur Verfügung steht, da Wind und Sonne in entsprechendem Ausmaß nicht vorhanden sind.

"Es gibt allerdings Länder, wo bessere Produktionsbedingungen herrschen, mir fallen da auf Anhieb 30 ein, von Australien über Südamerika bis Afrika. Wir werden auch in Zukunft in Europa nicht um Importe herumkommen. Aber davon war ja bei E-Fuels auch nie die Rede, das ist ein Missverständnis!", erklärt Stephan Schwarzer, Geschäftsführer des Interessensverbandes "eFuel-Alliance Österreich", auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".

Ähnlich äußert sich der Cheftechniker des Automobilclubs ÖAMTC, Thomas Hametner: "Grünen Strom gibt es in Europa für E-Fuels nicht genug, was wir haben, brauchen wir für die Industrie. E-Fuels aus Ländern außerhalb Europas zu importieren macht Sinn." Man müsse sich von der Idee verabschieden, dass Europa jemals energieautark sein könne, kommentiert er.

E-Sprit aus der Wüste

Beide Experten sind sich einig, dass europäische Unterstützung für E-Fuel-Projekte - etwa im globalen Süden - eine Win-win-Situation wären. Mehr Wohlstand für Länder, wo in Wüsten fast immer die Sonne scheint oder in Küstenregionen viel Wind bläst, und im Gegenzug sauberer Sprit für den europäischen Kontinent.

Projekte gäbe es bereits genug, viele seien auch schon in Planung, manche bereits in Umsetzung, weiß Schwarzer aus seinen Recherchen. "Da geht derzeit die Post ab!" Es fehle jedoch eine schnelle politische Weichenstellung, damit diese Projekte auch zeitnah umgesetzt werden können und Europa seine E-Fuels so schnell wie möglich bekommt.

Nachhaltige Transportwege

Ein weiteres Puzzlesteinchen beim nachhaltigen Sprit, sind auch die Transportwege, insbesondere, wenn man E-Fuels aus fernen Ländern nach Europa importiert. "Dann muss eben auch das Schiff mit E-Fuels fahren", so Hametner vom ÖAMTC trocken.

In synthetischen Kraftstoffen sieht er, entgegen jüngsten Statements von Umweltorganisationen, durchaus eine saubere Sprit-Alternative: "Sie verursachen weniger Verunreinigungen, weil sie weniger Partikel absondern."

E-Fuels für Verbrenner von heute

Ein weiterer Vorteil sei, dass E-Fuels in derzeit gängigen Verbrennermotoren problemlos einsetzbar sind und mit der aktuellen Infrastruktur einfach zu den Konsumenten gelangen.

"Es gibt derzeit fünf Millionen Kraftfahrzeuge in Österreich, die Automobilhersteller erzeugen nach wie Verbrennermotoren. Einen Großteil davon wird es auch nach 2035 noch geben. Damit diese sauber weiterfahren können und die Menschen sich den Übergang auch leisten können, sind E-Fuels eine gute Lösung", so Schwarzer. Als reine Übergangstechnologie will er E-Fuels nicht klassifizieren. Für Flugzeuge und Schiffe seien E-Fuels ohnehin langfristig interessant.

Schwarzer weist zudem darauf hin, dass man sich bei E-Motoren der Abhängigkeiten bewusst sein müsse. Immerhin habe sich China hier einen Großteil der dafür nötigen Rohstoffe gesichert.

Noch ein Detail zum Abschluss: In Sachen Energieeffizienz kann ein mit E-Fuel betriebener Pkw übrigens nicht mit einem E-Auto mithalten (siehe Grafik!). Daher glaubt auch der Chef der E-Fuel-Allianz, dass sich Elektromobilität in unseren Breiten - langfristig - durchsetzen werde.

ÖAMTC-Experte Hametner ergänzt, dass Europa trotz allem ein gewaltiges Energieproblem hat. Allein Österreich bräuchte über 1.000 zusätzliche Windräder und bis zu 100 Quadratkilometer Fläche mehr für Photovoltaik, um wie geplant ein Viertel des selbsterzeugten Stromes nachhaltig erzeugen zu können. - Das könnte auch die E-Autos ausbremsen.