Seit zwei Jahren reisen wir mit der Pandemie im Gepäck. Auch die Versicherer haben sich daran angepasst. Corona ist sowohl in Kreditkarten-Reiseversicherungen inkludiert wie auch bei den speziellen Reiseversicherungen. Aber es sind die Details, die Lücken im Versicherungsschutz, die im Fall des Falles teuer werden können.

Angenommen, Familie X verreist heuer mit dem Flugzeug in den Mittelmeerraum. Die Pauschalreise kostet rund 3.500 Euro. Mit der Kreditkarte fühlt man sich ausreichend geschützt vor allerlei Unbill, von spontaner Erkrankung vor Reiseantritt und damit Storno bis Krankheit am Urlaubsort sowie vor Turbulenzen am Flughafen, verbunden mit dem Verlust des Reisegepäcks.

Aber so einfach ist es dann doch nicht. Es empfiehlt sich, zunächst den individuellen Kreditkarten-Vertrag, den man entweder mit der Hausbank oder dem Kreditkarten-Unternehmen direkt abgeschlossen hat, aufmerksam zu lesen. Ist eine Reiseversicherung inkludiert, wird darin genau aufgelistet, was, wer und wie hoch in welchem Fall versichert ist.

Kreditkartenschutz: Von Selbstbehalt bis Preisdeckel

Interessant ist zunächst der Selbstbehalt, der zwischen zehn und zwanzig Prozent des gesamten Reisepreises liegt. Er hängt davon ab, ob die Reise mit der Kreditkarte bezahlt wurde. Außerdem gibt es ein Limit, für wie viel die Kreditkartenversicherung, etwa im Stornofall, einspringt, üblicherweise zwischen 2.500 und 3.000 Euro.

Im Notfall würde Familie X bei einem Storno somit den Selbstbehalt plus den Rest der Reisekosten, die über dem Limit der Kreditkartenversicherung liegen, bezahlen müssen.

Im Krankheitsfall ist oft nur der Karteninhaber versichert, nicht jedoch die mitreisenden Angehörigen, auch hier gibt es Deckungsgrenzen.

Reiseveranstalter wiederum locken mit Paketen, die - teils gegen Aufpreis, teils inkludiert - angeboten werden. Dabei gibt es allerdings teure Lücken. Da verspricht man flexible Umbuchungen - allerdings bis maximal zwei Wochen vor Reiseantritt, was im akuten Krankheitsfall wenig hilft.

Andere Veranstalter versichern die Folgen einer Erkrankung am Urlaubsort, also etwa Flug-Umbuchungen oder Quartier-Verlängerungen wegen Quarantäne. Das hilft jedoch nicht bei spontanem Storno vor Reiseantritt und auch nicht, wenn ein teurer Krankenrücktransport notwendig wird.

Also doch eine eigene Reiseversicherung abschließen? Bei speziellen Reiseversicherungen ist das Spiel zwar ein anderes, allerdings auch kein billiges. So bietet womöglich eine Versicherung den klassischen Reiseversicherungsschutz inklusive Krankenversicherung oder den reinen Stornoschutz an, für Corona muss aber pro Person und Reisetag aufgezahlt werden.

Reiseversicherungen so gefragt wie nie zuvor

Wir haben beim heimischen Marktführer, der Europäischen Reiseversicherung, nachgefragt. Versicherungsvorstand Andreas Sturmlechner bestätigt: "Tatsächlich es relativ teuer, zwischen sieben und acht Prozent des gesamten Reisepreises fallen etwa für eine Stornoversicherung an."

Dennoch kann sich die Europäische nicht über zu wenig Interesse beklagen. Die Reisebuchungen liegen heuer auf Vor-Corona-Niveau, gleichzeitig werden so viele Reiseversicherungen abgeschlossen wie nie zuvor, erzählt Sturmlechner.

Ob man angesichts der stark steigenden Infektionszahlen bereits die Tarife angehoben hat? "Nein, wir kalkulieren zwei Jahre im Voraus, rechnen mit langjährigen Schadenssätzen. Plötzlich steigende Ansteckungszahlen, Mutationen und Lockdowns können wir nicht berücksichtigen."

Derzeit werden allerdings nicht nur mehr Reiseversicherungen als je zuvor abgeschlossen, es kommt auch zu mehr Schadensfällen, erzählt er. Das sei nicht nur auf Corona zurückzuführen, Turbulenzen auf den Flughäfen und Gepäcksverlust sowie andere Erkrankungen schlagen hier durch. "Würden wir pessimistischer kalkulieren und alles einberechnen, wäre eine Reiseversicherung so teuer, das würde keiner mehr abschließen." Ob sich der heurige Sommer für den Versicherer auszahlt, ist daher noch unklar. Die Hauptreisezeit hat gerade erst begonnen, abgerechnet wird im Herbst.

Wie man die Lücken kostengünstig schließt

Um die Lücken zwischen Kreditkarten-Reiseversicherung und den tatsächlichen Reisekosten zu schließen, gibt es übrigens die Möglichkeit, nur den Restbetrag, der offenbleibt, samt Selbstbehalt mit einer eigenen Reiseversicherung abzudecken.

Wer keine Kreditkarte mit Reiseschutz hat, könnte sich zudem den ÖAMTC-Schutzbrief ansehen, der im Krankheitsfall einspringt und auch Rücktransporte inkludiert. Außerdem sei es günstiger, eine Reiseversicherung für alle Reisen innerhalb eines Jahres abzuschließen als für nur eine, gibt Sturmlechner zu bedenken.