Steigen die Marktpreise für Gas und Strom, verdienen Energiekonzerne mehr. Sind diese zudem im Eigentum von Bund und Ländern, bekommen diese via Dividende ein erhebliches Stück vom Kuchen.

Angesichts der Diskussion um Gewinnabschöpfungen im Zuge der überbordenden Strom- und Gaspreise versuchen sich OMV und Verbund einen Spielraum für die Investitionen in die Energie-Zukunft zu sichern. Immerhin stehen für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger milliardenschwere Investitionen an, Netze und Speicher müssen aufgerüstet werden. All das muss auch noch im europäischen Konzert der Energiesysteme synchronisiert werden.

OMV: Sparen reduziert Kosten und Abhängigkeiten

Die OMV verdoppelte ihren Gewinn vor Sondereffekten im ersten Halbjahr 2022 auf knapp 5,6 Milliarden Euro, der Umsatz stieg ebenfalls um das Doppelte auf 30,6 Milliarden Euro. Der Öl- und Gasbereich hat am meisten zum guten Ergebnis beigetragen, aber auch das Raffineriegeschäft, trotz Ausfalls der Raffinerie in Schwechat, sowie der Chemie- und Materialbereich.

Die OMV gehört zu einem Drittel der Republik. Den Ruf nach einer Verstaatlichung, wie es die SPÖ angesichts steigender Energiekosten und Gewinne des Konzerns forderte, kommentierte der OMV-Vorstand bei der Präsentation der Halbjahres-Bilanz am Donnerstag nicht weiter. Zum Thema Sonderdividende sagte Finanzchef Reinhard Florey: "Die Debatte steht nicht aktiv im Raum. Wir verwenden die Mittel, um zur Versorgungssicherheit beizutragen." Demzufolge erhöhte die OMV im zweiten Quartal das Umlaufkapital auf 1,9 Milliarden Euro für die Einspeicherung von Gas.

Derzeit hat die OMV Gas im Wert von 1,5 Milliarden Euro eingespeichert, die eigenen Gasspeicher - die immerhin ein Viertel der österreichischen Speicher ausmachen - sind laut Vorstandsvorsitzenden Alfred Stern zu 80 Prozent gefüllt. Für das kommende Gasjahr (Oktober bis September) habe man Transportkapazitäten im Ausmaß von 40 Terawattstunden (TWh) gesichert, sagte Stern. Damit erfülle man alle Lieferverpflichtungen. Gas aus Russland fließt derzeit reduziert, nämlich 40 Prozent der sonst gelieferten Menge - nach Deutschland sind es sogar nur 20 Prozent.

Der Energiekonzern kann auf Gas aus eigener Herstellung in Österreich und aus Beteiligungen an Gasfeldern in Norwegen zurückgreifen. Außerdem gibt es Lieferverträge mit der norwegischen Equinor sowie Kapazitäten am Flüssiggas-Terminal in Rotterdam und einen Vertrag mit Katar. Die OMV will auch neun TWh aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Dazu starten laut Stern Probebohungen im Bereich Geothermie.

Stern verwies in der Pressekonferenz "trotz aller Erfolge" auf den Ernst der Lage infolge des russischen Kriegs in der Ukraine und rief dazu auf, Energie und Gas zu sparen. "Sparen reduziert nicht nur die Abhängigkeit, sondern auch Kosten", so Stern.

Verbund: Sonderdividende und Milliardeninvestments

Gestiegene Strompreise am Weltmarkt haben auch dem österreichischen Energieversorger Verbund eine glänzende Halbjahresbilanz beschert. Bis Juni steigerte das Unternehmen seinen Nettogewinn um 151,8 Prozent auf 817,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte um 110,5 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro, teilte der Verbund am Donnerstag mit. Im Gesamtjahr 2022 soll der Nettogewinn 1,68 bis 1,03 Milliarden Euro erreichen.

Begehrlichkeiten in Richtung einer Gewinnabschöpfung durch die öffentliche Hand wehrt der Verbund mit dem Vorschlag für eine Sonderdividende in Höhe von 400 Millionen Euro ab. Immerhin ist die Republik Österreich zu 51 Prozent am Energiekonzern beteiligt. 1,2 Milliarden Euro wird das Unternehmen voraussichtlich als Dividende ausschütten, damit gehen 600 Millionen Euro davon an die Mehrheitseigentümerin. Hinzu kommen noch Steuern, was letztlich einen Betrag von einer Milliarde Euro für die Republik Österreich ausmacht, rechnet Finanzvorstand Peter F. Kollmann auf Nachfrage vor. Weitere 20 Prozent am Verbund halten übrigens die Landes-Energieunternehmen EVN, Wiener Stadtwerke und TIWAG.

Milliardeninvestitionen in Erneuerbare Energien

Außerdem betont man die Notwendigkeit von steigenden Investitionen bis 2024 in nachhaltige Energien: 3,1 Milliarden Euro will der Verbund investieren. Davon sollen rund 1,3 Millionen Euro ins Stromnetz fließen, um dieses fit für die Einspeisung von immer mehr erneuerbaren Energien zu machen. Eine weitere runde Milliarde Euro sollen in Erhalt und Ausbau der Wasserkraftwerke fließen. Wobei diese angesichts des grassierenden Wassermangels in ihrem Ertrag nachlassen. Wasserkraft sei nach wie vor das Rückgrat der österreichischen Stromversorgung, betont Finanzvorstand Kollmann. Mit Investitionen in Windkraft und Photovoltaik sollen die nachlassenden Stromerträge hier künftig ausgeglichen werden. 550 Millionen Euro will man daher in den nächsten zwei Jahren in diese stecken. Auch fossile Energien werde man noch länger brauchen, um etwa im Winter fehlende Mengen ausbalancieren zu können.

Um die Strompreise für alle Konsumenten zu entschärfen, spricht sich Verbund-Chef Michael Strugl für ein Ende der sogenannten "Merit Order" aus. Eine Entkopplung von Strom- und Gaspreis hält er für eine sinnvolle Maßnahme. Sie könne allerdings nur im "europäischen Gleichklang" umgesetzt werden, sei der Strommarkt auf dem Kontinent doch engmaschig vernetzt.

Staatliche Eingriffe in die Energiemarktpreise hält Strugl hingegen für "sehr kritisch", obwohl sie kurzfristig angesichts der sozialen Auswirkungen auch für ihn kaum vermeidbar scheinen. Am ehesten kann er sich noch mit einem preislich abgefederten Energie-Grundbedarf anfreunden.