Die positive Entwicklung am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich im Juli trotz des Ukraine-Kriegs und der Rekordteuerung fortgesetzt. Ende des Monats waren 296.647 Personen beim AMS arbeitslos oder in Schulung gemeldet, um 47.292 Personen weniger als im Vorjahresmonat, teilte das Arbeitsministerium am Montag mit. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,6 Prozent, der niedrigste Juli-Wert seit 2008. Weiter hoch ist allerdings die Zahl der offenen Stellen.

"Im langjährigen Vergleich erweist sich der Arbeitsmarkt als sehr robust", kommentierte Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) die aktuellen Arbeitsmarktdaten in einer Aussendung. Als stabil erwies sich die Entwicklung dabei auch im Vergleich zu Juni, als sich 298.402 Menschen und damit um 1.755 Personen mehr auf Jobsuche befanden. Der Beschäftigtenstand lag Ende Juli sogar erstmals bei beinahe 4 Mio. Personen.

Nach Bundesländern betrachtet gab es zum Vorjahr die größten Rückgange an Arbeitslosen in Tirol (-22,1 Prozent) sowie in Salzburg (-20,5 Prozent). Am geringsten fiel das Minus mit 11,7 Prozent in Wien aus, wo Ende des vergangenen Monats nach AMS-Daten 127.725 Menschen arbeitslos waren. Besonders deutlich gezeigt hat sich die Arbeitsmarkterholung österreichweit in der Gastronomie (-19,3 Prozent), der Warenproduktion (-17,4 Prozent), im Handel sowie im Verkehrswesen (jeweils -16,7 Prozent).

Auf hohem Niveau blieb mit 137.826 zugleich die Zahl der offenen Stellen, nach 141.139 sofort verfügbaren Jobs im Juni. Laut einer Erhebung des ÖVP-Wirtschaftsbundes sind es derzeit sogar 268.000 Stellen. "In Österreich mangelt es also definitiv nicht an Arbeitsmöglichkeiten, sondern an notwendigen Arbeitskräften", schlussfolgerte der Generalsekretär des Wirtschaftbunds, Kurt Egger.

Immer mehr zur Randerscheinung am Arbeitsmarkt wird indes die Kurzarbeit, zu der Ende Juli nur noch 6.381 Personen vorangemeldet waren. Das sind um 18.055 Menschen weniger als im Juni. Grund dafür sei die zuletzt gestartete neue Phase, die restriktivere Antragsvoraussetzungen mit sich gebracht habe, so Kocher.

Überhaupt ist von den Corona-Effekten am Arbeitsmarkt nur mehr wenig zu bemerken. Die Zahl der Arbeitslosen lag im Juli deutlich unter den entsprechenden Monatswerten der Jahre 2020 und 2021.

In den kommenden Monaten könnte sich die Lage jedoch verschlechtern. Es sei davon auszugehen, dass "der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die dadurch ausgelösten wirtschaftlichen Verwerfungen den Arbeitsmarkt in zunehmendem Ausmaß negativ betreffen", sagte Kocher. "Fast scheint es, als wollte Österreich noch einen besonderen Rekord brechen, bevor ein angekündigtes Ende des Wirtschaftsbooms die so erfreuliche Entwicklung bremsen wird", meinte auch AMS-Chef Johannes Kopf. (apa)