Im ersten Pandemiejahr 2020 sahen sich junge Studierende mit einer angespannten Arbeitsmarktsituation konfrontiert. Viele klassische Sommer- und Nebenjobs in Tourismus und Gastronomie brachen aufgrund des Lockdowns weg. Im Juni 2020 waren nach Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) 45.317 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos. Mittlerweile scheint sich die prekäre Situation vergleichsweise entspannt zu haben. Im Juni dieses Jahres lag die Zahl der nicht erwerbstätigen unter 25-Jährigen bei 21.413. Im Vergleich zum Jahr 2020 ein Rückgang von rund 53 Prozent.

Im kommenden Wintersemester könnten Studierende aber wegen der extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten erneut in eine brenzlige Lage geraten. In welcher Stimmungslage befinden sich junge Erwachsene nun? Liegt der Fokus in einem Sommer (fast) ohne einschränkende Corona-Maßnahmen auf dem Urlauben, Reisen und Entspannen oder versuchen sich Studierende mit Sommerjobs finanziell für die Rückkehr in den Studienalltag zu wappnen?

Studierende haben eine 47-Stunden-Woche

Tobias (24) studiert Politikwissenschaft im Master und hat in den letzten Jahren immer einen Sommerjob gehabt. In seinem Umfeld gehen heuer während der vorlesungsfreien Zeit jedoch weniger Leute einer Beschäftigung nach. Für die "Generation Z" stehe die Arbeit in der Prioritätenliste nicht mehr ganz oben, meint Tobias. Seiner Meinung nach sei die Work-Life-Balance - ein Einklang zwischen Arbeits- und Privatleben - auch schon bei Sommerjobs relevant.

Von "arbeitsscheuen" Studierenden kann im Allgemeinen übrigens nicht gesprochen werden, wie Daten der im vergangenen Jahr erschienen "Eurostudent"-Studie zeigen.

In Europa gehen fast 80 Prozent der Studierenden einer bezahlten Arbeit nach. 58 Prozent der Studierenden aus Österreich arbeiten sowohl während des Semesters als auch während der vorlesungsfreien Zeit. Im Durchschnitt wenden Europas Studierende für studienbezogene Aktivitäten und bezahlte Arbeit pro Woche 47 Stunden auf. In Österreich werden Vorlesungen oder Seminare wöchentlich für 12 Stunden verfolgt, 19 Stunden werden dem Lernen gewidmet und 13 Stunden fließen in einen bezahlten Job.

Der letzte Sommer zum Genießen?

Häufig stehen Studierende allerdings vor dem Dilemma, sich zwischen Arbeit und Studium entscheiden zu müssen. Julia (20) studiert Rechtswissenschaften und hatte im vergangenen Jahr zwei Sommerjobs, die sich zeitlich schwer mit den Prüfungen im Herbst vereinbaren ließen. Die Hälfte der europäischen Studierenden hat in dieser Hinsicht allerdings keine Wahl und könnte sich das Studium ohne bezahlte Arbeit nicht leisten, wie aus den Eurostudent-Daten hervorgeht.

Lukas (23) steht kurz vor dem Abschluss des Bachelors in Journalismus und PR und beobachtet, dass manche seiner Studienkollegen nach dem Hochschulabschluss sofort in das Berufsleben starten. Andere wiederum versuchen, die freie Zeit im Sommer nochmals voll auszukosten.

Vielleicht sei dieser Sommer auch einer der letzten, den junge Erwachsene genießen können, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen rund um Pandemie, Krieg und Klimakrise anschaut, mutmaßt Tobias.

Bei Lukas und seinem Umfeld sei es jedenfalls immer schon so gewesen, dass Praktika absolviert wurden, die noch einen gewissen Freiraum ließen. Das zeigt auch eine in diesem Jahr erschienene Studie von Deloitte, die sich mit den Wünschen und Bedürfnissen der Generation Z auseinandersetzte. Dafür wurden junge Erwachsene, die zwischen 1995 und 2003 geboren wurden, befragt. Eine klare Definition, welche Geburtsjahre in die "Gen Z" fallen, gibt es nicht.

29 Prozent der 500 Befragten aus Österreich gaben eine gute Work-Life-Balance als einen der Hauptgründe an, weswegen sie sich entscheiden, für ein Unternehmen zu arbeiten. Immer mehr junge Menschen bevorzugen zudem eine hybride Arbeitsform. 63 Prozent äußerten den Wunsch, eine Hälfte der Arbeitszeit als Fernarbeit und die andere Hälfte vor Ort zu verrichten.

Die Teuerung als Herausforderung

Wie bereiten sich Studierende nun auf die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten im anstehenden Wintersemester vor? Philipp (22) studiert Theologie und richtet den Blick mit seinem zweimonatigen Sommerjob bereits auf den Herbst. "Die Freizeit ist momentan nicht so wichtig."

Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) nimmt jedenfalls bereits finanzielle Engpässe wahr. So werden die Fördertöpfe aktuell stark nachgefragt. "Auffällig ist dabei vor allem, dass Gründe für die Anfragen häufiger laufende Kosten wie Miete oder Energiekosten sind, früher waren das eher einmalige Anschaffungen wie Laptops", so ÖH-Pressesprecher Paul Benteler.

Abhilfe soll auch die Studienbeihilfe schaffen, die per 1. September um bis zu 12 Prozent erhöht wird. Laut Benteler sei erfreulich, dass mit dem Anti-Teuerungspaket jetzt eine automatische Inflationsanpassung der Studienbeihilfe komme.

Für Tobias ist die Beihilfen-Erhöhung alleine zu wenig: "Die Studierenden haben sich bereits während der Corona-Pandemie vergessen gefühlt und werden auch bei der Teuerung vergessen."