Weniger Pakete, weniger Umsatz, weniger Online-Shops: Auch der Online-Handel bekommt die zunehmend schlechte Stimmung zu spüren. Laut Statistik Austria gingen die Umsätze im Online-Handel im zweiten Quartal 2022 um 4,8 Prozent zurück, die Handelsumsätze gesamt um 3,3 Prozent.

Die Flaute ist aber bei weitem nicht so schlimm, wie sie sich darstellt, denn in den vergangenen Jahren ging es dem Online-Handel durchaus gut - für österreichische Verhältnisse, wo der stationäre Handel noch immer stark ist, sogar prächtig. Als Katalysator wirkte die Corona-Pandemie, die den Trend zu Online-Einkäufen noch verstärkte.

Einer, der den Online-Handel von Grund auf kennt, ist Roland Fink. Der Gründer und Geschäftsführer von Niceshops eröffnete 2006 seinen ersten Online-Shop. Damals handelte er mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Logistikzentrale war sein Keller. 2010 gründete er Niceshops. Das Unternehmen wuchs in den vergangenen Jahren zu einem Online-Dienstleister mit etwas mehr als 500 Mitarbeitern in der Südoststeiermark. Niceshops betreibt in ganz Europa 40 unterschiedliche Shop-Brands (international mehr als 400 Online-Shops) in 16 Sprachen, in unterschiedlichen Nischen, etwa Delikatessen, Kosmetik oder E-Bikes. Die Niceshops GmbH wickelt zudem für Industriekunden die Logistik, den Kundensupport und die Internationalisierung ab.

Die Krisen seien auch für Niceshops eine Herausforderung, sagt Fink. "Das Schlimme für jeden Unternehmer ist die Unplanbarkeit." Der Krieg in der Ukraine, Rezessionsängste und die hohen Energiepreise führten dazu, dass die Konsumenten weniger einkaufen, vor allem im höheren Preissegment, so Fink. Die Preissteigerungen seien noch nicht angekommen, sagt er, "das wird noch spannend."

Die Logistikkosten werden auch für Fink steigen, die Energiekosten bereiten ihm weniger Sorgen. Denn ein Drittel seines Stroms bezieht das Unternehmen von den hauseigenen Photovoltaik-Anlagen, geheizt wird mit der Abwärme vom benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb. Als der Betrieb 2016 in Saaz auf die Grüne Wiese gestellt wurde, "wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, eine Gasleitung dorthin zu legen", erzählt Fink.

Herausforderung Logistik

Die Logistik, beziehungsweise das Warenlager, sind bei Niceshops weitgehend automatisiert: Hier berechnet Software im Voraus, wie das Warenlager bestückt werden muss. Dementsprechend begann das Einlagern von Waren bei Niceshops schon vor zwei Jahren und nicht erst seit der Blockade der Containerschifffahrt aufgrund der jüngsten Lockdowns in China. Es verlagere sich als Reaktion aber zunehmend die Produktion nach Europa, bestätigt Fink, auch in seinen Firmen. So werden die E-Bikes jetzt schon in der Steiermark zusammengebaut.

Wie will nun Niceshops die Krise meistern? "So wie alle Händler müssen auch wir auf die Kosten schauen - mit weniger Kosten effizienter werden," sagt Fink. Einfach die Preise zu erhöhen werde nicht ausreichen und auch nicht in allen Segmenten machbar sein. "Dass der Online-Handel jetzt unter Druck ist, nach zwei massiv starken Jahren, ist zu relativieren. Der Trend in Richtung Online-Handel wird nicht aufhören. Die Menschen sind bequem. Im Internet einkaufen und zugestellt bekommen - das wird sich nicht ändern. Es wird mehr Druck für den stationären Handel entstehen", glaubt Fink.

Wachsender Markt

Die Zahlen geben ihm recht: 2021 kauften laut Statistik Austria 52,4 Prozent der in Österreich lebenden Menschen online ein, der EU-Schnitt beträgt knapp 57 Prozent. Das ist ein beachtlicher Anstieg im Vergleich zu den Anfängen des Online-Shoppings, wo nur 8 Prozent in Österreich online einkauften.

https://www.wienerzeitung.at/_wzo_daten/media/svg/September/20220927s09.svg style="display: block; z-index: 1;">
https://www.wienerzeitung.at/_wzo_daten/media/svg/September/20220927s09.svg style="z-index: -1; pointer-events: none;" type="image/svg+xml"> Ihr Browser kann derzeit leider keine SVG-Grafiken darstellen!

"Wir rechnen damit, dass wir heuer um nur 10 Prozent wachsen. Das muss man aber in dem Licht sehen, dass wir in den vergangenen Jahren durchschnittlich immer um 50 Prozent gewachsen sind", führt Fink aus.

Der Umsatz von Niceshops betrug im Vorjahr 150 Millionen Euro und macht es damit zu einem der größeren Online-Unternehmen in Österreich. "Wir sind sicher die Nummer 1 in der Südosteiermark", scherzt Fink.

Der Markt ist weitaus größer und hat noch viel Potenzial. Laut Erhebung der Statistik Austria belief sich das Umsatzvolumen aus E-Commerce-Verkäufen (an Geschäfts- und Privatkunden) im Jahr 2020 auf insgesamt rund 30,2 Milliarden Euro. Bei E-Commerce ist nicht nur von Verkäufen von Waren über Online-Shops die Rede, sondern beispielsweise auch von Buchungen und Aufträge über Online-Formulare oder Apps eines Unternehmens. Verglichen mit den Umsatzzahlen aus beispielsweise 2017, entspricht das einem Zuwachs von 50 Prozent in nur drei Jahren, ergab eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria.

Branchenübergreifend entfallen rund 5 Prozent des Gesamtumsatzes österreichischer Unternehmen auf den E-Commerce, wobei hier sowohl Verkäufe über den eigenen Webshop, als auch über Marktplätze gezählt werden. In Irland beispielsweise ist dieser Anteil deutlich höher und liegt bei 16 Prozent. Im E-Commerce sind etwa 122.000 Menschen direkt und indirekt beschäftigt, was 2,7 Prozent der Gesamtbeschäftigung in Österreich ausmacht.

Volkswirtschaftlicher Beitrag von E-Commerce

In Summe beläuft sich der volkswirtschaftliche Beitrag zur österreichischen Wirtschaftsleistung des Onlinehandels auf etwa 6,7 Milliarden Euro. Hiervon entfallen etwa 4,3 Milliarden Euro auf direkte Beiträge, also unmittelbar durch den E-Commerce erzeugte Wirtschaftsleistung, so Eco Austria. Darüber hinaus ergeben sich etwa 2,5 Milliarden Euro zusätzlich, vorwiegend durch Vorleistungen für den E-Commerce in Österreich, etwa Logistik, Marketing oder Kundenservice. In diesem Umfeld haben sich auch in Österreich zahlreiche Start-ups etabliert, die ihre Lösungen speziell auf den Online-Handel abgestimmt anbieten, von Website-Erstellung bis zu Performance-Optimierung von Webshops und Lagersoftware.

Dass sie sich alle auf schwierigere Zeiten einstellen müssen, zeigen auch die Umbrüche und der Stellenabbau bei globalen Größen wie Shopify, einem Anbieter von Webshop-Software, oder dem Bezahldienstleister Klarna. Laut Salesforce, einem Unternehmen, das Vertriebssoftware anbietet, ist der Digital Commerce im zweiten Quartal 2022 global um 6 Prozent zurückgegangen. Die Konsumenten gaben weniger aus, hier gab es ein Minus von 4 Prozent.