In der Bäckerei Mann in Wien-Liesing gärt nicht nur die Hefe, auch in Sachen Staatsunterstützung gegen die explodierenden Energie- und Rohstoffkosten für Unternehmen gärt es gewaltig. Die geplanten Hilfen der Regierung seien zu wenig, hieß es bei einem Pressetermin am Mittwoch vor Ort. "Ich bin nur ein Bäcker, aber ich muss meine Rechnungen bezahlen. Ich kann nicht kalt backen oder warm frieren", ist Michael Mann, Vertreter der fünften Generation der Bäckerdynastie, hörbar verzweifelt.

Im Jahr 2019 hat das familiengeführte Unternehmen noch 1,2 Millionen Euro für Energiekosten bezahlt, für 2023 rechnet Michael Mann mit 4,4 Millionen Euro. Hinzu kommen extrem gestiegene Rohstoffpreise: "Das Mehl kostete zuvor 200 Euro pro Tonne, jetzt sind es 400 Euro, Zucker kostet statt bislang 500 Euro jetzt 1.000 Euro pro Tonne und die Hefe ist um 50 Prozent teurer geworden", erklärt er die prekäre Lage. "Nur die Nüsse sind nicht teurer geworden; warum, weiß aber keiner."

"Corona war ein Lüfterl!"

Für die Produktionsstätte, die 2004 modernisiert und im Zuge dessen auf Gas umgestellt wurde, gibt es keine Energie-Alternativen. "Brenner und Öfen brauchen Gas, das geht nicht anders", sagt der Bäckereichef. Sein Dilemma: "Wir können die Kosten so nicht an die Kunden weitergeben. Da müssten wir die Preise für Brot und Gebäck um 100 Prozent erhöhen! Das einzige, was wir nun tun können, ist an den Rücklagen nagen, die wir in besseren Zeiten gebildet haben", sieht er keinen Ausweg.

Sein Vater und bekannt umtriebiger Seniorchef des Familienunternehmens ergänzt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Ab Jänner, vielleicht schon ab Dezember, werden wir nichts mehr verdienen. Corona war ein Lüfterl, der Tsunami kommt jetzt!" Beide betonen, dass auch die stark gestiegenen Personalkosten bei gleichzeitigem Personalmangel die Traditionsbäckerei noch zusätzlich belasten.

"Im Sommer bin ich selbst in der Produktion gestanden, Corona-Erkrankungen und Urlaubszeit bei ohnehin knapper Personalausstattung, das ist sich nicht mehr ausgegangen", erzählt Michael Mann. "Wir suchen händeringend nach Personal in allen Bereichen!" Schon derzeit arbeite man zusätzlich mit Mietpersonal. Auch Maschinenersatzteile seien derzeit aufgrund gestörter Lieferketten nur schwer und verspätet zu bekommen.

In der Brotfabrik in Liesing, besser gesagt im "maschinell unterstützten Handwerksbetrieb" - auf diese Bezeichnung besteht Michael Mann -, wird rund um die Uhr gearbeitet. Mann Brot betreibt 83 Filialen in Wien und Umgebung, beschäftigt 850 Mitarbeiter, davon den Großteil im Verkauf, und bietet 300 Produkte an. Der Jahresumsatz betrug zuletzt rund 60 Millionen Euro.

Effizienz am Limit

Stellschrauben, an denen man für mehr Effizienz noch drehen könnte, gibt es keine mehr, erklärt der Junior. "Wir verwenden die Wärme aus der Produktion für Warmwasser und Heizung. Überall, wo es geht, sind Wärmetauscher eingebaut." Mit ein paar Solarzellen auf dem Dach sei es halt auch nicht getan - Bäckereien brauchen mehr Energie als das, ergänzt der Senior. Die Lieferungen in die Geschäfte und Supermärkte werde man wohl von dreimal auf zweimal täglich reduzieren, überlegt Michael Mann laut. Und die 300 verschiedenen Produkte? "Das wird derzeit heftig diskutiert bei uns," so Michael Mann. Kleinere Brote für mehr Geld, das ist keine Lösung für ihn. "Dafür gab es früher Bäckerschupfen!"

Im Jänner hat die Bäckerei Mann die Preise um 10 Prozent erhöht, üblicherweise gibt hier nur einmal pro Jahr Veränderungen, aber: "Wir werden wohl im Oktober noch einmal erhöhen müssen." Immerhin verkauft das Familienunternehmen viel direkt, ist also weniger von den Supermärkten und deren Preisstrategie abhängig. "Neue Filialen werden wir aber sicher keine mehr eröffnen, nur wenn es ein besonders attraktiver Standort ist", erklärt der Chef die expansive Geschäftspolitik der vergangenen Jahre für beendet.

"Seit sechs Monaten haben wir eine Teuerungswelle, viele Betriebe sind am Limit ihrer Leistungsfähigkeit. Wir warten auf die Regierung, brauchen einen ordentlichen Energiepreisdeckel", bekommt Michael Mann dann noch Schützenhilfe vom Präsidenten des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands in Wien, Marcus Arige. Der Wirtschaftsstandort Österreich und viele Arbeitsplätze hängen insbesondere von den mittelständischen Betrieben ab, erklärt dieser und wirft der Regierung vor, zu wenig zu tun.

"Und jetzt kommt auch noch die CO2-Bepreisung, wir sind ja nicht dagegen, aber zu diesem Zeitpunkt macht es alles noch teurer." In Deutschland sei die Steuer auf Ende 2024 verschoben worden, führt er aus. Zudem fordert Arige Maßnahmen wie die Stützung von Brotpreisen - "Das ist immerhin ein Grundnahrungsmittel!" - und eine Preiskommission, um Spekulation bei Lebensmittelpreisen zu verhindern.