Wie kommt ein Leck in eine Gaspipeline? Diese Frage hat nach den jüngsten Meldungen, wonach in den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 vier Gaslecks entdeckt wurden, an Brisanz - und Berechtigung - gewonnen. Die Antwort ist so einfach wie kurz: In Österreich durch Umwelteinwirkung wohl kaum. Und Sabotage, wie es mutmaßlich im Fall der Ostsee-Pipelines passiert ist, schon gar nicht. "In Österreich ist Sabotage kein Thema", sagt Stefan Wagenhofer, Geschäftsführer von Österreichs Gasnetzbetreiber Gas Connect Austria (GCA).

Der Gastransport findet großteils unterirdisch, etwa ein Meter tief oder in bestimmten Lagen tiefer, statt. Nur in den Verdichtungs- und Verteilerstationen wie in Baumgarten sind Röhren oberirdisch zu sehen. Wo sie in der Landschaft verlaufen, darauf weist oberirdisch nur ein Marker mit gelbem Hütchen hin.

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In der Regel wissen die Grundbesitzer, unter deren Grund die Pipelines verlegt sind, dass dort grabungs- und bebauungsfreie Zone ist. Abgesehen von Hausbesuchen bei Grundbesitzern überwacht die GCA ihr 900 Kilometer langes Pipeline-Netz aus der Luft mit Helikoptern.

Pilotprojekt mit Drohnen

In Zukunft soll die Überwachung mittels Drohnen erfolgen. Die unbemannten Flugobjekte sind mit Kameras und Sensoren ausgestattet und sollen Veränderungen entlang des Netzes aufspüren. Die mittels künstlicher Intelligenz ausgewerteten und abgeglichenen Daten sollen auf Abweichungen hinweisen, auf die der Netzbetreiber möglichst rasch reagieren kann. Mitte der Woche stellten die Gas Connect Austria, das ausführende Technologieunternehmen Bladescape und die Luftfahrtbehörde Austro Control das Pilotprojekt in der Erdgasstation Baumgarten vor.

Mit den jüngsten Ereignissen in der Ostsee hat die Drohnen-Überwachung bei GCA freilich nichts zu tun, könnte aktueller jedoch nicht sein. Zumal diese Woche kolportiert wurde, dass der Unfall in der OMV-Raffinerie in Schwechat im Juni auch ein Sabotageakt gewesen sein könnte. Der Staatsschutz (DSN) entdeckte allerdings keine Hinweise darauf und ermittelt nicht, hieß es am Donnerstag. Das Projekt der GCA, das eine Kostenersparnis bringen soll, wurde jedenfalls bereits 2021 gestartet.

Unabhängig vom Lieferstopp durch Nord Stream 1, wird Österreich nach wie vor mit Erdgas beliefert. In Baumgarten kommen stündlich 1,5 Millionen Kubikmeter Erdgas an. Vor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine waren es laut Unternehmensangaben noch drei bis vier Millionen Kubikmeter, wobei nicht zwingend fehlendes russisches Gas als Ursache gesehen wird. Vielmehr gibt den Ausschlag, dass weniger Erdgas nach Italien geliefert wird, weil sich das Nachbarland zunehmend aus anderen Quellen mit Gas versorgt, Stichwort verflüssigtes Erdgas LNG.

Veränderte Gasflüsse

Die Gasflüsse nach Europa haben sich generell verschoben, von Ost nach West auf Nord und Süd Richtung EU. So kam vor einem Jahr noch mehr als ein Drittel des Gases aus Russland, jetzt sind es nur noch 9 Prozent. Dafür liefert Norwegen mehr Gas in die EU: Die Exporte stiegen um 30 Prozent im Vergleich zum Zeitraum 2016 bis 2020, wie der Think Tank Bruegel errechnete. Derzeit kommt russisches Erdgas laut Angaben der Plattform ENTSOG nur über zwei von vier Pipelines nach Europa, nämlich über Druschba und Turk Stream. Nach Österreich fließt es über die Slowakei und Ungarn.

Was der Gas Connect Austria, einer früheren OMV-Tochter und jetzt im Mehrheitseigentum des Energiekonzerns Verbund AG, trotz digitaler Inspektion durch Drohnen bleibt, ist die Wartung der Röhren. In seltenen Fällen ist ein Austausch wegen Korrosion notwendig, diese wird aber mithilfe spezieller Beschichtungen und Installationen, die Rost von den Pipelines fernhalten sollen, präventiv behandelt. Das Innere der Röhren warten und reinigen intelligente Molche. Diese werden durch Schleusen in die Pipelines gehoben, bewegen sich im Gasstrom bis zur nächsten Schleuse und melden Risse und Schäden.