Die Überraschung wäre groß gewesen, hätte es bei den Lohn- und Gehaltsverhandlungen der Metaller schon in der ersten Runde am Montag eine Einigung gegeben. Noch dazu, wo diesmal wegen der massiven Teuerung, aber auch einer drohenden Rezession für die Arbeitnehmer- und die Arbeitgeberseite gleichermaßen viel auf dem Spiel steht. Die Auftaktrunde zu den in der Bundeswirtschaftskammer in Wien geführten Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 130.00 Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie (FMTI), bei denen beide Seiten ihre Positionen nochmals klarmachten und erläuterten, war demnach, wie zu erwarten war, nicht mehr als ein Aufwärmen für die folgenden Runden.

Noch zu weit liegen die Positionen der Verhandlungsparteien auseinander. Beobachter rechnen jedenfalls mit zähen Verhandlungen. Geplant ist, die Gespräche am 17. Oktober - also in knapp zwei Wochen - fortzuführen. Bis dahin könnten die Arbeitnehmervertreter weiter mobilisieren - beispielsweise mit Betriebsversammlungen.

Forderung nach 10,6 Prozent mehr Geld

Während die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA auf eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 10,6 Prozent pochen (siehe Grafik), liebäugelt die Arbeitgeberseite mit Einmalzahlungen, die die Bundesregierung zuletzt steuerfrei gestellt hat. Für den Industriellen Christian Knill, den Chefverhandler der Arbeitgeber, sind die Forderungen der Arbeitnehmerseite "unvernünftig und überzogen".

Zusätzlich zur Forderung nach 10,6 Prozent mehr Geld verlangen die Gewerkschaften für den neuen Kollektivvertrag (KV), der noch heuer - ab 1. November - gelten soll, auch Verbesserungen beim Rahmenrecht - konkret 1.000 Euro für Lehranfänger, einen neuen Zuschlag für Samstagsarbeit, die Anhebung des Überstundenzuschlags für die 10. Arbeitsstunde sowie ein leichteres Erlangen der sechsten Urlaubswoche.

Wie viel die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie heuer drauflegen wollen, dazu haben sie sich bisher noch bedeckt gehalten. Sie wollen lieber über eine weitere Arbeitszeitflexibilisierung sprechen, wobei die Gewerkschaften hier einen Angriff auf Überstundenzahlungen sehen.

Die Arbeitnehmervertreter verweisen bei ihren Lohnforderungen auf die hohen Dividendenausschüttungen der Unternehmen in der Metallindustrie, die Arbeitgeber wiederum auf die großen Belastungen durch die stark gestiegenen Energiepreise sowie die vielen Unwägbarkeiten infolge des Krieges in der Ukraine.

Auch September-Inflation soll berücksichtigt werden

Aktuell liegt der Mindestlohn für die Metallindustrie in der traditionell gut bezahlten Branche bei 2.090 Euro brutto. Ausgangsbasis für das Feilschen um höhere Löhne und Gehälter ist wie jedes Jahr die Inflation der vergangenen zwölf Monate, die bei durchschnittlich 6,3 Prozent liegt. Dass die Teuerungsrate im September laut einer Schnellschätzung der Statistik Austria mit 10,5 Prozent den höchsten Wert seit 70 Jahren erreichte (die "Wiener Zeitung" berichtete), wollen die Gewerkschaften jedoch ebenfalls berücksichtigt haben. (kle)