Heizen wird diesen Herbst und Winter richtig teuer. Es verwundert daher nicht, dass derzeit alles, was nichts mit Erdgas zu tun hat, eine steigende Nachfrage erfährt - was sich seit Wochen und Monaten im Hamstern von Brennholz und Pellets äußert oder am steigenden Interesse an Wärmepumpen, Pelletsöfen und auch Kachelöfen. Der Kachelofenverband etwa spricht von einer Zunahme der Nachfrage um 50 Prozent. Schon während der Pandemie hatte die Nachfrage um 30 Prozent angezogen, sagt Thomas Schiffert, Geschäftsführer des Österreichischen Kachelofenverbandes.

450.000 Kachelöfen gibt es in Österreich, nach Angaben des Verbandes hat 13 Prozent aller Haushalte einen Kachelofen. 10.000 Kachelöfen werden pro Jahr errichtet. Nach Ansicht von Schiffert ist ein Kachelofen als Erstheizung geeignet.

Brennholz, das als Abfallprodukt in der Holwirtschaft und als klimaneutral gilt, ist nach Berechnungen des Verbandes das derzeit günstigste Heizmittel. Die Preise für Brennholz sind im Vergleich zu Strom, Gas, Heizöl oder Pellets, wo die Preissteigerungen mehr als 100 Prozent betrugen, innerhalb eines Jahres um nur 35 Prozent gestiegen. Zahlte ein Haushalt mit 200 Quadratmetern Fläche vor einem Jahr 922 Euro für das Heizen mit Brennholz, sind es heuer 1.232 Euro, rechnete Schiffert vor. Mit einer Gasheizung erlebte man eine Kostensteigerung von mehr als 200 Prozent auf knapp 4.000 Euro. Ein weiterer Vorteil von Kachelöfen sei, dass sie im Gegensatz zu Wärmepumpen nicht elektrisch betrieben werden müssen.

Die Preise für einen Kachelofen bewegen sich zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Das entspreche einem Neuerrichtungswert von 150 Millionen Euro pro Jahr, sagte Schiffert in einer Pressekonferenz. Derzeit werden auch jahrelang nicht in Betrieb genommene Öfen reaktiviert. Wer sich schnell noch entschließt, einen Kachelofen bauen zu lassen, muss mit Wartezeiten von bis zu fünf Monaten rechnen - und zudem zuerst prüfen, ob ein Rauchfang vorhanden ist. Dieser ist seit 2012 nicht notwendig. Schiffert erwartet nun vom Gesetzgeber eine Anpassung der Bauordnung. So soll die Anforderung, dass jede Wohneinheit einen Rauchfang haben muss, mit dem zumindest ein Wohnraum mit Brennstoffen beheizt werden kann, wieder festgeschrieben werden.

Förderung für Umstieg

Auf EU-Ebene geht der Umrüstungstrend Richtung Wärmepumpen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wächst der Markt durchschnittlich um 12 Prozent jährlich. Laut IEA sollen ab 2025 keine neuen Gaskessel verkauft werden.

Um den Umstieg von Gasheizungen auf Fernwärme, Wärmepumpe oder Holzheizungen attraktiver zu machen, legt auch die Regierung ein Scheit nach. Für den Umstieg von dezentralen Heizthermen auf zentrale Heizungsanlagen gibt es bis zu 3.000 Euro Förderung pro angeschlossene Wohnung - um 600 Euro mehr als bisher. Im mehrgeschoßigen Wohnbau mit dezentralen Heizkesseln können neben Gebäudeeigentümern auch Eigentümer und Mieter einzelner Wohnungen um eine Förderung ansuchen, teilte das Klimaministerium mit. Sie müssen aber auch die Kosten der Heizungsumstellung tragen. Mit der ausgebauten Förderung im Rahmen der "Raus aus Gas"-Initiative rechnet Klimaschutzministerin Leonore Gewessler mit einer zusätzlichen Einsparung von Gas von zehn Prozent.

Manfred Denk, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ist mit der Entwicklung, die dezentrale Wärmeversorgung durch zentrale Heizungssystem zu ersetzen, nicht ganz zufrieden. "Bei der Fernwärme gibt es nachgewiesenermaßen circa 30 Prozent höhere Verluste durch Energieumwandlung und Transport als bei dezentralen Heizsystemen. Fernwärme gibt es zudem nur in Ballungsräumen und sie wird derzeit bis zu 65 Prozent aus fossilem Gas erzeugt", so Denk in einer Aussendung. Weiters plädierte er dafür, die Verwendung von fossilem Gas für Fernwärme und im bestehenden Gasnetz für dezentrale Gasthermen in Wohnungen und Geschäften durch den Einsatz von Grünem Gas zu ersetzen. "Die österreichische Biomethan-Erzeugung muss sofort ausgebaut werden", forderte Denk unter anderem.

Gaspreis gesunken

Noch ist Österreich von Gas abhängig, von der energieintensiven Industrie bis zur Fernwärme- und Stromerzeugung. Die heimischen Gasspeicher waren zuletzt zu 80,37 Prozent gefüllt. Nach Angaben des Speicherunternehmens RAG ist die Hälfte davon für den österreichischen Markt bestimmt.

Der Gaspreis, der zeitweise 311 Dollar für eine Megawattstunde betrug, sank am Mittwoch auf 160 Euro pro Megawattstunde.