Die hohe Inflation und die Energiekrise hinterlassen in den aktuellen Insolvenzzahlen des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) bereits ihre Spuren. Die Zahl der Firmeninsolvenzen hat sich in den ersten drei Quartalen 2022 mehr als verdoppelt, auch die Gesamtpassiva und die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze nehmen weiter zu. Darüber hinaus werden immer mehr Verfahren abgewiesen, weil nicht mehr genug Kapital zur Kostendeckung im Betrieb verfügbar ist.

In den ersten drei Quartalen 2022 ist die Zahl der Firmeninsolvenzen um rund 102 Prozent auf 3.714 gestiegen. Auch die Zahl der neu eröffneten Insolvenzen legte um 74 Prozent auf 2.132 zu, das sind im Schnitt 55 pro Woche. Den größten Zuwachs verzeichneten Vorarlberg (plus 167 Prozent) und Oberösterreich (115 Prozent), am geringsten war das Plus in der Steiermark mit 51 Prozent.

Von den neu eröffneten Insolvenzen wurden rund zwei Drittel über Gläubigeranträge eröffnet. "Zuletzt hat die Bereitschaft abgenommen, dass Unternehmer selbst ihre Zahlungsunfähigkeit eingestehen", schreibt der AKV. Das führe zu einer größeren Zahl an Verletzungen der Insolvenzantragspflichten und einer Verringerung der Insolvenzmassen.

Das zeige sich auch in der Zahl der abgewiesenen Insolvenzverfahren, die sich von 614 auf 1.582 mehr als verdoppelt hat. "Dies dokumentiert, dass während der Pandemie zahlreiche Unternehmen trotz bereits vorliegender Vermögenslosigkeit die staatlichen Stundungen in Anspruch genommen haben und daher erst jetzt in den Verfahrenszahlen ihren Niederschlag finden", so der Verband.

Immer mehr Jobs in Gefahr

Die steigende Zahl an Pleiten gefährdet auch zunehmend mehr Arbeitsplätze. Für das erste bis dritte Quartal 2022 zählt der AKV 7.207 gefährdete Stellen, in der Vorjahresperiode waren es 4.530. Angewachsen sind auch die Passiva aller eröffneten Firmeninsolvenzen. Sie liegen nach neun Monaten bei rund 1,6 Mrd. Euro, nach knapp 1,1 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

Bei den Privatpleiten stellt sich die Lage etwas weniger dramatisch dar, allerdings steigt die Zahl auch hier an. In den ersten neun Monaten 2022 gab es 6.823 Privatinsolvenzen und damit um knapp 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Wöchentlich werden rund 159 Privatkonkurse eröffnet, im Gegensatz zu den Firmeninsolvenzen wird der größte Teil auf Eigeninitiative der Schuldner beantragt. Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 115.200 Euro. Sorgen macht dem AKV insbesondere, dass 115 Personen, bei denen ein Schuldenregulierungsverfahren eröffnet wurde, unter 24 Jahre alt waren.

Der Verband sieht in der aktuellen Entwicklung erst den Anfang. Die nun schlagend werdenden Corona-Nachholeffekte würden von der hohen Inflation, von stark gestiegenen Energie- und Produktionskosten und von einem vorhersehbaren Konsumrückgang zusätzlich befeuert. "Dadurch erwarten wir, dass bisher wirtschaftlich gesunde Unternehmen ebenfalls in finanzielle Schieflage geraten werden und diese zunehmend Sanierungen im Rahmen von Insolvenzverfahren anstreben werden", so der AKV. Für das kommende Jahr werden weitere Steigerungen bei den Insolvenzzahlen gesehen. (apa)