Eigentlich möchte man meinen, dass der heurige Skiurlaub in Österreich spürbar teurer wird, wenn Hotels und Seilbahnen die steigenden Kosten, von Energie bis Personal, weitergeben. Dann müssten die Buchungen zurückgehen. Aber: "Die Nachfrage ist ganz normal, also wie in den Vor-Corona-Jahren", erklärt Wolfgang Breitfuß, Direktor des Tourismusverbandes von Saalbach-Hinterglemm, überraschenderweise im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Nur zehn Prozent teurer

Zwar seien Hotels wie Liftbetreiber mit massiven Kostensteigerungen konfrontiert, man werde die Preise für Liftkarten und Übernachtungen aber durchschnittlich nur um rund zehn Prozent erhöhen. Darin sieht Breitfuß kein großes Problem, denn: "Wir haben zwar Betten in allen Kategorien, aber unsere Gäste sind eher dem höherpreisigen Segment zuzurechnen." Das mache die Skiregion bei Preissteigerungen weniger anfällig für Buchungsrückgänge, erklärt er.

Zudem weist er darauf hin, dass sich viele Hotels, ebenso wie Seilbahnen, zu Einkaufsgenossenschaften zusammengeschlossen hätten und gemeinsam im Vorhinein Strom, Energie, aber auch etwa Pistenraupen, einkaufen. Damit profitieren sie von Fixpreisen zu besseren Konditionen.

"Natürlich schaut noch jedes Unternehmen für sich, wo man einsparen kann. Da wird die Heizung halt etwas runtergedreht. Die meisten Hotels sind ohnehin überheizt. Kleinvieh macht eben auch Mist", gibt er sich gelassen.

Skiurlaub als Luxus

Wie genau sich die heurige Wintersaison in den Bergen preislich gestaltet, weiß man beim Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo zwar derzeit - mangels "empirischer Evidenz" - noch nicht. Der auf Tourismus spezialisierte Ökonom Oliver Fritz hat allerdings einige Denkansätze aus vergangenen Krisen im Talon. "Der Skiurlaub gehört entgegen langläufiger Meinung eher zu den Luxusgütern. Skiurlauber kommen daher vermehrt aus höheren Einkommensschichten. Diese nächtigen in Vierstern-Hotels, und da sind Preissteigerungen auch kein Problem. Zum Nachdenken bringt die Inflation aber die mittleren Einkommen, die dann womöglich umdisponieren - etwa vom Vierstern-Hotel auf ein Apartment."

Die verschiedenen Strategien, um das schrumpfende Urlaubsbudget mit den steigenden Preisen in Einklang zu bringen, kennt der Wifo-Ökonom von Befragungen aus der Zeit der Finanzkrise 2018/19. Die Skiurlauber werden sich heuer ähnlich verhalten, vermutet er. "Damals hat die Hälfte der Befragten angegeben, dass sie einsparen wollen, ein Drittel wollte kürzere Urlaube machen. Die jetzige Krise dürfte sich allerdings weit stärker auswirken als die damalige." Womöglich schrumpft der heurige Skiurlaub auf ein verlängertes Wochenende, von einer Woche auf vier Tage.

Preise werden dynamischer

Auch im "Dynamic Pricing" ortet Fritz ein Werkzeug, um alle Seiten zufriedenstellen zu können. Je nach Konsumentengruppe können damit unterschiedliche Packages angeboten werden. Frühbucher bekommen bessere Preise. Wer direkt und online bucht, erhält Rabatte. "Ist die Nachfrage hoch, sind die Preise auch hoch. Dann kann man sich überlegen, ob man in der teuersten Zeit, also zwischen Weihnachten und Silvester, Urlaub macht oder auf die Nebensaison ausweicht. Teils gibt es auch Preise, die von Tag zu Tag unterschiedlich sind."

Bei Flugzeug-Tickets ist diese Praxis längst üblich, die heimischen Hotels oder Bergbahnen haben diese Art der Preisgestaltung aber bislang kaum angewendet. "Von der Skiwelt Amadé weiß ich, dass die das bereits praktizieren. Wer die Tickets früher und online bucht, bekommt sie billiger." Wobei die Seilbahnen sicher größere Polster aus den vergangenen Jahren hätten, führt Fritz aus. Sie müssen die Preise daher auch heuer nicht massiv erhöhen, weil sie dies bereits über die letzten Jahren getan hätten. Für einzelne Hotels hingegen könnte die Teuerung zur Existenzfrage werden.

Einsparungen nehmen auch die Skigebiete, etwa bei der energieintensiven Beschneiung, vor, weiß der Ökonom. So reduziert etwa Schladming die Pistenbreiten. Viele Bergbahnen wollen bei der Sitzheizung der Sessellifte sparen, ihre Betriebszeiten verkürzen. Und: "Erlaubt ist Flutlicht zwar, aber es bleibt eine unternehmerische Entscheidung, ob es sich auszahlt. Nachtskifahren ist nicht der große Revenue-Bringer.

Energieknappheit bleibt, trotz aller findigen Strategien, ein längerfristiges Thema, betont der Wifo-Experte. "Und wer seinen Strom selbst erzeugt, hat sicher einen Wettbewerbsvorteil."