Es war eines der bestimmenden Themen der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes in den 90er-Jahren: Jene Verbindungsentgelte, welche die ehemalige Monopolistin Telekom Austria ihren Mitbewerbern für die Benutzung ihrer Leitungsinfrastruktur verrechnen durfte.

Diese "Netzmiete" wurde bislang durch die Regulierungsbehörde RTR kontrolliert und teils vorgegeben. Das ist allerdings nun seit 10. Oktober Geschichte, beklagen die Alternativen Internetprovider und fürchten weniger Wettbewerb sowie höhere Preise für die Konsumenten.

Anbieter befürchten massive Verteuerung

"Für einige Anbieter wird sich das Geschäft in Zukunft schlicht nicht mehr rechnen", kritisiert Harald Kapper, Präsident des Dachverbands der österreichischen Internetwirtschaft ISPA, denn: "Massive Preissteigerungen zu Gunsten der A1 sind mit diesen Regulierungsferien behördlich genehmigt." Viele Anbieter stünden nun vor der Frage, wie sie neben der bereits allgemeinen Kostensteigerung nun auch noch für höhere Entgelte zur Nutzung der Netzinfrastruktur der Telekom Austria aufkommen sollen.

Telekom darf Netzmieten selbst bestimmen

Zwar bietet die A1 Telekom Austria weiterhin Zugang zu ihrer Infrastruktur an, "nun aber zu Konditionen, die sich gerade für kleinere Anbieter häufig nicht rechnen". Es sei daher zu befürchten, dass in den kommenden Jahren zahlreiche kleine und mittelgroße Anbieter vom Markt verschwinden. "Die Folgen werden auch die Kundinnen und Kunden zu spüren bekommen, da die Preise nun empfindlich steigen werden und gleichzeitig mit weniger Auswahl zu rechnen ist", warnt Kapper.

Er verweist darauf dass der Marktanteil der Telekom am Festnetzmarkt weiterhin bei weit über 50 Prozent liege. "A1 war in den vergangenen Jahren bei weitem der größte Nutznießer von öffentlichen Fördergeldern. Diese wurden jedoch leider zu oft in veraltete Kupferinfrastruktur anstelle neuer Glasfaserinfrastruktur investiert. Dass dies nun als Anlass dafür genommen wird, um den Rest des Marktes vor zusätzliche Herausforderungen zu stellen ist für uns als Dachverband der österreichischen Internetwirtschaft schlicht nicht nachvollziehbar", so Kapper. (apa)