Wie andere Staaten ist auch Österreich permanent mit der Bewältigung von Krisen konfrontiert. Das kostet viel Geld. Die Finanzmärkte anzuzapfen und über Anleihen neue Schulden aufzunehmen, wird freilich wegen der Zinsen, die im Kampf gegen die ausufernde Inflation mittlerweile sukzessive hinaufgesetzt werden, zunehmend teurer. Dass die Republik deutlich mehr Geld für Zinszahlungen aufwenden muss, ist daher alles andere als überraschend. Zuvor hat sie jahrelang von sehr tiefen und vom Frühjahr 2019 bis Anfang 2022 sogar von negativen Zinsen profitiert (womit den Investoren unter dem Strich weniger zurückgezahlt werden musste, als an Geld aufgenommen wurde).

Aus dem am Mittwoch präsentierten Budgetentwurf von Finanzminister Magnus Brunner geht jedenfalls hervor, dass sich der Zinsaufwand künftig mehr als verdoppelt - von 4,3 Milliarden Euro im heurigen Jahr auf 8,7 Milliarden im kommenden. Für die Folgejahre bis 2026 wird mit jährlichen Zinszahlungen von 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro gerechnet.

Die Mehrbelastung für Österreichs Staatshaushalt bis 2026 liegt damit alles in allem um gut 11 Milliarden Euro höher als noch vor einem Jahr erwartet. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sollte die Schuldenquote im selben Zeitraum zwar von zuletzt 78,3 auf 72,5 Prozent sinken, in absoluten Zahlen wird der Schuldenberg aber weiter - auf nahezu 400 Milliarden Euro - anwachsen.

Bei Fitch wackelt das Rating

Erwartet wird, dass die durchschnittliche Verzinsung der Verbindlichkeiten ansteigt - auf 2,5 bis 2,8 Prozent. Was Österreichs Refinanzierung weiter verteuern könnte, ist eine mögliche Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Investoren würden dann zur Abgeltung ihres höheren Anlagerisikos auf höhere Zinsen pochen.

Erst vor wenigen Tagen hat Fitch, einer der großen Bonitätswächter neben Moody’s und Standard & Poor’s (S&P), den Ausblick für das Rating der Republik von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Das Rating, das Österreich mit derzeit "AA+" als sehr guten Schuldner ausweist (noch besser wäre "AAA"), wackelt somit.

Die Entscheidung, den Ausblick zu senken, begründet Fitch mit der - im europäischen Vergleich anhaltend hohen - Abhängigkeit des Landes von russischem Gas. Zudem sieht die Ratingagentur Österreich 2023 mit einem BIP-Minus von 0,2 Prozent in eine milde Rezession driften - anders als etwa die beiden heimischen Konjunkturforschungsinstitute Wifo und IHS, die ein hauchdünnes Wachstum um 0,2 respektive 0,3 Prozent prognostizieren (die "Wiener Zeitung" berichtete).

Wie bei Fitch hat Österreich auch bei Moody’s und S&P gegenwärtig die zweitbeste Bonitätsnote (nach dem sogenannten Triple-A). Doch hier lautet der Ratingausblick vorerst noch auf "stabil", nachdem er in den Sommermonaten gesenkt worden ist.

Deutschland zahlt weniger

In kritischem Licht gesehen wird allerdings auch von Moody’s und S&P, dass Österreich in besonderem Maße auf Energieimporte aus Russland angewiesen ist. Das ist laut Finanzminister Brunner auch der Grund, warum die Republik bei der Neuaufnahme von Schulden um 0,6 Prozentpunkte mehr an Zinsen zahlen muss als Deutschland. In den vergangenen Jahren sei der Zinsabstand zu den international als Benchmark geltenden deutschen Staatsanleihen im Regelfall nur halb so groß gewesen. Während Deutschland mit Atomstrom und Kohle Alternativen zu russischer Energie habe und auch Flüssiggasterminals bauen könne, habe Österreich keine solchen Möglichkeiten, erklärte Brunner.

An den Finanzmärkten schlägt das für die Republik trotz unveränderten Ratings bereits mit milliardenschweren Mehrbelastungen zu Buche. So belief sich die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe zuletzt im Zuge einer weiteren Aufstockung auf 2,442 Prozent, nachdem sie noch im September mit 2,152 Prozent deutlich darunter gelegen war. Bei einer Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit war der Rendite-Sprung von 0,698 Prozent (Jänner) auf 2,563 Prozent vor Kurzem noch markanter.

Christoph Badelt, Chef des Fiskalrates, sagte im ORF-Radio, dass jährlich 5 bis 6 Prozent aller österreichischen Staatsanleihen auslaufen und durch neue Papiere ersetzt werden. Die neuen Papiere seien höher verzinst, daher steige die Zinsbelastung von Jahr zu Jahr. Der Finanzminister habe das zu finanzieren, auf die Höhe des Zinsniveaus habe er aber keinen direkten Einfluss, da dieses von der EZB abhänge, erklärte Badelt.

Die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank findet am 27. Oktober statt. Angesichts der hohen Inflation wird ein weiterer großer Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten erwartet.