Hart auf hart wird es kommende Woche beim Start der Kollektivvertragsverhandlungen für die heimischen Handelsangestellten zugehen. "An erster Stelle steht natürlich Geld", schickt Martin Müllauer, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) voraus.

Richtschnur ist die rollierende Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate, die laut Gewerkschaft 6,9 Prozent betrug. Selbstverständlich will die Gewerkschaft mehr als das. Wie hoch konkret die Forderung ist, soll am Dienstag bekanntgegeben werden, wenn sich GPA und Vertreter der Bundessparte Handel in alter Tradition in der Wirtschaftskammer an den Verhandlungstisch setzen. Aus Sicht von Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel, seien allein schon 6,9 Prozent für die Betriebe zu viel.

Die GPA fordert weiters um 150 Euro mehr für die Lehrlinge. Wie schon in den Jahren zuvor wird auch wieder um die leichtere Erreichung der sechsten Urlaubswoche gekämpft. Das würde sich auch als Anreiz für junge Menschen anbieten, in den Handel zu gehen, sagte Müllauer am Donnerstagabend vor Journalisten in Richtung Arbeitgeber.

Einmalzahlungen kommen nicht infrage

Auf eine Diskussion über Zuschläge  werde sich die Gewerkschaft "sicher nicht" nicht einlassen. Auch ein KV-Abschluss mit Einmalzahlungen komme nicht infrage. Aber: "Bei verkürzten Öffnungszeiten sind wir dabei." Die Arbeitgeber könnten dadurch Energiekosten sparen, die Arbeitnehmer früher nach Hause gehen, was Jobs im Verkauf attraktiver mache.

Die Antiteuerungsmaßnahmen der Regierung in die KV-Gespräche miteinzubeziehen, lehnt die Gewerkschaft strikt ab. Helga Fichtinger, GPA-Chefverhandlerin für den Handel, betont: "Wir lassen uns das nicht gegenrechnen."

Die Zielrichtung der Arbeitgebervertreter ist klar. Aktuelle Berechnungen aus dem Finanzministerium und der Wirtschaftskammer hätten ergeben, dass durch die umfangreichen Teuerungs- und Entlastungspakete der Bundesregierung - von Energiekostenausgleich, Klimabonus, Familienbonus bis zu diversen Einmalzahlungen - bereits große Teile der Teuerung des Jahres 2022 ausgeglichen wurden, so der Fachverband der Metalltechnischen Industrie in einer Aussendung. 2023 würden weitere Maßnahmen wie die Abschaffung der kalten Progression die Haushalte entlasten.

Forderungen entbehren jeder vernünftigen Grundlage

Fachverbandsobmann Christian Knill: "Vor diesem Hintergrund sind die Forderungen der Gewerkschaften unrealistisch und entbehren jeder vernünftigen Grundlage." Ähnlich denkt Trefelik. Er fordert, dass bei den Verhandlungen die Antiteuerungshilfen und die Abschaffung der Kalten Progression Berücksichtigung finden. Gewerkschafterin Fichtinger stellt dem gegenüber, dass die Einmalzahlungen die Inflation nicht dauerhaft abdecken und schnell verpuffen würden.

Im österreichischen Handel (Einzelhandel, Großhandel und Kfz-Handel) waren laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger im Jahr 2020 im Durchschnitt rund 549.000 Personen unselbständig beschäftigt. Davon waren 415.000 Angestellte und 134.000 Arbeiter. Weiters werden im Handel 15.000 Lehrlinge ausgebildet.

Rund 63 Prozent der Handelsangestellten sind Frauen. 55,3 Prozent von ihnen arbeiten in Teilzeit. Bei den Männern sind es 10,5 Prozent.

Nahversorger-Sterben befürchtet

Auf den Lebensmittelhandel entfällt fast ein Drittel der Beschäftigten. Branchensprecher Christian Prauchner macht sich wegen der gestiegenen Energiepreise große Sorgen um die kleinen und mittelgroßen Geschäfte und befürchtet ein "Nahversorger-Sterben, das sich gewaschen hat." Wenn, wie bei einem ihm bekannten Geschäftsinhaber, aufgrund neuer Vorschreibungen der Energieversorger die Stromkosten von 8.000 auf 60.000 im Jahr steigen, dann sei das "nicht mehr verdienbar". Man könne ja nicht alles an die Kunden weitergeben.