Beginnend mit Jänner 2023 gibt es neue Regeln für den Umgang mit Verpackungsmüll in Österreich. Der Gesetzgeber setzt damit die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft auf nationaler Ebene um. Diese sehen ab 2025 höhere Recyclingquoten vor. "Wir haben bei Papier und Glas die Ziele für 2030 schon heute weit übertroffen, auch bei Metall haben wir eine Sammelquote von über 80 Prozent", sagte ARA-Vorstand Harald Hauke im APA-Interview. Bei Kunststoff gebe es allerdings Aufholbedarf.

Dort würde Österreich die Quoten zwar derzeit erreichen, "wir haben 22,5 Prozent als Vorgabe und haben über 30 Prozent Recyclingquote", so der Vorstand der Altstoff Recycling Austria (ARA). Ab 2025 werde die gesetzlich vorgegebene Quote aber auf 50 Prozent erhöht, während gleichzeitig die Berechnungsmethode geändert werde, "damit fallen wir auf 25 Prozent zurück", sagte Hauke. Die Recyclingquote für Kunststoff müsse bis 2025 entsprechend verdoppelt werden. "Wir haben heute 300.000 Tonnen Kunststoffverpackungen im Markt, 75.000 Tonnen davon werden derzeit recycelt", bis 2025 müssten es 150.000 Tonnen sein. "Das sind schon enorme Mengen", so der Vorstand.

"Durch die Hinaufsetzung der Ziele bei gleichzeitiger Reduktion der Anrechenbarkeit, was denn noch als recycelt gilt, hat der Regulator hier eine ganz starke Richtung vorgegeben", sagte auch ARA-Vorstand Martin Prieler. Bei Glas, Papier und Metall habe es immer einheitliche Systeme gegeben und die Bevölkerung habe das Recycling in diesen Bereichen gut aufgenommen. Bei Kunststoff habe es hingegen bis zu zehn verschiedene Sammelsysteme gegeben.

Einheitliches Sammeln als Ziel

Das will die ARA nun ändern und vereinheitlicht ab 2023 das Sammelsystem: "Wir werden Leichtverpackungen regional abhängig einheitlich sammeln", so Prieler. Alle Kunststoff- und Metallverpackungen werden zukünftig in einem Container gemeinsam gesammelt. So soll die Sammelquote erhöht werden und weniger recyclingbares Material im Restmüll landen: "Es wir einfacher für den Konsumenten, weil er nicht mehr vor die Wahl gestellt wird, es gibt dann nur mehr eine Tonne", so der Vorstand. Bereits mit 1. Jänner 2023 übernehmen die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten und Teile von Salzburg die Änderung, ab 2025 wird die Vereinheitlichung dann verpflichtend für alle.

Auch Unternehmen sind ab 2023 gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Verpackungen besser zu trennen. Verschiedene Abfallmaterialien, etwa Folien oder Kartonage, werden dann in den Betrieben gesammelt, von der ARA abgeholt und der Verwertung übergeben. "Allein im Industrieabfall gibt es 50.000 Tonnen Kunststoff, die heute nicht recycelt werden, da gibt es Potenzial, die Quote zu erhöhen", so Hauke. Im Bereich der Unternehmen werde von einem "Bring-" auf ein "Holsystem" umgestellt. Das bedeute, die ARA werde Recyclingmaterial ab 2023 direkt bei den Unternehmen abholen, bisher hätten die Unternehmen ihren recycelbaren Müll selbst zur nächsten Übernahmestelle bringen müssen.

"Wir erwarten uns dadurch deutliche Steigerungen bei der Sammelquote", so Hauke. Diese Steigerungen seien auch notwendig, um die gesetzlichen Vorgaben zu erreichen. Konkret müsse ab 2025 die Sammelquote auf 80 Prozent erhöht werden, davon müssten 80 Prozent sortiert und wiederum 80 Prozent recycelt werden, um auf die vorgegebene Recyclingquote von 50 Prozent zu kommen. Das sei ein Kunststoffbereich eine "wirkliche Herausforderung". Momentan liege die Sammelquote bei 58 Prozent, wovon 58 Prozent sortiert und dann 78 Prozent recycelt werden.

Kunststoff auch technisch eine Herausforderung

Kunststoffverpackungen seien grundsätzlich schwieriger zu recyceln als etwa Glasverpackungen. Das liege daran, dass dafür unterschiedlichste Arten von Kunststoffen zum Einsatz kämen. Außerdem seien die gesetzlichen Vorgaben und damit auch die Recyclingquoten früher deutlich geringer gewesen. Heute seien die Techniken deutlich besser, "wir können heute mehr recyceln als in der Vergangenheit", so Hauke.

"Uns geht es immer um die Frage, wo haben wir Stellgrößen, um den Einsatz von Rezyklaten in die Höhe zu treiben", sagte Prieler. So gebe es in der Sammelinfrastruktur, in der Sortierung und in der Aufbereitung der Stoffe Hebel, mit denen die Recyclingquoten gesteigert werden könnten. Die ARA versuche vor allem die Sammelquote zu erhöhen, etwa mit der Vereinfachung des Systems, aber auch indem sie Bewusstsein in der Bevölkerung schafft.

So sei etwa auch eine App entwickelt worden, mit der der Barcode auf Produkten gescannt werden kann, um zu erfahren, wie und wo die Verpackung recycelt werden kann. Ein weiterer Fokus liege auf der Entwicklung von Verpackungen, die möglichst einfach recycelbar sind. In diesem Bereich habe sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan, so Hauke. (apa)