Die über die Energiepreise importierte hohe Inflation trifft bei den Kollektivvertragsverhandlungen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, sagt WIFO-Ökonom Benjamin Bittschi im Ö1-Morgenjournal.

Dass die Arbeitgeberseite bei den Verhandlungen die Antiteuerungsmaßnahmen der Regierung bei den KV-Verhandlungen berücksichtigen will, ist für den Ökonomen nicht ganz nachvollziehbar - auch wenn dadurch die Kaufkraftsicherung gestützt werde. Dass der Staat so direkt auf die Lohnverhandlungen Einfluss nehmen könnte, sieht er nicht. "Salopp ausgedrückt: Der Staat hat nichts zu verschenken. Die Antiteuerungsmaßnahmen basieren auf Steuereinnahmen oder Schulden. Einen Teil dieser Maßnahmen würden sich die Beschäftigten somit selbst bezahlen. Abgesehen davon würden diese Pakete zum Teil auch den Unternehmen zugute kommen." So etwa die Senkung der Körperschaftssteuer. Oder der Handel, der von höheren Konsumausgaben profitiert.

Die Arbeitnehmer sind derzeit eher bemüht, die Verhandlungen rasch abzuschließen, da die Wirtschaftsaussichten nicht besser werden, nimmt Bittschi an. Die Arbeitgeberseite wiederum dürfte seiner Meinung nach mehr Zeit haben. Schließlich könnten dann schlechtere Wirtschaftszahlen ins Treffen geführt werden.

Bei Scheitern, Betriebsversammlungen

Heute, Montag, werden die Metaller-KV-Verhandlungen fortgesetzt. Die Gewerkschaft fordert mehr Einkommen für Lehrlinge, höhere Zuschläge, eine sechste Urlaubswoche sowie um 10,6 Prozent höhere Bruttolöhne, die Christian Wimmer von der Gewerkschaft für die etwa 200.000 Beschäftigten herausholen will. Sollten die Verhandlungen scheitern, sind für Mittwoch Betriebsversammlungen geplant. Und dort werde es dann Streikabstimmungen geben, sagt Wimmer im Morgenjournal.

Christian Knill von den Arbeitgebern wiederum sieht hier selbst für die Inflationsabgeltung wenig Spielraum. "Wenn wir das machen, dann werden wir im nächsten Jahr spätestens viele Betriebe sehen, die Riesenprobleme haben zu überleben und das kann nicht im Interesse der österreichischen Wirtschaft und des österreichischen Standorts sein." (apa)