Unaufhaltsam macht sich die hohe Inflation von derzeit etwa zehn Prozent in allen Lebensbereichen bemerkbar. Davon nicht ausgenommen ist auch Herrn und Frau Österreichers beliebtestes Spielzeug, das Handy. Was allerdings nur die wenigsten wissen ist, dass etwa 80 Prozent der heimischen Mobilfunkverträge über eine sogenannte Wertsicherungsklausel verfügen. Diese besagt, dass die Gebühren an den Verbraucherpreisindex (VPI) angepasst werden können. Ob, wann und in welchem Umfang dies erfolgt, liegt im Ermessen der Betreiber.

Der VPI ist ein Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung und bildet somit die Inflation in Österreich ab. Für den heurigen September beträgt die Inflationsrate voraussichtlich 10,5 Prozent, prognostizierte die Statistik Austria im Rahmen ihrer Schnellschätzung bereits. Damit übertrifft die aktuelle Inflationsrate übrigens sogar die Höchstwerte der Siebzigerjahre, als die Ölkrise die Welt in Atem hielt.

Die vergessene Klausel

Das ist freilich lange her und genau hier liegt auch "der Hund begraben", denn die wenigsten Handynutzer haben sich jemals mit der in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), oft unter dem Punkt "Wertsicherung" angesiedelten, Indexanpassungsklausel beschäftigt. Bei niedrigen einstelligen Inflationsraten fiel dieser Punkt in den letzten Jahren auch kaum ins Gewicht. Genau diese fast vergessene Klausel führt aber jetzt zu Verteuerungen der Telekommunikationsentgelte.

Tariferhöhungen zwischen acht und zehn Prozent erwartet die Kunden bis nächstes Jahr, schätzt Michael Krammer, Geschäftsführer von Ventocom, am Montag vor Journalisten in Wien. Ventocom ist ein virtueller Netzbetreiber, unter dessen Ägide die Marken Hot (Hofer) , Raiffeisen mobil und Liwest firmieren. Allein Hot-Kunden hat das Unternehmen laut eigenen Angaben aktuell 1,276.000 in Österreich.

Krammer stellte eine Marketagent-Studie vor, bei der gefragt wurde, inwieweit die Mobilfunknutzer über die kommende Tariferhöhung informiert sind. Ergebnis: Die wenigsten, nur etwa 20 Prozent der 1.000 Befragten, wissen davon. Und von jenen, die darüber Bescheid wissen, glaubt ein guter Teil (40 Prozent), dass ihnen bei einer solchen Verteuerung ein außerordentliches Kündigungsrecht zusteht, was aber nicht der Fall ist. Einmal darüber informiert, gab dann allerdings die Hälfte der Studienteilnehmer an, den Betreiber wechseln zu wollen, wenn es teurer wird. "Wir gehen davon aus, dass 2023 ein bewegtes Jahr für die Mobilfunker wird", so Krammer lakonisch.

Wann genau und in welchem Umfang die einzelnen Betreiber die Teuerung einpreisen werden, ist unterschiedlich und noch kaum bekannt. Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" bei Magenta und A1 hieß es jedoch von beiden, dass man die Kunden jedenfalls vorab informiert, wenn eine Preisanpassung erfolgt.

Magenta gab bekannt, bereits eine Preiserhöhung eingeleitet zu haben. "Auch unser Unternehmen ist von den enormen Preissteigerungen betroffen. Wir haben daher unsere Kundinnen und Kunden über eine Indexanpassung in Höhe von 2,8 Prozent verständigt. Bei Mobilfunk und mobilem Internet wird die Anpassung mit der Novemberrechnung wirksam, bei Kabel-Internet mit der Dezemberrechnung", hieß es dazu gegenüber der "Wiener Zeitung".

Telekom Austria A1 erklärte, für 2023 sei noch keine Entscheidung getroffen, in welchem Ausmaß Indexanpassungen vorgenommen würden. Die letzte Preisanpassung sei im April 2022 gewesen.

Die Tariferhöhungen betreffen übrigens in vielen Fällen nicht nur die Grundgebühren, sondern auch Servicegebühren, warnte die Arbeiterkammer (AK) bereits im Juli. Auch sie erwartet, dass die Anbieter ihre Gebühren 2023 deutlich nach oben schrauben.

Alternativanbieter wie Spusu, Hot oder Yesss hätten hingegen meist keine Indexierung in ihren Verträgen, so die AK. Teuerungen vermeiden, das könnten Kunden auch, indem sie zu Jahresbeginn 2023 einen neuen Handyvertrag abschließen. Dann können die Preise nämlich erst 2024 an die Inflation angepasst werden.

Umso härter trifft es jene, die einer Vertragsbindung unterliegen, weil sie etwa ein günstigeres Smartphone wollten. Für sie ist oft 12 bis 24 Monate kein Anbieterwechsel möglich oder nur sehr schwierig und teuer.