Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ist einem Kartell bei Pellets auf der Spur. Seit Dienstag seien die Räumlichkeiten mehrerer Unternehmen und eines Verbands in Wien, Kärnten und Tirol durchsucht worden, teilte die BWB am Donnerstag mit. Es bestehe der Verdacht, dass Pellethersteller und Pellethändler die Preise abgesprochen, Kunden aufgeteilt sowie den Absatz gemeinsam eingeschränkt und kontrolliert haben. Die Ermittlungen laufen seit Februar 2022.

"Heizen ist ein Grundbedürfnis. Die gegenwärtige Krisensituation darf nicht durch Absprachen weiter verzerrt werden. Wir gehen allen Hinweisen mit höchster Priorität nach", erklärte die interimistische BWB-Generaldirektorin Natalie Harsdorf-Borsch in der Presseaussendung.

ProPellets Austria entkräftet Vorwurf

Indes wurde von der proPellets Austria, der Branchenvertretung der Pellet-Industrie in Österreich, zwar eine Hausdurchsuchung bestätigt, aber entschieden eine Preisabsprache dementiert. "Wir sind überzeugt, dass die Bundeswettbewerbsbehörde keinerlei Fehlverhalten von proPellets zu Tage fördern wird", sagte Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria. Laut Rakos erkläre sich der Preisunerschiede folgendermaßen: Gestiegene Produktionskosten, die hohe Nachfrage und kriegsbedingte Lieferausfälle in Europa.

Massiver Preisanstieg

Tatsächlich sind im Zuge der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise in Europa neben Gas auch die Preise für andere Brennstoffe wie Holz und Pellets stark gestiegen. Die BWB geht unter anderem dem Verdacht nach, ob Pellets durch Absprachen zurückgehalten wurden, um die Preise hochzutreiben.

Wie die Wettbewerbshüter mitteilen, wurden 2021 in Österreich 1,6 Mio. Tonnen Pellets produziert und 1,2 Mio. Tonnen verbraucht. Sowohl Export als auch Import von Pellets seien heuer verglichen mit 2021 leicht zurückgegangen. Pellets aus Russland oder der Ukraine machten nur ein Prozent der österreichischen Importe aus.

Nach dem Kartellgesetz sind alle Vereinbarungen verboten, die den Wettbewerb verhindern oder beschränken. Insbesondere sind Absprachen über Preise, Einschränkungen der Kontrolle oder der Erzeugung des Absatzes sowie die Aufteilung von Märkten verboten. Bei Verstößen kann eine Geldstrafe bis zu 10 Prozent des Umsatzes verhängt werden.

4 Prozent der österreichischen Haushalte heizen mit Pellets, Tendenz steigend.

(apa)