Weltweit hebt der Luftverkehr wieder ab und lässt pandemische Bremsfaktoren hinter sich. Das starke Wachstum der Luftfahrt wirkt sich allerdings auch auf das Klima aus, denn: "Die globale Luftfahrt ist für etwa 2,5 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich", wie Verkehrs- und Klimaministerin Leonore Gewessler in ihrer Eröffnungsnote zum Aviation Forum Austria am Mittwoch in Wien erklärt.

Derzeit wird daher fieberhaft an der Neuausrichtung des gesamten Luftfahrtsektors gearbeitet, sämtliche Bereiche sollen klimaneutral werden. Das bedeutet eine immense Anstrengung aller Beteiligten, von den Zulieferern über die Airlines und Flughäfen bis zu den Spriterzeugern und Flugzeugbauern. Forschung und Entwicklung laufen dabei fast zeitgleich mit Produktion und Testverfahren ab.

Bis 2040 soll Österreichs Luftfahrt klimaneutral sein, der europäische Green Deal schreibt dies bis 2050 für ganz Europa vor.

Biosprit bis Schwarmflug

Für die Zukunft des klimaneutralen Fliegens braucht es Innovationen bei Kraftstoffen - wobei noch nicht entschieden ist, ob dabei auf Wasserstoff oder nachhaltig synthetisch erzeugte Treibstoffe (SAF) gesetzt wird. Neue Antriebe werden entwickelt. Leichtbauteile sollen etwa die Problematik des Fliegens mit den im Vergleich zu Kerosin viermal voluminöseren Wasserstofftanks lösen. Das Flugzeugdesign soll aerodynamischer und damit effizienter werden und sämtliche Bestandteile sollen wiederverwendbar oder recyclingfähig sein. Aber auch die Flugplanung wird neu ausgerichtet. Flugzeuge, die im Schwarm fliegen, wie es Vögel tun, ist ein heißes Thema am Aviation Forum.

In Österreich sind mehr als 15.000 Menschen in der Luftfahrtindustrie und Forschung beschäftigt, sie erwirtschafteten 2019 rund drei Milliarden Euro Umsatz, hat Johanna Berndorfer von Brimatech im Rahmen einer Studie erhoben, neuere Zahlen gibt es noch nicht. Ähnlich wie im Automobilsektor ist die Alpenrepublik als Zuliefernation aufgrund ihrer geringen Größe dabei hochgradig auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Die mittelständischen heimischen Unternehmen sind hoch spezialisiert und engmaschig vernetzt mit den großen Produktionsstätten, etwa in Deutschland und Frankreich.

Wasserstoff oder SAF

"40.000 neue Flugzeuge werden in den nächsten zwanzig Jahren abheben, teils als Replacement von alten Flotten, teils ergeben sich neue Märkte, besonders in Asien", erklärt Patrick Fixmer, Innovation Ambassador bei Airbus. Ob man dabei auf SAF oder Wasserstoff setzen werde, ist auch beim größten europäischen Flugzeugbauer noch nicht klar. Bis 2035 soll jedoch schon die Designentscheidung für das erste Wasserstoffflugzeug stehen, "ein sehr straffer Zeitplan", wie Fixmer betont. "Technologisch bekommen wir das hin, wenn aber die Infrastruktur dafür nicht steht, nützt uns das nichts."

Woher kommt der grüne Wasserstoff, wie bekommt man ausreichende Mengen davon dorthin, wo man sie braucht, das beschäftigt alle und eben auch Airbus. Noch ist grüner Wasserstoff nämlich eine rare Ressource, ebenso wie aus Biomasse hergestellte Treibstoffe (SAF). Diese dürfen aber nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, wie Fixmer erklärt. Er betont, dass heute schon alle neuen Airbus-Modelle für bis zu 50 Prozent SAF-Beimischungen zum Kerosin zertifiziert sind, bis 2030 sollen 100 Prozent möglich sein. In Österreich arbeitet Airbus mit vielen Partnern zusammen. Die Kernkompetenzen der Alpenrepublik liegen etwa bei Simulation und Testverfahren sowie im Ingenieurwesen, weiß Fixmer.

Der österreichische Weg

Kryogene Ventile werden etwa bei Testfuchs in Gross-Siegharts entwickelt, gebaut und getestet. Leichtbauteile, wie sie für Wasserstoff-Flugzeuge essenziell sind, stehen bei Peak Technologies in Holzhausen im Fokus. Und neue Fertigungstechnologien sind bei Alpex in Mils beheimatet.

Die Geschäftsführer aller drei Firmen fanden beim Aviation Forum bei einer Podiumsdiskussion ein gemeinsames Thema: Österreich hat immensen Aufholbedarf. So betont Volker Fuchs von Testfuchs: "Wir waren bei der Wasserstoff-Strategie eines der letzten Länder in Europa. Wir müssen einen Zahn zulegen, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können." Dieter Grebner von Peak Technologies streicht hervor, dass Deutschland und Frankreich Milliarden aus dem EU Recovery Fund in Luft- und Raumfahrt gesteckt hätten, Österreich habe damit Gastronomie und Hotellerie gefördert. Alle drei Firmenschefs kritisierten überbordende Vorschriften, Regulierungen und Normen. Auf den hochemotionalen Punkt brachte es schließlich die Geschäftsführerin des Flughafens Salzburg, Bettina Ganghofer: "Wir ersticken in Normen! Man bindet uns die Füße zusammen und sagt: ‚Lauft schneller!‘ Ich könnte auf meinem kleinen Flughafen einen sechsstelligen Betrag bei Energie einsparen ohne diese Regulierungswut. Man stelle sich vor, was da in ganz Österreich möglich wäre."