Beim teilstaatlichen Öl- und Gaskonzern OMV klingeln die Kassen dank der hohen Energiepreise öfter und lauter denn je. Wie das Unternehmen vor dem Wochenende mitteilte, legte der Vorsteuergewinn in den ersten drei Quartalen gegenüber der gleichen Vorjahresperiode kräftig zu - um 173 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Österreichs größter Industriekonzern, der über seine Tochterfirma Borealis auch im Chemie-Geschäft mitmischt, gut 4,7 Milliarden Euro und damit auch deutlich mehr als doppelt so viel.

Besonders gut lief es für die OMV im Geschäft mit der Aufsuchung und Förderung von Öl und Gas, aber auch im Raffineriegeschäft. Angesichts der stark sprudelnden Gewinne sollen die Gesellschafter des Unternehmens für das Jahr 2022 zusätzlich zur regulären Dividende, die noch festzulegen ist, eine Sonderdividende in der Höhe von 2,25 Euro pro Aktie bekommen. Die Staatsholding Öbag, mit 31,5 Prozent größte Einzelaktionärin, wird allein über diese Sonderdividende rund 232 Millionen Euro kassieren.

Proteste vor Konzernzentrale

Dass die OMV heuer so viel Gewinn macht wie noch nie, hat am Freitag wieder den Ruf nach einer Sondersteuer ertönen lassen. Greenpeace und Fridays for Future demonstrierten vor der Wiener Firmenzentrale und der Wirtschaftskammer Wien. Dabei bekräftigten sie ihre Forderung an Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), er möge die Krisengewinne von Öl- und Gaskonzernen besteuern. Das Geld müsse den Menschen, von denen viele derzeit nicht wüssten, wie sie ihre Energierechnungen bezahlen sollen, zurückgegeben und auch in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden.

Die SPÖ erneuerte ihre Forderung nach einer sogenannten Übergewinnsteuer ebenfalls. Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut, eine ökosoziale Denkfabrik mit Sitz in Wien, bezifferte den Übergewinn der OMV auf circa eine Milliarde Euro pro Quartal, im Gesamtjahr 2022 würde dieser somit alles in allem etwa vier Milliarden betragen.

OMV-Chef Alfred Stern erklärte zu einer möglichen Gewinnabschöpfung lediglich, dass ihm bisher noch kein Ergebnis bekannt sei, wie die in Brüssel beschlossene "Solidaritätsabgabe", die jetzt in den Nationalstaaten umzusetzen sei, in Österreich aussehen werde. Der Manager unterstrich jedoch, dass die OMV in einem sehr zyklischen Geschäft mit Höhen und Tiefen tätig sei. Hohe Gewinne seien daher notwendig, um auch Täler wie zuletzt die Corona-Krise durchschreiten zu können. Daneben hob Stern die Bedeutung verstärkter Investitionen, die dadurch möglich wären, hervor. Bei Energie seien Angebot und Nachfrage derzeit nicht im Gleichgewicht, das sorge für extrem hohe Preise. Es brauche deshalb mehr Investitionen, die das Angebot erhöhten, gab Stern zu bedenken.

Gaspreise bleiben hoch

Indes rechnet der OMV-Boss auch für 2023 - nicht zuletzt wegen der starken Abhängigkeit von Russland - mit hohen Gaspreisen in Europa. Anhaltende oder verstärkte Unterbrechungen der russischen Gaslieferungen könnten die Preise sogar noch weiter steigen lassen, so Stern.

Umso wichtiger sei es, die Gasversorgung in Österreich neu aufzustellen. Dazu gehöre auch die erst kürzlich getroffene Vereinbarung, wonach die Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) Österreich für die Heizsaison 2023/24 eine Schiffsladung Flüssiggas liefern wird, was der Menge von einer Terawattstunde und der Versorgung von 65.000 Haushalten für ein Jahr entspricht.

Diese Lieferung sei "aber nur ein Baustein", betonte Stern. Wichtig für die Diversifizierung sei vor allem Gas aus Norwegen, das die OMV dort teilweise selber fördert. Ob sich die Gasversorgung für den nächsten Winter 2023/24 sichern lässt (für den kommenden ist sie gesichert), hängt laut Stern von Faktoren ab, die nicht zu kontrollieren seien - etwa davon, ob der heurige Winter mild wird und wie hoch die Speicherfüllstände am Ende der Heizsaison sein werden.

Neuigkeiten gab es am Freitag zur Borealis, an der die OMV 75 Prozent hält, der arabische OMV-Kernaktionär Mubadala die restlichen 25 Prozent. Dieser Viertelanteil ist laut Stern "in Diskussion" und wird "wahrscheinlich den Eigentümer wechseln". Wer ihn übernimmt, wollte der OMV-Chef nicht sagen. Dem Vernehmen nach soll es die Adnoc sein. Denkbar wäre aber auch, dass die OMV selbst zugreifen will, denn mit ihrer Petrochemie-Tochter hat sie große Pläne.